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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Alter Weg
Eingestellt am 02. 05. 2002 07:40


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Wie erwartet. Auch dort Kastanien, Astst├╝cke, Laubreste auf dem Weg, faserig, zertreten, hier kamen viele lang, den Tag ├╝ber. Der Flu├č in seiner Mulde, das Ufer mit Holzplanken verhauen, gefestigt, aber Johann wusste, das hatte er erfahren damals, dass die Pf├Ąhle faulten im Schlick, dort wuchs Schilf ins Wasser, auch um den Kahn und um die Ankerkette, die in die Entengr├╝tze hing. Das Paddel ├╝ber dem Querholz war zerbrochen. Wellen kreiselten weiter drau├čen um Weide├Ąste, ein Baum, der aus einer Insel wuchs, ein Trauerklo├č, dort, dessen Ruten ├╝ber die Wellen strichen bei jeder Windb├Â. War es so?, es war, sagte Johann, anders, damals. Noch war die Steintreppe, f├╝nf Stufen hinab am Holzgel├Ąnder, verst├Ąrkt wie damals mit Rohren, dreifach verschr├Ąnkt, Latten, verkeilt und mit Dachn├Ągeln befestigt. Dort die Bank, beim Rhabarber, der alles deckte mit seinem Gr├╝n.

Bist du dir sicher, nach der Zeit? Johann winkte ab, das wollte er nicht auch noch beantworten, Fragen waren nicht seine Sache, es waren die Spuren in den Steinen, die waren zu finden, Holz, das dort gelegen, neben dem Zufluss zur Aue. Bohlen von den Bahngleisen, Eiche, Hartholz, damals waren Arbeiter, Bahner, kr├Ąftige M├Ąnner, die sie heben konnten, ihr Deputat, auf denen sie im Garten sa├čen beim Abendbier. Hier waren sie gelegen, gestapelt zweireihig, und hoch, dass das Holz die Bank zur Stra├če verdeckte.

Er trug eine schlabbrige, gelbe Joppe ├╝ber einem weiten, schwarzen Leinenhemd, aufgesetzte, gro├če Taschen, ausgebeult an den Knien die Manchesterhose, gr├╝ne Anglerstiefel, gl├Ąnzend vom fetten, gelben Matsch des Grabens. Er strich mit dem Handteller ├╝ber das Holz, stockte, dann noch einmal. Sch├╝ttelte den Kopf.

Es war wieder Herbst. Seit der Fr├╝he hatte das Tief Wolken getrieben, hierher vom Westen ├╝ber den Himmel, ├╝ber den Flu├č, Nieselregen, der schr├Ąg heran wehte.

Johann hatte sich gesetzt, sa├č auf der Holzbank, den noch feuchten Latten, die Knie weit auseinander, darauf die Unterarme gest├╝tzt, seine H├Ąnde ber├╝hrten sich, Kopf und Augen zum Steinboden gesenkt. In den Ritzen, zwischen den Steinplatten, wuchs Giersch. Links eine Birkenhecke und gleich dahinter Rhododendron nahe am Ufergel├Ąnder.

Johann, warum weinst du? Johann ber├╝hrte mit den Fingern die Banklehne. Die Einritzungen waren alt, nicht mehr zu lesen., er strich dar├╝ber, dr├╝ckte den Daumennagel hinein, fuhr mit der flachen Hand ├╝ber das Holz. Feucht war es, schmierig. Der Himmel war klarer geworden, der Wind war geblieben. Er stand auf, lehnte sich mit der H├╝fte ans Gel├Ąnder, blickte ├╝ber das Wasser.


Nun kam eine. Schwarz gekleidet. Anne, wie gehts denn immer? Sie ging schr├Ąg ├╝ber den Weg, strich sich die Str├Ąhne aus den Augen. Der Kr├╝ckstock, ihn brauchte sie nicht zum Gehen, ebenfalls schwarz, der Griff etwas heller vom vielen Ber├╝hren. Nein, sie trug keinen Hut, einen Mantel hatte sie angezogen, mit einer Kapuze, darunter wei├č man nicht, sie hatte den Mantel hochgeschlossen. So kam sie. Und Johann? Er sah sie kommen, die f├╝nf Stufen herab. Und blieb vor ihm stehn.

Johann nickte ihr zu. "Dass du gekommen bist", sagte er dann. "Ja", sie nickte jetzt auch und setzte sich auf das Holz nieder. "Ich habe es dir in die Hand versprochen, damals. Ich habe die Tage mit Warten verbracht, die Tage und die Jahre, Johannes."

Sie sah ihn an. Dunkle, schwarze Augen, in denen es schimmerte. Aber es waren keine Tr├Ąnen, er kannte diese Augen lange.

Er blickte weg. "Du bist, wie du warst", sagte er dann, er sprach bed├Ąchtig, und immer mehr in der kehligen Aussprache seiner alemannischen Herkunft. "Hast du es mitgebracht?"

Sie gab ihm das Sch├Ąchtelchen, es war rund und es war blau.

"Danke", sagte er leise, "dass wird helfen. Ich werde es jeden Tag brauchen".

Sein Gesicht war weicher geworden, die Furchen auf der Stirn weniger, so sieht es aus, wenn Johann sich freut. Es hatte sich die Zeit gelohnt. Nun w├╝rde er gehen, den Weg am Fluss zur├╝ck. Er kn├Âpfte seine Joppe unten zu, steckte das Sch├Ąchtelchen in die Brusttasche und ging. Nein, umsehen wollte er sich nicht mehr. Johann, was ist mit Anne, du kannst nicht gehen ohne Gru├č. Aber jetzt wollte er kein Adieu. Er stieg die f├╝nf Stufen hoch, hohe Stufen, vom Niesel angefeuchtete Steine, glitschig waren sie, aber das konnte er erinnern, so war es zur Herbstzeit ein jedes Mal. Dann ging es nach links. Manchmal sp├╝rte er ihren Blick hinter sich, dann musste er das eine Bein nachziehen, erst bei den Kastanien, jenseits der Bogenleuchte war er wieder f├╝r sich.

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