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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Alwin - Ungelebtes Leben
Eingestellt am 14. 09. 2013 17:05


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wolfmann
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2013

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Alwin hatte seine Arbeitswoche, wieder eine, in der hiesigen, nahege-legenen Fabrik hinter sich gebracht, und auch sie war wieder so depri-mierend gewesen, und er wusste, er wusste es einfach, dass ihr noch gar so viele folgen sollten.
Aber er war einfach nicht der Mann sich dagegen aufzulehnen, und lie├č es deshalb laufen, wie es kam, gottgegeben nahm er es hin, fatalistisch lie├č er es geschehen.
So war es, ÔÇŽ so war er immer schon gewesen.
Soweit er zur├╝ckdenken konnte, war es ihm so ergangen.
Er wusste nicht weshalb es so war, aber dass es so war, hatte er tief verinnerlicht, wie er sich auch schon lange mit dem Gef├╝hl einer gro├čen w├Ąre jetzt zu viel gesagt, aber doch manifesten Sinnlosigkeit seines Daseins arrangiert hatte.
Alwins bisheriges Leben, ja mehr noch und weitergehend, auch seine zuk├╝nftigen Perspektiven waren wenig ermutigend gewesen, ÔÇŽ genaugenommen war so gar nichts Ermutigendes dabei gewesen oder auch zu erwarten gewesen.

Nun also sa├č Alwin an diesem sp├Ąten Freitagnachmittag auf seinem Balkon, einem h├Ąsslichen, auch schon bauf├Ąlligen Anh├Ąngsel seiner kleinen Wohnung.
Er hatte es in dieser Wohnung nicht mehr ausgehalten, auch deshalb, weil es dort viel zu hei├č und zu schw├╝l gewesen war.
Schon seit dem Mittag hatte eine bleierne Schw├╝le und ein sich ank├╝ndigendes Gewitter ├╝ber der ganzen Stadt gelegen, und war in alle Ecken der Stadt gekrochen, lie├č kaum Bewegung zu, und verbreitete eine Lethargie, die so (auch weil Alwins Heimatstadt direkt an der Ostsee lag, und durch st├Ąndige Winde bleibende Schw├╝le kaum einmal zulie├č) selten vorkam.
Alwin sa├č nun also auf seinem Balkon, dort auf einem alten, verschlissenen Campingstuhl, und nippte lustlos an einer Bierflasche.
Wenn er dies nicht tat, blinzelte er in den nun schon recht dunklen, dr├Ąunenden Himmel, der das unausweichliche Gewitter ank├╝ndigte.
Eigentlich beobachtete er nicht wirklich den Himmel, sondern er konzentrierte sich stattdessen auf das gro├če an der Balkonbr├╝stung befestigte Spinnennetz.
Eine grau-schwarze Spinne hatte es kunstvoll gewoben, und wartete nun ruhig und ganz bewegungslos auf ein Opfer, das sich dann auch, wie zur Belohnung und zur Best├Ątigung ihrer endlosen Geduld, in dem Moment dort verfing, als Alwin sich blinzelnd beobachtend mit dem Netz und dem Geschehen dort besch├Ąftigte.
Er h├Ârte nun nicht mehr die schrillen Schiffssirenen vom nahegelegen Hafen, h├Ârte und sah ebenso wenig die kreischenden M├Âwen, die sich immer mal wieder bis an sein Haus und an seinen Balkon vorwagten.
Er hatte mit dieser Spinne zu tun, die nun pl├Âtzlich aufgeschreckt, durch das wippende Netz und durch die zappelnde im Netz klebende Fliege, zwar f├╝r einen Moment noch verharrend, aber dann sicherlich schon bald aktiv werdend, ihrem naturgewollten, t├Âdlichen Tun nachgehen w├╝rde.
Zwischenzeitlich hatte das Gewitter die Stadt erreicht.
Vereinzelt entluden sich bereits Blitze, und schon bald folgten diesem grellen Leuchten die Donner, die erst fern, dann aber sehr schnell n├Ąher r├╝ckten, und die dann ├╝ber dem Hafen gemeinsam mit den Blitzen ihr Naturschauspiel boten.
Auch war die Spinne mittlerweile bei ihrem Opfer angelangt, das sich nun erm├╝det durch den kurzen, heftigen, aber v├Âllig aussichtslosen Kampf, bald erstarrt, nur hin und wieder leicht zuckend, seinem Schicksal ergeben hatte.
Bevor sich die Spinne nun endg├╝ltig an ihr t├Âdliches Tun machte, umkreiste sie einige Male geschwind ihr Opfer, und es erschien Alwin, als vollf├╝hrte sie eine Art Todestanz.
Aber das war sicherlich nur eine Einbildung gewesen.
Auch kam er gar nicht weiter dazu, sich hier├╝ber Gedanken zu machen, denn er wurde pl├Âtzlich durch ein lautes Knacken, das sehr schnell in ein bet├Ąubendes Kreischen ├╝berging, und welches sich ├╝ber seinem Kopf abspielte, aus seinen Beobachtungen und Gedanken gerissen, und ehe er noch recht den Kopf gehoben hatte, war auch schon der Balkon ├╝ber ihm heruntergest├╝rzt, und hatte ihn mit infernalischem Get├Âse, und begleitet von einem hellen Blitz und einem sogleich folgenden fulminanten Donner, unter sich begraben.
So hatte Alwins trostloses Leben mit einem gro├čen Knall geendet.

__________________
wolfmann

Version vom 14. 09. 2013 17:05

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