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Leselupe.de > Ungereimtes
Alter Mann in Rio (Das verlassene Land)
Eingestellt am 23. 04. 2008 13:40


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Carlo Ihde
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2007

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Irgendwann in sechzig Jahren
sitz auf einer Terasse ich an der
Copa Cabana in einem Morgen
Mantel noch um 15 Uhr und
schaue im gesenkten Blick zu
dem kalten Getränk dann auf in
die Weiten des Meers an dessen
Horizont irgendwo das
verlassene Land liegt.

Lasse in Seilbahngondeln mich
diesen alten, erfahren wirkenden
Mann unter fremdländisch sprechenden,
immer jungen Brasilianerinnen
in die Höhen über die Stadt schwingen
und vom Aussichtsturm im
gewählten Exil, meinem Altersruhesitz,
meinen Blick das verlassene Land erahnen.

Und werde dicke Zigarren so qualmen wie
man sonst atmete, werde nichts zu teuer
sein lassen für so einen Alten,
nichts zu schlecht, auch mein Gewissen
nicht zu Wort kommen lassen, da ich
ein Leben gehabt haben werde,
dass da hieß: alles für zu schlecht zu halten
um genussvoll darin alt zu werden.

Diesen Lebensirrtum, der mich
ein Leben lang repressiv behandelt
haben wird, diesen Irrtum werde
ich dem Land nicht verzeihen, und,
als ich schlussendlich doch alt war
hab ich es verlassen,
um genussvoll alt zu sein in Rio nachdem
ich genusslos alt geworden war
im verlassenen Land.

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Franzi
???
Registriert: Apr 2008

Werke: 53
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Hallo, Carlo,

der Text und die Perspektivenwahl gefallen mir sehr gut. Sollte es in Strophe zwei zum besseren Leseverständnis ggfs. ein Komma am Ende der ersten Zeile geben?

Lasse in Seilbahngondeln mich,
diesen alten, erfahren wirkenden

Ansonsten, bei den Aussichten, die das Lyrische Ich so deutlich vor Augen hat, sowohl in Rio als auch im 'verlassenen Land', würde ich keine 60 Jahre mehr warten wollen, um in Rente zu gehen. Wie wär's mit Vorruhestand, um den Lebensirrtum, der ja jetzt schon erkannt ist, vorzeitig zu verkürzen?
Ich bekomme jedenfalls beim Lesen Fernweh!

Beste Grüße,
Franzi
__________________
"Actions speak louder than words."

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Perry
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

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Hallo Carlo,
nachdem bereits soviel Positives geschrieben worden ist, betreibe ich nur noch ein wenig "Wortpickerei."
"... in sechzig Jahren" -> wie alt mag das erzählende LyrIch dann gerade wohl sein (lächel).
Schön die Metapher "das verlassene Land (die Heimat)" einmal als "lustloser" Ort, dann aber auch als Objekt der Sehnsucht.
Gern gelesen!
LG
Manfred

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
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Hallo Carlo,

über diese Zeilen bin ich gestolpert:

quote:
Diesen Lebensirrtum, der mich
ein Leben lang repressiv behandelt
haben wird, diesen Irrtum werde
ich dem Land nicht verzeihen


Wer behandelt da wen, frage ich mich.
Einen behandelnden Irrtum kann ich mir nicht
so recht vorstellen .

Liebe Grüße

Herbert
__________________
© herberth - all rights reserved

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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Hallo Carlo,

habe Deinen "Alten Mann in Rio" nun ausgiebig und oft "studiert", weil Gefallen an ihm gefunden. Nur eine Winzigkeit im Tempus störte mich beharrlich in der letzten Strophe, wozu ich endlich in der Lage bin, Dir eine minimale Änderung vorzuschlagen. Ich hatte mich nämlich in der dortigen Zeitperspektive bislang ziemlich verfranst.

quote:
Diesen Lebensirrtum, der mich
ein Leben lang repressiv behandelt
haben wird, diesen Irrtum werde
ich dem Land nicht verzeihen, und,
als ich schlussendlich doch alt war geworden,
hab ich es verlassen,
um genussvoll alt zu sein in Rio nachdem
ich genusslos alt geworden war bin
im verlassenen Land
.

Mit Respekt vor dem bravourösen Werk.

Beste Grüße von Elke

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