Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92194
Momentan online:
255 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Am Abgrund
Eingestellt am 22. 08. 2010 01:24


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
a.lipschitz
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2009

Werke: 8
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um a.lipschitz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Am Abgrund


In dem kleinen Aufenthaltsraum der Notrufzentrale im Colonia Benito Ju√°rez ist gerade der zweite von insgesamt drei Deckenventilatoren ausgefallen. Rafael, der 24-j√§hrige Rettungssanit√§ter, registriert es mit mexikanischem Gleichmut und der vagen Aussicht auf den bevorstehenden Feierabend. Die 10-Stunden-Schicht verlief bislang ohne besondere Vorkommnisse; nur zwei Verkehrsunf√§lle am fr√ľhen Morgen, aber mindestens zwei Dutzend F√§lle von Hitzeopfern, meist alte Leute aus den √§rmeren Vierteln, in Wohnungen ohne Klimaanlagen und ohne Ventilatoren; ein paar Infusionen, einige, bei denen es nichts half, transportierten sie ins Hospital Ni√Īos Heroes.

Seine Armbanduhr zeigt 15:42 Uhr. Um vier √ľbernimmt die Sp√§tschicht und es w√§re f√ľr heute geschafft, wenn jetzt nichts mehr kommt. Aber er sitzt schon seit 10 Minuten hier und das ist l√§nger als alle anderen Pausen am heutigen Tag. Noch weitere 18 Minuten ohne einen Zwischenfall w√§ren fast ein Wunder bei √ľber 35 Grad Hitze und der wieder einmal bedr√ľckend dichten Smogglocke dort drau√üen √ľber Mexico City. Wann war der Himmel zuletzt blau und die Luft klar? Dazu diese au√üergew√∂hnliche Hitzewelle. Seit √ľber einer Woche schon lagen die Temperaturen √ľber 30 Grad und sie stiegen von Tag zu Tag weiter an. Die Stadt liegt krank und sie macht krank. Sie pulsiert in der Schw√ľle wie ein Fieber, das best√§ndig ansteigt. Sie schl√§gt wie ein einziges gro√ües todbringendes Herz, einem finalen Kollaps entgegen.

Er greift nach einer Wasserflasche, die fast leer ist, und h√∂rt in weiter Ferne ein Telefon schrillen. Er wei√ü, es ist f√ľr ihn und Tonio, denn alle anderen sind unterwegs. Eine Stimme ruft √ľber den Flur und weil er nicht schnell genug erscheint, steht Conchita schon in der T√ľr und braucht 3 oder besser 4 Leute. Der Feierabend hat sich erledigt und jetzt, da er die Gewissheit hat, ist es ihm leichter zumute, als mit der tr√ľgerischen Hoffnung, die gerade noch hartn√§ckig seinen Verstand vergiften wollte.
Conchita fragt nach dem Verbleib von Tonio, der gerade aus dem Waschraum kommt, und verk√ľndet ihnen, dass man einen Code 3-15 erhalten habe. Tonio, der 45-j√§hrige Vater dreier Kinder, l√§sst sich nicht anmerken, ob er erschreckt √ľber die Meldung oder ver√§rgert √ľber seinen sich um unbestimmte Zeit verl√§ngernden Dienst ist. Code 3-15 bedeutet einen Springer. Und das an einem Tag wie heute und noch dazu in Unterbesetzung.
Tonio erkundigt sich, wo er ist.
"Avenue Manuel Payno. Er steht auf dem Gebäude der La Jornada-Zeitung", sagt Conchita.
"Die sind bekannt f√ľr schlechte Nachrichten."
Mit dem kleinen, schon fast vollständig ergrauten Rettungsassistenten arbeitet Rafael zusammen, seit er beim Cruz Roja angefangen hat und er schätzt seine Professionalität ebenso wie seinen trockenen Humor.

Patricia als diensthabende Notfallpsychologin komplettiert das Team bei diesem Einsatz und keine zwei Minuten sp√§ter r√ľcken sie aus. Tonio hinter dem Steuer muss um nicht mehr als ein paar Ecken mit heulenden Sirenen und schon biegen sie in die breite Avenue Manuel Payno ein.
Wie fast immer bei einem Code 3-15 ist die Feuerwehr bereits vor Ort. Zwei Verkehrspolizisten sitzen in ihrem klimatisierten Fahrzeug und sehen auch keine Veranlassung auszusteigen, denn auf der Avenue flie√üt der Verkehr noch unbehindert weiter. Nur wenige Zuschauer stehen in vermeintlich sicherer Entfernung. Wer stehen bleibt, tut das nicht lange, denn in der Schw√ľle zu verharren ist unangenehmer als die Aussicht, Zeuge des Todes oder eines Happy End zu werden.
Rafael schaut nach oben. 9 Stockwerke √ľber dem flimmernden Asphalt steht der Springer, direkt am Rand des Flachdaches. Nicht weit hinter ihm ist eine weitere Person zu erkennen. Zwei Einsatzkr√§fte der Feuerwehr und ein geistlicher Seelsorger sind schon oben. Es wird beschlossen, dass sie alle drei hinauf gehen und sehen, was auszurichten ist -falls √ľberhaupt etwas.
Im Inneren des Geb√§udes ist es dank der Klimaanlage angenehm k√ľhl. Schweigend nehmen sie den Fahrstuhl bis in den 9. Stock. Sie m√ľssen einen langen Flur entlang und dann noch √ľber eine letzte Treppe, die direkt auf das Dach hinauf f√ľhrt.

Er steht immer noch an der Kante. Seine Identität konnte bislang nicht geklärt werden und eigentlich weiß niemand, auf wen oder was sie sich hier einlassen.
Die Person hinter ihm, die Rafael schon von der Stra√üe aus gesehen hat, ist der Geistliche. Die beiden Feuerwehrleute halten sich einige Meter zur√ľck, je einer auf jeder Seite, bereit einzugreifen, wenn es n√∂tig sein sollte.
Rafael bemerkt, dass der Springer sehr ruhig und gefasst wirkt. Er reagiert mit einem Lächeln auf Patricia, die sich ihm vorstellt und erklärt, dass sie mit ihm sprechen möchte.
Auch Tonio bleibt mit Rafael etwas im Hintergrund. Der Seelsorger scheint resigniert. Er √ľberl√§sst Patricia bereitwillig das Gespr√§ch mit dem am Abgrund, der ihr direkt in die Augen sieht und auf ihre Frage nach seinem Motiv antwortet:
"Sie wollen das nicht hören. Ganz bestimmt nicht."
Aber sie versucht es wieder und es geht ein paar Mal hin und her. Rafael bekommt nicht viel davon mit, zum einen, weil er zu weit entfernt ist, zum anderen, weil er den Springer so nahe am Abgrund stehen sieht und sich vorstellt, er selbst st√ľnde dort. Doch w√ľrde er nicht lange stehen. Es w√§re die blo√üe Angst vor dem Fall, die ihn abst√ľrzen lassen w√ľrde. Er w√ľrde nur hinunter schauen und fallen. Es gibt keinen Halt, kein Gel√§nder, und damit w√§re sein Sturz besiegelt.
Sie muss gerade etwas gesagt haben, dass ihn aus der Reserve lockt, denn obwohl er eigentlich nicht √ľber seine Gr√ľnde sprechen will, dreht er sich jetzt zu den hinter ihm Stehenden um, als wolle er seine Worte nicht mehr nur an Patricia allein richten:
"Ich werde Ihnen meinen Grund nennen, wenn Sie es unbedingt w√ľnschen, und ich hoffe, Sie werden mich verstehen, denn danach werde ich springen."

Rafael hasst D√§cher im Allgemeinen und dieses besondere beginnt er nun lautlos zu verfluchen. Der schwarze Teerbelag reicht nur noch ein paar Meter und dahinter der Abgrund und die Tiefe. Kein Gel√§nder, kein Vorsprung, der Boden unter den F√ľ√üen h√∂rt einfach auf. Es ist der Abgrund, der ihn anzuziehen scheint, wenn er nur dicht genug davor steht. Sein K√∂rper scheint zu wissen, dass er ohnehin fallen wird, also macht es keinen Sinn, sich l√§nger dagegen zu wehren, so sehr auch der Verstand gegen diese Vorstellung rebelliert. Und der Abgrund scheint n√§her zu kommen, obwohl er sicher ist, dass seine Beine sich nicht von der Stelle bewegen.
Er kann hier oben ohnehin nichts weiter tun, Patricia und der Priester sind als seelischer Beistand genug, Tonio kommt nur zum Einsatz, wenn sich jemand verletzt, und die beiden Feuerwehrm√§nner sehen so aus, als ob sie jede Situation allein in den Griff bekommen w√ľrden. Er rei√üt seinen Blick mit Gewalt von der Kante des Daches los, die ihn zu hypnotisieren scheint, und sucht Blickkontakt zu Tonio. Der hat verstanden und deutet ihm an, dass er runter soll. Rafael wird unten gebraucht. Falls was passiert, kann unten mehr passieren als hier, die Passanten, die Gaffer, wenn es knallt, dann knallt es unten.
Der Selbstm√∂rder beginnt wieder zu sprechen, aber Rafael ist schon durch die T√ľr und stolpert die Stufen hinab. Er h√§lt kurz vor dem Treppenabsatz inne, w√§hrend Patricia versuchen wird, dem dort oben einen Ausweg und eine Perspektive zu zeigen, jetzt da sie wei√ü, was sein Problem ist.
Und genau in diesem Moment hört er die Schreie, zwar gedämpft, aber unverkennbar unten von der Straße.
Das war¬īs. Aus und vorbei. Feierabend.
Der Schwei√ü l√§uft ihm jetzt nicht nur √ľber die Stirn, sondern auch an Bauch und R√ľcken hinunter. Hinter seinen Schl√§fen pocht es. Er will jetzt nur noch nach unten, einfach ans Ende der Treppe hinabsteigen, in den Fahrstuhl und nichts wie runter. Unten den Job machen, aufr√§umen, zudecken, aufwischen, auf neue Anweisungen warten. Tonio sehen, der auch gleich kommen wird. Der Job, der unten auf ihn wartet, ist nicht angenehm, aber nicht schlimmer, als der Versuch, oben auf dem Dach eine Hoffnung zu verbreiten, an die man selbst nicht glaubt. Es ist passiert, das Schlimmste ist passiert, man muss sich nicht l√§nger davor f√ľrchten. Einfach wieder runter, er w√ľrde nicht den Fahrstuhl benutzen, sondern die Treppe. Die letzten Stufen in einem Sprung nehmen, so wie als Junge, wenn die Schule aus war und er wieder f√ľr einen Nachmittag √ľberm√ľtig wurde. Das w√§re ein gutes Gef√ľhl.

Etwas verwirrt ihn. Die Schreie sind so urpl√∂tzlich abgerissen, als h√§tte man einem Radio den Strom abgedreht. Als h√§tte etwas Unbegreifliches oder v√∂llig Unerwartetes den Schrecken, einen Menschen in den Tod springen zu sehen, in eine sprachlose Leere verwandelt. Rafael will hinunter, aber er muss jetzt auch nach Tonio und nach Patricia sehen. Er ist immer noch im Einsatz, auch wenn der Verwirrte es nun f√ľr sich beendet hat. Widerwillig und mit schweren Beinen hastet er die Treppe wieder hinauf und betritt das Dach. F√ľr einen Moment wei√ü er nicht, wo er sich befindet. Etwas ist falsch, das Dach ist falsch und ebenso der bleierne dunstige Himmel, der den Namen Himmel nicht verdient. Alles ist falsch hier, er hat die falsche T√ľr genommen, obwohl es doch nur eine gab. Denn auf dem Dach ist niemand mehr. Er steht ganz allein in der angestauten Hitze unter der Smogglocke von Mexico City und wei√ü nicht, was er tun soll. Sein Denken sucht nach einer Erkl√§rung, f√ľr das, was er sieht oder vielmehr nicht sieht, und findet keine.

Er l√§sst sich auf die Knie hinunter und kriecht auf allen Vieren √ľber die klebrige Teerpappe bis etwa 5 Meter vor den Rand des Daches. Dann legt er sich flach auf den Bauch, schiebt sich zentimeterweise vorw√§rts und k√§mpft gegen den aufsteigenden H√∂henschwindel an. Als er endlich den Rand erreicht - er kann nicht sagen, ob es Sekunden oder Minuten dauerte - und mit den H√§nden umklammert, scheint sich die Gravitation verzehnfacht zu haben. Sein K√∂rper wird von einer unsichtbaren Kraft nach unten und fest gegen das Dach gezogen. Er sp√ľrt, wie das ganze Geb√§ude schwankt. Er liegt mit dem Kinn auf dem Boden, nur so kann er seinen Sturz verhindern, und er wei√ü, dass sich das Dach nicht nach vorne neigen und er nicht abrutschen kann, obwohl ihn dieses Gef√ľhl zu √ľberschwemmen droht, als er √ľber den Rand hinab und in die Tiefe blickt.
Er braucht nicht zu z√§hlen. Er wei√ü, dass es 6 K√∂rper sind, die 9 Stockwerke tiefer auf dem Asphalt liegen. Die Gaffer stehen wie erstarrt und von Polizei und Feuerwehr scheint niemand f√§hig, etwas zu unternehmen, denn es gibt nichts mehr zu tun. Rafael ist der Gefangene einer Momentaufnahme, gebannt in einem Foto, in dem nur er selbst lebendig ist. Was er sieht, macht keinen Sinn. Es macht f√ľr niemanden einen Sinn und der Mensch h√§lt einfach inne, auch in seinem Schrecken, wenn jeglicher Sinn pl√∂tzlich verloren geht.
Der Mann, der sterben wollte, ist gesprungen und noch bevor er unten angekommen war, sprang Patricia, dann der erste Feuerwehrmann, dann Tonio und der Priester fast gleichzeitig, dann der zweite Feuerwehrmann. Sie traten einer nach dem anderen an den Rand des Daches und sprangen hinab. Keiner von ihnen z√∂gerte eine Sekunde, keiner schrie im Fallen. Einer der Feuerwehrm√§nner hatte die Arme ausgebreitet. Er kippte im Fallen vorn√ľber und schlug mit dem Kopf voran auf.
Es machte keinen Unterschied, f√ľr keinen von ihnen. Keiner √ľberlebte. Tonio wurden durch die Wucht des Aufschlags die gebrochenen Rippen seitlich aus dem Leib gepresst, als er b√§uchlings landete, von Patricias Gesicht blieb nicht mehr als eine blutige Masse √ľbrig. Einer ihrer Ohrringe flog davon und rollte vor die F√ľ√üe eines Polizisten, der ihn sah und nichts verstand.

Was sie taten schien ihnen selbstverst√§ndlich, unausweichlich, die logische Konsequenz dessen, was sie aus dem Mund des Verr√ľckten geh√∂rt hatten, der ihnen danach nicht mehr verr√ľckt vorgekommen war. Was immer sein Grund daf√ľr war, jetzt und hier und auf diese Weise aus dem Leben zu scheiden, es muss ein √ľberzeugender Grund gewesen sein. Sie h√∂rten diesen seinen Grund und es wurde der ihre. Sie sprangen ihm augenblicklich hinterher, ein Familienvater, eine Psychologin, ein Geistlicher, sie alle scheinbar ohne auch nur die Spur eines Zweifels an ihrer Tat. Welches unbeschreibliche Grauen kannte er, das ihnen drohte und vor dem sie sich in die Arme des Todes fl√ľchteten? Welche Verlockung war es, die er ihnen verhei√üen hatte und der keiner von ihnen widerstehen konnte?

Rafael hasst D√§cher, denn er hasst den Abgrund und die Tiefe. Der blo√üe Anblick eines Abgrunds zieht ihn hinab, der Horror wird zu einer Versuchung, die ihn ruft: "Gib auf, fall hinunter, spring, dann ist es endlich passiert und du brauchst keine Angst mehr zu haben." Er f√ľrchtet nichts mehr als den Fall und alles in ihm scheut vor dem Abgrund zur√ľck, doch wenn er ihm bis auf eine kritische Entfernung nahe genug gekommen ist, dann ist der Abgrund zugleich auch die Erl√∂sung. Dann will er, dann muss er fallen, so als ob ihn die Schwerkraft um ein Vielfaches verst√§rkt anz√∂ge, denn was passieren kann, das wird irgendwann passieren und so ist es besser, wenn es gleich passiert.

Rafael liegt auf dem Bauch und beobachtet. Er ist mit dem Dach verschmolzen und sieht zu, wie erst ein zweiter, dann ein dritter Rettungswagen eintrifft, wie auch die Gegenfahrbahn der Avenue Manuel Payno gesperrt wird, wie sie die Menge auseinander treiben und dann minutenlang nach etwas suchen, womit sie den letzten der 6 toten K√∂rper bedecken k√∂nnen. Er liegt noch fast eine Stunde auf dem Dach und hat Zeit, eine Erkl√§rung zu finden, f√ľr das, was ihnen allen widerfahren ist und ob es auch ihm widerfahren w√§re, wenn er nur noch ein paar Sekunden l√§nger geblieben w√§re, bis denen unten auff√§llt, dass da noch einer fehlt, der noch oben sein muss. Und als sie herauf kommen und ihn aufheben, ihn vom Abgrund wegbringen und ihn st√ľtzen m√ľssen, dass er ihnen nicht vorn√ľber f√§llt, als sie ihn schlie√ülich fragen, was um alles in der Welt blo√ü auf dem Dach geschehen ist, da wei√ü er nichts zu antworten und sein einziger Gedanke ist der, dass keiner von uns ins Paradies will, wir wollen alle nur der H√∂lle entfliehen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 73
Kommentare: 552
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marcus Richter eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Gut,

am Schluss kommt es mir so vor, als ob dieser passige Satz mit dem "der H√∂lle entfliehen", nicht ganz perfekt eingeleitet wird und fast ein wenig vor√ľber rauscht, obwohl er stark sein k√∂nnte.
Vielleicht, weil ich das Gef√ľhl habe, dass der Inhalt des Satzes noch nicht ganz mit dem Inhalt des Textes √ľbereinstimmt.

Ich will es mal so sagen, wenn der letzte Satz quasi die Pointe ist, w√§re mir im √ľbrigen Text ein wenig mehr H√∂lle lieber. Ich denke da an so ein Bild aus Barton Fink, wo so eine Fliege die ganze Zeit an der Wand herum krabbelt und die Tapete immer wieder runter kommt, wie in einem ewigen, schleimigen Zyklus.

Nat√ľrlich muss man das nicht √ľbertreiben, und vielleicht liegt dir das mit dem Klischee nicht so.
So wie die Geschichte jetzt ist, gefällt sie mir, aber sie könnte besser sein. Schön finde ich, dass dein Text wiedermal ein paar coole Ideen auf den Tisch legt.

Und es ist, so wie es ist, eine gute Geschichte. √úbrigens kommt sie auch realistisch r√ľber. Jedenfalls manchmal ...

Gr√ľsse
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr√ľnbein

Bearbeiten/Löschen    


a.lipschitz
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2009

Werke: 8
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um a.lipschitz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Marcus,
zun√§chst danke f√ľr deine Anmerkungen.

Den letzten Satz wollte ich gar nicht so stark betont wissen. Die "Pointe" ist eigentlich, dass sie alle springen, und jeder sich selbst fragen muss, warum. Und vielleicht auch: Wof√ľr w√§re ich gesprungen?

Fast schon wollte ich damit dann auch enden, aber der Protagonist, aus dessen Sicht das Ganze geschildert wird, sollte doch eine ganz subjektive Antwort versuchen, die nur als ein kurzes Gef√ľhl in ihm "vorbei rauscht", denn eine echte Antwort gibt es ja nicht.
Mehr "H√∂lle" als die bedr√ľckende Hitze wollte ich darum objektiv auch gar nicht bringen.
Subjektiv kommt hier auch seine H√∂henangst mit ins Spiel und seine Einstellung "Besser einmal fallen und dann ist es vorbei, als sich st√§ndig davor f√ľrchten m√ľssen."
Wie gesagt, diese Antwortm√∂glichkeit soll sich dem Leser nicht aufdr√§ngen und demnach auch nicht zwingend aus der Geschichte folgen m√ľssen.

Und ja, besser machen kann man da bestimmt noch was. Ich werde bei Gelegenheit noch ein bisschen was ausprobieren.

Bearbeiten/Löschen    


Mäuschen
Autorenanwärter
Registriert: Aug 2010

Werke: 13
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um M√§uschen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Guten Abend beisammen

W√§hrend ich die ersten vier Abs√§tze las, besch√§ftigte mich nur ein Gedanke: Weshalb sind da so viele Zahlen? Erst dachte ich mir, das ist Zufall. Aber als es immer mehr und immer mehr wurden, muss man wohl Absicht darin erkennen. Allerdings ist mir der Sinn immer noch nicht wirklich bewusst, da die vorkommenden (und sich wiederholenden - 3 Leute, so viele Minuten, so viel Grad Hitze...) Zahlen ja irgendwie unbedeutend sind (oder ist da was an mir vor√ľbergegangen?).
Anscheinend fällt es aber auch nur mir so ins Auge - muss wohl an meinem Hang zur Mathematik liegen ^^

Ich h√§tte mir noch einen kleinen Wink gew√ľnscht, der wenigstens einen m√∂glichen Grund f√ľr ihre Selbstmorde aufzeigt. Ich kann mir n√§mlich keinen einzigen vorstellen, der mich bewegen w√ľrde, ohne Z√∂gern von einem Hochhaus zu springen (egal, was der "Springer" auch gesagt h√§tte - er h√§tte immer noch l√ľgen oder geistig verwirrt sein k√∂nnen, oder nicht?).
Wenn die Geschichte nicht unter "Horror und Psycho" st√ľnde, k√∂nnte man sich vielleicht fragen, ob es wirklich Selbstmorde waren oder ob da noch andere Kr√§fte im Spiel waren (oder schlie√üt diese Option "Psycho" mit ein?)

Ansonsten mag ich die wechselnden Hitze/K√§lte-Bilder und den leichten Bezug dazu im letzten Satz (Absicht? Ich fand's jedenfalls toll^^). Ich kann Rafaels Gef√ľhle oben auf dem Dach vollkommen nachvollziehen (hab selbst H√∂henangst). Wirklich grandios geschrieben ("Er sp√ľrt, wie das ganze Geb√§ude schwankt. Er liegt mit dem Kinn auf dem Boden, nur so kann er seinen Sturz verhindern, und er wei√ü, dass sich das Dach nicht nach vorne neigen und er nicht abrutschen kann, obwohl ihn dieses Gef√ľhl zu √ľberschwemmen droht, als er √ľber den Rand hinab und in die Tiefe blickt.").

Auch h√§tte ich nach dem Schock-Moment (Alle sechs Personen sind gesprungen? Oha o_O^) irgendwie schneller aufgeh√∂rt... Aber wie, keine Ahnung. Um mir hier selbst zu widersprechen und diesen Absatz komplett √ľberfl√ľssig zu machen, w√ľrde ich den Schluss eben NICHT k√ľrzen, da er sich wunderbar der √úberschrift anpasst. Aber soll das nicht andersrum sein?

"Schön finde ich, dass dein Text wiedermal ein paar coole Ideen auf den Tisch legt." (Marcus) -> Dito =)

Liebe Gr√ľ√üe,
Christine
__________________
Wenn Augen der Spiegel zur Seele sind, zerschlage ich ihn dann mit meinen Taten und spucke mit meinen Worten die Scherben aus?

Bearbeiten/Löschen    


a.lipschitz
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2009

Werke: 8
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um a.lipschitz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Zu den Zahlen:

Ich habe etwas Zahlenmystik eingebaut, aber - wie ich zugeben muss - nicht immer wirklich konsequent durchgehalten, da die Zahlen innerhalb der Geschichte auch noch plausible Größen bleiben mussten.

Die 6 als Symbol f√ľr eine "gefallene Welt" und "Zahl des Teufels" steht dabei im Mittelpunkt, aber auch ihre Vielfachen 12 und 18, sowie die symbolisch starke 3 z.B als "g√∂ttliche Dreifaltigkeit":

- "der zweite von 3 Ventilatoren" (2x3=6)

- Rafael ist 24 (Quersumme 6)

- Der Notruf geht um 15:42 Uhr ein (wieder beide Quersummen 6, zwei Zahlen = Dualität der Welt in Himmel und Hölle)

- "Noch weitere 18 Minuten" (3x6)

- "braucht 3 oder besser 4 Leute" (3x4=12 bzw. 2x6)

- "Code 3-15" (3 und einmal Quersumme 6; auch hier Dualität von Dreifaltigkeit/"Teufel" bzw. Himmel/Hölle)

- Tonio ist 45 (Quersumme 9 bzw. 3x3)

- Das Haus ist 9 Stockwerke hoch (3x3)

- es sind 6 Leute, die springen


Der "kleine Wink" warum sie springen: Nimm Rafaels letzten Satz ganz wörtlich, wenn du eine (mögliche) Antwort willst. Aber eigentlich wollte ich die "Blackbox" gar nicht (zu weit) aufmachen.

Bearbeiten/Löschen    


ThomasStefan
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 19
Kommentare: 72
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um ThomasStefan eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo lipschitz!
Gut geschrieben, sehr spannend, keine Frage.
Nat√ľrlich h√§tte man am Schlu√ü gerne die Aufkl√§rung. V√∂llig unterschiedliche Menschen springen in den Tod. Es gibt ja nur zwei M√∂glichkeiten: Entweder werden sie unwiderstehlich gezogen, quasi ins Gl√ľck, oder sie fliehen vor der H√∂lle, du hast sie ja selbst benannt.
Dann soll es allein die Kraft der Worte des Lebensm√ľden sein, die binnen Sekunden auf alle gleich wirken, sie innerhalb eines Moments vom Dach springen lassen. Auf ihn wirkt diese Erkenntnis offenbar nicht so unmittelbar, er steht eine Weile am Rand, sogar ziemlich lange, bis die Hilfskr√§fte erscheinen. Und er ist nicht so von Sinnen, dass er nicht noch die Zeit h√§tte, es ihnen zu erkl√§ren, seine Mitteilung aber dann eine Sekundenwirkung hat.
Sehr geheimnisvoll, m.E. aber auch sehr unwahrscheinlich. Ich kann mir beim besten Willen einen solchen Grund f√ľr den Sprung aller in den Tod nicht vorstellen. Die H√∂henangst ist ehrvorragend dargestellt, ich wei√ü, wovon ich spreche.
Insgesamt gerne gelesen.
Gruß, Tom

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f√ľr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur√ľck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!