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Alt ist, wenn man...
Eingestellt am 05. 02. 2012 18:11


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Karl Feldkamp
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Alt ist, wenn manÔÇŽ
Und wer hat die Definitionshoheit?

Frauen haben sich in Deutschland inzwischen weitgehend emanzipiert, jedenfalls die j├╝ngeren.
Bei mir und anderen mir bekannten Alten, ob nun weiblichen oder m├Ąnnlichen Geschlechts, nehme ich noch deutliche Defizite wahr.
Despektierlich m├╝ssen wir uns Seniorinnen und Senioren nennen lassen. Das erzeugt keineswegs gehobenes Selbstvertrauen, zumal ich selbst kaum auf die Idee gekommen w├Ąre, mich und meine Altersgenossen so zu bezeichnen.
Wer alt ist, und was jener in diesem nat├╝rlichen Normalfall zu tun habe, glauben die j├╝ngere Mitb├╝rger mit und ohne Migrationshintergrund immer noch besser zu wissen als wir Alten selbst. Allerdings als ich jung war, meinte auch ich schon erkennen zu k├Ânnen, wie Alte sich im Alter verhalten und deswegen zu verhalten hatten.
Faltig, grauhaarig, vergesslich bis dement, kr├Ąnkelnd, gebrechlich bis inkontinent und irgendwie immer pflegebed├╝rftig, das sind und das waren sie. Dar├╝ber hinaus vielleicht noch erfahren, aber langsam und gestrig. Sie schw├Ąrmten ÔÇô zumindestens in meiner Jugend - von guten alten Zeiten und wollten J├╝ngeren eigene Erfahrungen aufdr├Ąngen.

Manche sind und waren f├╝r junge und angeblich aktivere Zeitgenossen h├Ąufig bemitleidenswerte Sozialf├Ąlle. Oder wenigstens auf dem besten (oder dem schlechtesten) Weg dahin.
Ob ich mich als Senior ├╝berhaupt f├╝r meine wahre Selbstbefindlichkeit interessieren darf, m├╝sste ich eigentlich jene zwischen ungef├Ąhr zwanzig und f├╝nfzig Lebensjahren fragen. Und Altersforscher sehen fast immer erstaunlich jung und selten wirklich alt aus.
Junge und Mittelalte glauben, die Definitionshoheit ├╝ber Alte und deren Zust├Ąnde zu besitzen. Ohne eine Spur eigener Alterserfahrungen zu besitzen, wollen sie wissen, wie sich Alt-Sein tats├Ąchlich anf├╝hlt.
Dabei haben sie vermutlich nurAngst. Besonders vor den Behinderungen des Alters, die sie alle vor ihrem Tod noch ereilen k├Ânnten.
Wenn die w├╝ssten, wie gut ich mit leichten Schmerzen leben kann und wie angenehm es ist, zu vergessen und sich nicht an jeden Kleinkram zu erinnern. Ich versuche, mich nur noch um das Wesentliche des Lebens k├╝mmern. Und zugegeben, manchmal schaue ich nicht ohne Arroganz l├Ąchelnd dabei zu, wie meine j├╝ngeren Zeitgenossen sich mit ihren Nebens├Ąchlichkeiten herumqu├Ąlen.
Sie haben einfach keine Ahnung, was es hei├čt, ├╝ber freie Zeit zu verf├╝gen, weil es unter ihnen als nahezu unanst├Ąndig gilt, nichts zu tun zu haben.
Und wie unglaublich angenehm Langsamkeit sein kann, davon haben manche junge Hektiker offensichtlich keinen Schimmer.
Doch auf der vermeintlichen H├Âhe ihres Lebens halten sich dennoch viele von ihnen f├╝r das Ma├č aller menschlichen Befindlichkeiten.
Dabei k├Ânnte auch bei ihnen der Tod pl├Âtzlich mit Krankheit, Unfall oder Naturkatastrophe zuschlagen.
Und sie haben sich in der Regel nicht einmal mit dem Lebensende auseinandergesetzt.
W├Ąhrend ich immer mehr Verwandte und Freunde zu Grabe trage und aufmerksam die Todesanzeigen der Tagespresse durchlese, um Verluste zu betrauern, aber auch um zu genie├čen, weiterhin zu den ├ťberlebenden zu geh├Âren.
Vermutlich m├╝ssen jene Ahnunungslosen mich Alten deswegen in gewisse Schubladen stecken, um sich dort noch nicht selbst einordnen lassen zu m├╝ssen.
Dabei stecken sie selbst vor allem in Schubladen, die mir viel zu eng w├Ąren.
Als so genannter Senior wei├č ich allerdings inzwischen, dass meine J├╝nglingserfahrungen mit Alten keine Dogmen f├╝r die Zukunft sondern nur Irrt├╝mer der Vergangenheit waren.
Alte, die sich nicht abhalten lassen, in der Gegenwart ihren Stil zu leben, wollen trotz gelegentlicher Nostalgie-und Sentimentalit├Ątsanf├Ąlle nicht wirklich in die Jugend zur├╝ck.
Ich will jedenfalls jetzt auf meine Art leben, solange es eben geht.
Und sollten j├╝ngere Unerfahrene sich tats├Ąchlich f├╝r meine inzwischen weniger vorurteilsbeladenen Erfahrungen interessieren, k├Ânnen sie mich ja fragen.
├ťber echtes Interesse freue ich mich immer.



__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 05. 02. 2012 18:11
Version vom 06. 02. 2012 11:26

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Duisburger
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Lieber Karl,

ich kann mit deinem Text in weiten Teilen nicht konform gehen (ich bin 50), weil ich es anders erlebe und lebe.

quote:
Alte schw├Ąrmen von guten alten Zeiten und wollen J├╝ngeren immer die eigenen Erfahrungen aufzwingen.
Das mag fr├╝her einmal so gewesen sein, aber die "Alten" sind mittlerweile eine Generation weiter und diese Unart ist heute eher ein Klischee. So meine Erfahrung.

Was mich aber massiv st├Ârt, ist die Tatsache, dass gleich am Anfang des Textes von "Wir" gesprochen wird. Da f├╝hle ich mich einbezogen und frage mich, warum du f├╝r mich sprichst?
Hier w├Ąre eine Darstellung aus der "Ich"-Perspektive angemessener gewesen.

Leider bedienst du dich im Text einer Menge Klischees und letztendlich wei├č ich gar nicht, was dieser Text wem auch immer vermitteln will. Sollte er an die "junge Generation" gerichtet sein, so bef├╝rchte ich, wird er seine Adressaten kaum erreichen.

lg
Uwe


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Karl Feldkamp
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Lieber Duisburger,
vermutlich hast du meinen Beitrag vollkommen missverstanden. Ich schreibe doch gerade, dass Alte nicht mehr jene sind, die von den guten alten Zeiten schw├Ąrmen und J├╝ngeren ihre Erfahrungen aufdr├Ąngen.
Ich bin inzwischen 68 Jahre alt und wehre mich dagegen, dass j├╝ngere Menschen definieren, was Alte und Alter sein soll.
Du bist f├╝r mich fast noch eine Generation j├╝nger und geh├Ârst m.E. eher zu jenen, die uns ├Ąltere Alte durch gewisse Klischees in Schubladen stopft. Wobei du pers├Ânlich das vermutlich gar nicht tust.
Alle Alten sind anders...
Herzliche Gr├╝├če
Karl
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quote:
vermutlich hast du meinen Beitrag vollkommen missverstanden.
Eigentlich nicht, denn ich habe den Text ja bis zu Ende gelesen.
Das Problem ist eher, dass einige Leser ob der "├╝berlangen" Hinf├╝hrung zur Quintessenz gar nicht so weit lesen und kopfsch├╝ttelnd abbrechen. Du ├╝berziehst in dieser Beziehung, aufgrund der Hinf├╝hrungsl├Ąnge wie auch der Aufz├Ąhlung von Klischees, die eigentlich keiner mehr lesen will.
Ein Roman kann solch einen Spannungsbogen enthalten, hier jedoch ist er fehl am Platze.
quote:
Du bist f├╝r mich fast noch eine Generation j├╝nger und geh├Ârst m.E. eher zu jenen, die uns ├Ąltere Alte durch gewisse Klischees in Schubladen stopft.
Wohl kaum, dass ist (wenn ├╝berhaupt) eher die Generation vor mir.

lg
Uwe
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Lieber Duisburger,
vielleicht sind auch J├╝ngere nicht mehr in der Lage, der langsameren Entwicklung eines Textes zu folgen.
Aber ich will gern noch einmal ├╝ber m├Âgliche K├╝rzungen nachdenken.
├ťbrigens es sind noch nicht einmal zwei Seiten...
Und dass ein Roman anderen Regeln folgt, das musst du mir wirklich nicht mehr schreiben...
Herzliche Gr├╝├če
Karl
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Lieber jon, lieber Duiosburger,
habe m├ęinen Text noch einmal ├╝berarbeitet. Vielleoicht ist er durch deutlicher geworden.
Herzliche Gr├╝├če
Karl
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