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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Alter Mann mit Jeep
Eingestellt am 11. 09. 2001 21:19


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Elmar Feische
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

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Sie waren einhellig der Meinung, daß sich der alte Mann seit dem Tod seiner Frau sehr verĂ€ndert hatte. Sein bis dahin eigentlich ungebrochener Elan war dahin und er verschloß sich immer mehr in sich selbst.
Sie hatten einander mehr als 60 Jahre lang gehabt und durch ihren Tod hatte sich in ihm plötzlich eine Leere aufgetan, die um ein vielfaches grĂ¶ĂŸer war als die Anzahl ihrer gemeinsam
verlebten Jahre.
Um aus seiner Lethargie herauszukommen, begann er nach einiger Zeit wieder mit seinen tÀglichen Ausfahrten mit dem Jeep, bei denen er praktisch die Grenzen seines Besitzes abfuhr
und ĂŒberall nach dem Rechten sah. Das hatte ihm vor dem Tod seiner Frau eigentlich immer
einen klaren Kopf gebracht und außerdem Spaß gemacht, da er auf seinen Fahrten immer mit
vielen Leuten in Kontakt kam und das Neueste erfuhr.
Seine Kinder befĂŒrchteten, daß ihm aufgrund seines so auffĂ€llig verĂ€nderten Verhaltens auf
diesen Jeepfahrten etwas passieren wĂŒrde. So fĂ€llten sie eine Entscheidung, die ihm die tĂ€glichen Fahrten und den Jeep ließ, beauftragten aber gleichzeitig einen Mechaniker, der den
Motor des Jeeps so bearbeitete, daß praktisch nur eine „Schneckentempo“-Geschwindigkeit
möglich war. So fuhr der alte Mann von nun an unter dem LÀcheln seiner Bediensteten und
der ihm entgegenkommenden SpaziergÀnger im Schrittempo um seinen Besitz herum.

Auf einer dieser Fahrten hielt ihn sein Enkelkind Kai an der Ausfahrt vom Hof an und bat
darum, mitgenommen zu werden. Nach anfÀnglichem Zögern - da die Eltern von Kai sicher
nicht wußten, daß dieser ihn gebeten hatte, mitfahren zu dĂŒrfen, willigte der alte Mann auf
das Bitten seines Enkelkindes ein und sie begannen die gemeinsame Fahrt. Sie hatten eine sehr
angenehme Fahrt, ausgefĂŒllt mit dem stĂ€ndigen Fragen des kleinen Kai und den ruhigen und
erfahrungsreichen Antworten des alten Mannes.

Bei der dicken Buche - einem weithin sichtbaren Aussichtspunkt des Besitzes - legten Sie
eine Pause ein, um sich das Butterbrot zu teilen, daß sich der alte Mann immer auf seine Fahrt
mitnahm. Nachher tollte Kai noch ein wenig in der Gegend herum und als der alte Mann ihn
aufschreien hörte, maß er diesem Aufschreien zunĂ€chst keine große Bedeutung zu. Als er dann
jedoch bei Kai war, sah er, daß dieser offensichtlich in einen sehr scharfen grĂ¶ĂŸeren Gegenstand
gefallen war, denn aus einer sehr weit auseinanderklaffenden Wunde am rechten Oberschenkel
trat stoßweise Blut aus. Der alte Mann war zunĂ€chst wie gelĂ€hmt und nicht in der Lage, spontan zu helfen. Dann fing er sich wieder und begann seinen Enkel zu trösten, sagte ihm, daß

er die Wunde jetzt abbinden und ihn dann mit dem Jeep auf schnellstem Wege zum Arzt auf dem Hof bringen wĂŒrde, der dann die weitere Behandlung ĂŒbernehmen werde. Zu seinem großen Schmerz konnte der alte Mann jedoch nicht die erforderliche Kraft aufbringen, um die weiter blutende Wunde wirksam abzubinden. So legte der alte Mann sein Enkelkind neben sich auf den Beifahrersitz und begann die RĂŒckfahrt zum Hof und es schien ihm, daß das stoßweise Austreten des Blutes aus der Wunde von dem kleinen Kai im Gleichklang war mit dem langsamen GerĂ€usch des Motors, der manipuliert worden war, um den alten Mann vor einem Unfall oder schlimmerem zu beschĂŒtzen. Die Blicke von Kai waren wĂ€hrend der ganzen Fahrt vertrauensvoll auf den alten Mann gerichtet und als sie in die Hofeinfahrt einfuhren, schien dem alten Mann fĂŒr einen kurzen Augenblick alles wieder gut zu sein. Er nahm den Jungen aus dem Wagen und hielt ihn in seinen Armen - und in diesem Augenblick fĂŒhlte er an dem Gewicht des Jungen, daß dieser ihn und alle fĂŒr immer verlassen hatte.

Der alte Mann verĂ€nderte sich nach diesem zweiten Todesfall in kurzer Zeit nicht in auffallender Weise - so schien es den anderen. Er hatte von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, daß der nicht schnell genug fahrende Jeep am Tod seines Enkel schuld war, und so war es nicht verwunderlich, daß er nach einiger Zeit seine Kinder darum bat, den Jeep durch den Mechaniker wieder in seinen ursprĂŒnglichen, schnell fahrenden Zustand zurĂŒck zu versetzen. Nach anfĂ€nglichem Zögern erklĂ€rte sich seine Familie hierzu bereit.

Seine erste Fahrt mit dem von der Geschwindigkeitsbegrenzung erlösten Jeep fĂŒhrte den alten Mann auf die gleiche Strecke, die er vor einigen Wochen mit seinem Enkelkind Kai gefahren war. Als der Jeep mit voller Geschwindigkeit frontal an der dicken Buche aufprallte, ĂŒberdeckte das Rauschen der BĂ€ume fast das GerĂ€usch des Aufpralls und die Worte, die der alte Mann vorher gerufen hatte: „Kai, jetzt bin ich schnell genug, jetzt komme ich und helfe dir“.

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flammarion
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heulen schön! dafĂŒr gibts 10 punkte. mach mal so weiter! ganz lieb grĂŒĂŸt
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