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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Als ich zu glauben wagte..
Eingestellt am 10. 04. 2004 21:56


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None Back
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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Zu Anfang glaubte ich an Liebe, die gl√ľcklich machte, an ein Gef√ľhl, das keinen Schmerz zulie√ü.
Mittlerweile weiss ich, dass diese Vorstellung kindlicher Naivität anzuhaften ist.

Leise Rockmusik drang aus den Boxen der Anlage, w√§hrend ich sp√ľrte, wie meine Glieder mit einer bet√§ubenden M√ľdigkeit erschwert wurden, mich dazu zwangen selbst meine Augenlider zu schlie√üen und einem Traum hinzugeben, der nichts anderes f√ľr mich bereit hielt, als s√ľ√ü duftende Blumen und heiteren Sonnenschein. Dieser Traum, zusammen mit diesem Gl√ľck machten mich unaufmerksam, so dass ich ihn erst wahrnahm, als er es f√ľr richtig hielt. N√§mlich dann, als seine kr√§ftige, kalte Hand meinen Kn√∂chel packte und mich von der Couch auf den Boden zerrte.
Schlagartig war jegliche M√ľdigkeit verflogen und lie√ü meine Gliedma√üen in einer Leichtigkeit zur√ľck, in der ich meinte, mich mit jedem anlegen zu k√∂nnen, au√üer dem, der jetzt √ľber mir stand, als ich die Augen panisch aufriss. Er war es. Er, dem mein Herz geh√∂rte.
Er wischte sich mit der linken Hand √ľber den Mund, ein dreckiges Grinsen im Gesicht. Ich roch den Alkohol - und dieser Geruch, der sich pl√∂tzlich in meine Gedanken √§tzte, lie√ü mich leicht w√ľrgen, erzeugte √úbelkeit in meinem Innern. Das Zeug ver√§nderte ihn; es machte ihn zur Bestie.

Ich √∂ffnete meinen Mund, wollte gerade etwas sagen. Etwas, was ihn beschwichtigen sollte, aber er lie√ü mir nicht mal diese Zeit, denn w√§hrend er mich herunter dr√ľckte, rammte er mir seinen Fu√ü in die Seite. Einzig und allein ein Reflex wollte mich sch√ľtzen, als meine H√§nde vorschnellten und seinen Tritt abfangen wollten - einige Sekunden zu sp√§t. Ich sp√ľrte, wie jegliche Luft aus meiner Lunge wich, g√§hnende Leere hinterlie√ü und ich sp√ľrte.. dass meine Knochen nachgaben, meine Rippen ein leises Krachen von sich gaben. Und jetzt schon schien der Schmerz bet√§ubend, dunkle P√ľnktchen flimmerten vor meinem inneren Auge, so dass ich mich nur mit M√ľhe bei Sinnen halten konnte.

Es war nicht das erste Mal. Mittlerweile versuchte ich mich nicht einmal mehr zu wehren, sondern lie√ü es geschehen, so wie es jedes von Zeit zu Zeit eben geschah. Vielleicht w√ľrde er den Spa√ü dran schneller verlieren, seine Aggressivit√§t ein wenig abflauen. Meine Gedanken kreisten in wilden Bahnen und mein Herz schmerzte mehr, als die Schl√§ge es taten. Es wollte in alle Einzelteile zerspringen, so sehr pochte es - und mir war es nur recht. Ich hatte schon lange aufgegeben.

Ein unnat√ľrliches Ger√§usch, ein leises Brummeln seinerseits und mit seinen taumelnden Schritten versuchte er einen weiteren Tritt, den er jedoch verfehlte und sich selbst zu Boden streckte.
Das Zeug machte ihn zu einer unberechenbaren Bestie. Ich st√ľtzte meinen Kopf auf dem Boden, hielt mit meinen Armen den Oberk√∂rper umschlungen, gleich einer Art Schutzschild, das jedoch ebenso zerbrechlich schien wie Glas. Meine Angst, meine Panik brachte mich dazu, ein wenig von ihm weg zu r√ľcken, obwohl jeden Moment Schmerzen meinen K√∂rper sch√ľttelten, mich ruhig stellen wollten.
Irgendwann w√ľrde er mich totschlagen.

"Ich bitte dich.." Der Versuch, ihn zur Besinnung zu bringen. Jedes einzelne Wort handelte mir unertr√§gliche Schmerzen ein, die mich zusammenkr√ľmmen lie√üen, bis ich wehrlos vor ihm lag.
Er schien durch diese wenigen Worte jedoch nur angespornt zu werden, als er auf mich zukroch, selbst auf allen Vieren ? seine W√ľrde hatte er schon lange verloren. Er griff nach meinem Pullover, zerrte daran, hob seine Hand und schlug mir ein ums andere Mal ins Gesicht, bis ich mich nicht mehr halten konnte, bis ich erschlaffte und die Ohnmacht mich erfasste. Eine Dunkelheit, die mir zutraulicher erschien, als mein Lebensgef√§hrte.

Meine Augen waren völlig geschwollen, als ich sie zu öffnen wagte - unwissend, wie viel Zeit vergangen war. Weisse Bettwäsche, Lampen, Tische - ein Krankenhaus, das erkannte ich selbst am Geruch. Doch die Gestalt, die sich neben meinem Bett befand hatte keinen weissen Arztkittel an, sondern dreckige, schwarze Lederkluft.
Ich sp√ľrte wie ich vor Schreck zusammenzuckte und ihn panisch betrachtete. Ihn, der neben meinem Bett sa√ü, die Augen auf mich gerichtet, nun wieder n√ľchtern. Die Bestie war verschwunden.

"Du bist aufgewacht." Hörte ich da Enttäuschung heraus?
Ich schluckte nur bitter und lie√ü ihn ein Nicken sehen, vage, kaum zu bemerken. Mein Blick wanderte durch den Raum, nur um ihn nicht ansehen zu m√ľssen. Die Geschehnisse standen mir von Neuem vor Augen und mein Herz fing wieder an zu bluten. Allein wegen ihm, immer und immer wieder.
Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie er sich erhob, einige wenige Schritte und er stand am Bett, legte eine Hand auf meine Wange, um ihm mein Gesicht zuzudrehen.
Diesmal war das L√§cheln nicht dreckig, es war einfach nur kalt. Eine K√§lte, die mir eine G√§nsehaut √ľber den K√∂rper jagte und mich tiefer in die Kissen sinken lie√ü, als k√∂nnte ich in ihnen verschwinden, auf immer und ewig.

"Vergiss nicht, ich liebe dich.." Die K√§lte, die sich in seinen Augen befand spiegelte sich nun auch in seinen Worten wider; er zwang mich immer noch dazu ihn anzusehen, wartend auf Antwort stellten sein Blick und seine Z√ľge fast eine Herausforderung dar.

"Ich dich auch." Ich zeigte ihm ein schw√§chliches L√§cheln, das, so schnell es gekommen war, wieder meine leblosen Z√ľge verlie√ü. Einen Moment noch hielt er den Blickkontakt, eindringlich, bevor er vor mir ablie√ü und langsam durch die T√ľr auf den Flur hinaus schritt.

Meine H√§nde verkrampften sich, meine Fingern√§gel bohrten sich in die weisse Decke, als er im T√ľrrahmen stehen blieb, sich noch einmal umdrehte, ein Grinsen im Gesicht. "Ich komme heute Abend wieder vorbei, Darling. Bis dann."

Das einzige, das ich ihm jemals antat: Ich wandte mein Gesicht ab.

__________________
"F√ľr jedes menschliche Problem gibt es immer eine einfache L√∂sung: klar, einleuchtend und falsch."
- Henry Louis Mencken -

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AlexanderrednaxelA
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Registriert: Mar 2004

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Diese Geschichte gef√§llt mir ausnehmend gut. Sie verzichtet auf einen melodramatischen Ton und l√§sst durch die zur√ľck genommene Sprache die geschilderten Ereignisse f√ľr sich sprechen. Was beschrieben wird, ist nachvollziehbar, und ich bin None Back sehr dankbar, dass das Ende keine "Aufl√∂sung" im Sinne triumphierender Rache o√§ bereit h√§lt. F√ľr viele Menschen in der dargestellten Lage gibt es n√§mlich h√§ufig √ľber Jahre hinweg oder bis zu einem ganz bitteren Ende keine Aufl√∂sung, von Rache ganz zu schweigen.

Abgesehen davon, dass die Form sehr wirkungsvoll ist, sind die Worte im einzelnen treffsicher gewählt, ich habe keinen bedeutenden Missklang entdecken können, und bei dem Sujet bedeutet das schon etwas.

Ein paar kleinere Anmerkungen:

Mittlerweile weiss ich, dass diese Vorstellung kindlicher Naivität anzuhaften ist. - "anzuhaften ist" erscheint mir etwas ungewöhnlich, verkrampft. Zudem suggeriert sie, dass "die Vorstellung" an die "Naivität" angepflockt wird, während sie doch eigentlich Produkt naiver Vorstellungen ist, zumindest glaube ich, dass das gemeint ist.


Ein unnat√ľrliches Ger√§usch, ein leises Brummeln seinerseits und mit seinen taumelnden Schritten versuchte er einen weiteren Tritt, den er jedoch verfehlte und sich selbst zu Boden schreckte. - ich verstehe die Formulierung "sich selbst zu Boden schreckte" nicht. Ist "schickte" gemeint oder kenne ich die Wendung nur nicht?

Eine Dunkelheit, die mir zutraulicher erschien, als mein Lebensgef√§hrte. - "zutraulich" beschreibt eigentlich eine Eigenart bzw. ein Verhalten von Lebewesen; insofern ist es auf die Dunkelheit angewandt vielleicht ungl√ľcklich gew√§hlt.


Meine Augen waren völlig geschwollen, als ich sie zu öffnen wagte ? unwissend, wie viel Zeit vergangen war. - warum das Fragezeichen?


Tolle Geschichte!

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None Back
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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Oh, als ich es in Word geschrieben habe, war da kein Fragezeichen. Als ich es dann kopiert habe, hat er die Zeichen so wohl nicht angenommen. Ich muss es noch einmal editieren.

Und.. es sollte nicht "schreckte" sondern "streckte" heissen. Da war ich wohl ein wenig zu voreilig..

Ich verändere es grad.

Danke f√ľr den Kommentar!
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