Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
268 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Altbaumythos
Eingestellt am 30. 05. 2004 18:17


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
tribun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2004

Werke: 21
Kommentare: 17
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um tribun eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lange hatte er auf seinem Fensterbrett eine kleine Nelke stehen. Aus heutiger Sicht nun bedeutungslosen Gr├╝nden hatte er vor Monaten das Erdreich entzweiende Gew├Ąchs in einem Blumenladen nahe seiner Heimatstadt gekauft. Von je her war eher unerfahren und unbeholfen in Dingen, welche Pflege und Aufmerksamkeit erforderten. Von einer gewissen Regelm├Ą├čigkeit, die man erwarten wollte ganz zu schweigen. Nichts desto trotz und ohne eines Anlasses als nur der Tat wegen, hatte sich die Nelke in seinem Haus eingefunden. Gestern bemerkte er, dass nur noch ein trockener Halm im Blumentopf steckte.
Die Nelke war verdorrt und er wusste, da er sie fast erschaffen hatte, dass es kein Wiedersehen geben konnte. Ohne viel Aufsehens nahm er den Blumentopf und ging damit durch sein Zimmer, dass er seit unz├Ąhligen Wintern bewohnte, auf und ab. Eine ├ťberlegung wollte er anstellen, die ├╝ber das Schicksal des Blumentopfes entscheiden sollte. Immerhin k├Ânne man ja etwas neues darin beherbergen. Vielleicht einen Kaktus oder etwas n├╝tzlichere Kresse. Er ging kreuz und quer, ├╝berschritt den Parkettboden ein aufs andere mal. 37 Schritte von Wand zu Wand in der Breite und 86 von dem S├╝dfenster, dass zur Sonnenseite gerichtet den Stellplatz f├╝r den Blumentopf lieferte, zum Nordfenster. Aber da sein Weg von einem Tisch und einem Stuhl immer auf┬┤s neue blockiert wurde und er wegen diesen nun hinderlichen erscheinenden Gegenst├Ąnden eine kleine Schleife laufen musste, die ihn stets aus seinen ├ťberlegungen riss, beschloss er, den Topf erstmal auf dem Parkett abzustellen.
Im selben stellte er sich dann vor den Tisch. Und wie er nun so stand, fing ihn die Erinnerung ein: mit wie viel M├╝he er ihn ÔÇô diesen einen Tisch - vor all den Wintern in sein Zimmer geschleppt hatte.
Da er damals zu stolz war, die Nachbarn um Hilfe zu fragen - schlie├člich war er gerade neu - hatte er einen ganzen Tag damit verbracht, das sperrige Erbst├╝ck durch das Treppenhaus und die T├╝r zu verfrachten. Wenn doch nur jemand k├Ąme, hatte er sich oft dabei gew├╝nscht und erschrak zugleich peinlich ber├╝hrt, da die Anderen seine Unbeholfenheit bestimmt belustigend empfunden h├Ątten. Nichts desto trotz hatte er es wie so oft geschafft. Er war es, der etwas gegen jedes Vorurteil erreicht hatte. Und nun fiel ihm alles wieder ein. Der Tisch, ein rechteckiges Unget├╝m in Nussbaumbraun. An den Ecken thronten geschnitzte Holzk├Âpfe und in die Tischplatte hatte er vor Jahren - es muss kurz vor dem Auszug aus der Wohnung gewesen sein, die er mit seiner damaligen Lebensabschnittsgef├Ąhrtin bewohnt hatte, denn zu dieser Zeit hatte er sich ein silbernes Klappmesser gekauft - die Anfangsbuchstaben K. F. eingeritzt. Nun stand ihm der Tisch im weg. Und nicht nur das. Auch ein Stuhl war daran gefesselt. Mit einer Kordel hatte er den Stuhl an das dem Nordfenster zugewandte Tischbein gebunden.
Aus irgendeinem Grund hatte er den Tisch genauso platziert. Ja stimmt, darunter waren die losen Bretter des Parkettbodens. 5 St├╝ck und in der L├Ąnge von knapp 60 cm und die Tischbeine umschlossen diesen verdeckten Durchbruch. Es w├╝rde zu lange Dauern, bis er den Tisch weggezerrt h├Ątte, ohne dabei das Versteck zu besch├Ądigen, denn die Last des Tisches w├╝rde unweigerlich die Brettchen durchbrechen. Das konnte er in keinem Fall riskieren. Kurzweilig kramte er noch in Erinnerungen und kurzweiligen, unpraktischen Gedanken.
Folglich musste er seine Planungen f├╝r den weiteren Gebrauch des Blumentopfes in Schlaufeng├Ąngen fortsetzen. Schnell vertiefte er sich wieder in die ├ťberlegungen und verga├č dabei, alle M├╝hen, die er in den Tisch investiert hatte. Auch das silberne Taschenmesser und die Initialien entwischten seinen Gedanken und purzelte zur├╝ck in die Bedeutungslosigkeit von einigen Gestern. Nach etwa neun Umrundungen schloss er seine ├ťberlegung mit dem ├ľffnen des Fensters und einem gekonnten Wurf des Blumentopfes auf die wenig befahrene Stra├če ab. Wenn er keine Blume mehr hat, dann br├Ąuchte er auch keinen Blumentopf. Dies muss ihm durch den Kopf gehen, als er zu diesem weiten Wurf ausgeholt hat und sich damit gleichsam zur├╝ck zu den Gedanken an den Tisch katapultiert. Kurz darauf, zieht er das silberne Messer, dass die ganze Zeit in seiner Brusttasche getragen wurde und er durchtrennt die Kordel, die den Stuhl an den Tisch gekettet hat. Er kniet nieder und schiebt die Bretter des Parkettbodens beiseite, greift in das sich darunter auftuende Loch. Kramt vorbei an einem luftdicht verschlossenem Sack eine kleine Kiste mit Photos hervor. Ein Bild zeigt ihn, wie er um den Tisch ein Eisbahnnetz gebaut hatte und ein kleiner Junge ihn dabei begeistert anstrahlt. Mit dem Bild geht er ins Bad.
Erst als eine Vielzahl vergangener Tage den Geruch aus dem Bad nicht mehr verschleiern konnten ergriff der Hausmeister des Altbaus Ma├čnahmen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

Werke: 3
Kommentare: 2501
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Schakim eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, tribun!

Eine geballte Ladung an Ideen um eine vertrocknete Nelke endlich aus dem Fenster zu bef├Ârdern.

Mit dem Schluss habe ich M├╝he. Vielleicht erkl├Ąrst Du das noch ...

Ich w├╝nsche Dir einen sch├Ânen Tag!
Schakim
__________________
┬ž┬ž┬ž> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufbl├╝hen <┬ž┬ž┬ž

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!