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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Als ich flog
Eingestellt am 22. 08. 2003 19:36


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julimaus
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2002

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Der Himmel ist so blau, dass ich glaube, dass ich nicht stehe, sondern falle. Und das Oben zieht mich an. Und ich stehe nicht, ich laufe. Ich renne, fliege. Dem Himmel entgegen- aber nur in Gedanken. Heute ist ein normaler Tag und doch k├Ânnte es der sch├Ânste sein. Nur morgen ist sch├Âner. Und ├ťbermorgen. Die tollsten Tage sind die, die vor uns liegen. Die Luft um mich herum tr├Ągt mich, sie n├Ąhrt mich, hebt mich dem Blau entgegen. Ich singe, dieses alte Lied, das ich noch aus der Schule kenne: "├ťber den WolkenÔÇŽ" Ich brauche die Wolken nicht. Meine Freiheit ist grenzenlos, selbst hier, darunter. Denn es ist ein ganz normaler Tag. Und ich bin gl├╝cklich. Ohne Grund. Ich schreie, ein Jubelschrei, den ich seit Wochen in mir trage, nur war er immer ged├Ąmpft. Heute nicht. Heute bricht er aus. Und ich wei├č nicht warum, denn heute ist ein ganz normaler Tag.
Ich fliege. Ich fliege den Weg entlang, den ich jeden Tag gehe, m├Âchte jeden Baum umarmen, den ich heute sehe, als sei er ein ganz besonderes Geschenk der Natur. Ich lache. Ich m├Âchte jeden Menschen an der Hand nehmen, herumwirbeln. Ich m├Âchte tanzen.
Jedes Ding, das ich sehe, erscheint mir frisch und neu und jung, selbst die alte Bank hier vorne. Und eine Frau sitzt darauf. Liest sie? Genie├čt sie die warmen Sonnenstrahlen? Ich gehe l├Ąchelnd den Weg entlang, der mich direkt an ihr vorbei f├╝hrt. Und sie schaut mich an.
Und ich falle. Der Himmel l├Ąsst mich los und gibt mich der Erde zur├╝ck. Selbst in Gedanken. Es sind die Augen, die mich zur├╝ckholen, die unendlich tief blauen Augen, so wie der Himmel ├╝ber mir. Rot, kaum blau. Sie muss schon seit Stunden weinen, ihr Gesicht ist aufgequollen und die Augen rot.
Und ich f├╝hle mich nicht mehr frei. Auch wenn der Himmel nichts von seiner unglaublichen Anziehungskraft verloren hat, fliege ich nun nicht mehr. Mein L├Ącheln verwandelt sich in einen nichts sagenden Gesichtsausdruck. Ich gehe gesittet den Weg entlang, ohne zu singen, zu schreien, zu tanzen. Es ist nur ein normaler Tag. Wie kann ich gl├╝cklich sein? So ganz ohne Grund. W├Ąhrend andere Gr├╝nde haben um zu weinen.
Bin ich schuldig? Muss ich mir selbst die Fl├╝gel stutzen?
__________________
Du kannst dem Leben nicht mehr Tage schenken, aber dem Tag mehr Leben.

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knychen
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bisschen ├Ąktschen

hallo julimaus,
erst wollte ich deinen beitrag als streiflicht des alltags abtun, dann kam mir der gedanke, die beiden einzigen figuren sind nur deshalb so kurz skizziert, da├č der leser mehr spielraum hat, sich eine handlung rein zu denken. dann las ich dein profil und dachte mir: nee, so ausjebufft kannse noch nich sein. (sehr herablassend, nicht wahr)
auf jeden fall hast du gute beobachtungsgabe bewiesen, an dir selbst und auch an der frau. auch wenn du selbst nicht unbedingt gemeint bist mit dem "ich", die eindr├╝cke stammen doch bestimmt aus dem eigenen erfahrungsbereich.
zwei dinge sind mir aufgesto├čen:
1. "die unendlich tiefblauen augen" kurz danach sind sie schon "rot, kaum blau" und noch einen augenblick sp├Ąter "rot"
ich wei├č, was du sagen willst, w├╝rde aber ├╝ber eine andere formulierung nachdenken.
2."w├Ąhrend andere gr├╝nde haben um zu weinen." wenn es so bleiben soll, nimm wenigstens das "um" weg. dann fehlt erstens kein komma mehr (sowieso lappalie), und zweitens klingt es besser. (subjektiv)
gru├č aus adlershof von knychen
__________________
kny

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julimaus
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hallo knychen

danke f├╝r deinen kommentar.
eigentlich hast du irgendwo recht, es ist so etwas wie ein streiflicht des tages, nur dass ich es nicht im negativen sehe. ich schreibe gerne so eine art momentaufnahmen, die keine wirklichen geschichten sind. aber sie erscheinen mir trotzdem wert, sie aufzuschreiben.
ich werde ├╝ber die stelle mit den augen nachdenken, danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.

sch├Ânen gru├č
julimaus
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