Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92266
Momentan online:
88 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Am Anfang war das Ende (überarbeitet)
Eingestellt am 22. 04. 2006 16:54


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Am Anfang war das Ende

Sie wischt die Tränen aus den Augen und wirft das zerknüllte, nasse
Papiertaschentuch in den Müll.
Im Spiegel sieht sie ihr verweintes Gesicht. Minutenlang steht sie so da.
Ihre Augen sind gerötet, in graue Schatten gebettet. Die eingefallenen Wangen blass und faltig. Alt, hässlich sehe ich aus, denkt sie, während sie mit der Hand durch ihr kurzes, stumpf gewordenes Haar fährt. Das helle Blond ist längst herausgewachsen, der natürliche Farbton von vielen weißen Fäden durchzogen. Sie wendet sich ab. Die Frau dort im Spiegel hat nur noch wenig Ähnlichkeit mit der einst hübschen Tochter ihrer Mutter.

Ihre Mutter würde ihr jetzt helfen. Die war immer stark. Nichts hatte sie in die Knie zwingen können. Weder der Krieg, aus dem ihr Mann nicht zurückkam, noch die Zeit als Trümmerfrau. Nicht einmal der Krebs, der sie später langsam auffraß. Ihre Mutter kämpfte bis zur letzten Sekunde. Als sie spürte, dass es zu Ende geht, ließ sie sich ihr bestes Kleid anziehen, sich schminken. Sogar der Friseur musste noch kommen. Ihr Mann sollte nicht erschrecken, wenn er sie drüben wieder sähe.
Dann legte sie ihre kleine, zerbrechlich wirkende Hand in die kräftige Hand ihrer Tochter. Sie lächelte, als sie für immer einschlief.
Ja, ihre Mutter war stark gewesen. Warum hatte sie ihr diese Stärke nicht vererbt?

Die Stärke nicht, aber den Krebs. Er hat vor fünf Jahren sein tödliches Werk begonnen. Ihren Mann hatten nach einem Jahr die Kräfte verlassen. Er besaß nicht genug Mut das langsame Sterben zu ertragen. Als die Ärzte ihnen sagten, dass die Behandlungen erfolglos gewesen waren, brach er zusammen. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau in einer anderen Stadt.

Nein, sie hat keine Angst vor dem Sterben, auch nicht vor den Schmerzen. Dagegen gibt es Medikamente. Die Furcht, am Ende allein, auf fremde Menschen angewiesen zu sein, diese Angst ist es, die ihr die Tränen in die Augen treibt.
Sie wollte nicht im Krankenhaus bleiben, ging auf eigenen Wunsch, gegen die Empfehlung der Ärzte. Seit einer Woche ist sie nun schon zu Hause. Sie hat es noch im Ohr, das Getuschel der Schwestern, dass sie freiwillig zurück kommt, wenn es erst soweit ist.
Zwei bis drei Wochen bleiben ihr noch.
Eine Woche hat sie überlegt. Nun steht ihr Entschluss fest.

Als sie vom Friseur zurückkommt, stellt sie die Blumen in eine große Vase und zieht ihr schönstes Kleid an. Sie zeichnet ihre Lippen nach und legt Rouge auf. Dann nimmt sie das Bild ihrer Mutter und stellt es zu den Blumen.
Ihr ist kalt. Sie holt sich eine Decke und kuschelt sich aufs Sofa.
Langsam trinkt sie ein Glas Bordeaux. Sie schmeckt das Pulver nicht.
Der Wein erzeugt in ihr eine wohlige Wärme.
Sie schaut noch einmal auf das Bild, in die lächelnden Augen und schließt ihre.
Dann legt sie ihre kleine, zerbrechlich wirkende Hand in die starke Hand ihrer Mutter. Sie lächelt, als sie zu ihr hinübergleitet. ©




Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
die

überarbeitung ist gelungen. jetzt stimmt alles, von vorn bis hinten nicht eine silbe zuviel oder zu wenig. anrührend, ohne kitschig zu werden. super!
lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Märchentante
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2002

Werke: 63
Kommentare: 73
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Märchentante eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo,

ganz toll, kann ich nur sagen.

Lieber Gruß
Märchentante

Bearbeiten/Löschen    


Kelly
Häufig gelesener Autor
Registriert: May 2006

Werke: 3
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Kelly eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Franka!

Ich weiß nicht, was hier vor deiner Überarbeitung zu lesen stand, was ich jetzt hier entdeckt habe, fand ich aber sehr einfühlsam geschrieben und vor allem nachdenklich machend ...

Mir ist aufgefallen, dass du häufiger durch die Zeiten springst und ich frage mich an manchen Stellen, ob das mit Absicht geschehen ist, oder doch teilweise aus Versehen? Es ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck, allerdings finde ich Zeitenwechsel innerhalb eines einzigen Absatzes immer etwas verwirrend für mich als Leser (z.B. der Absatz in dem du vom Krebs berichtest, der vor 5 Jahren sein tödliches Werk begonnen hat).

Aber bitte versteh das jetzt nicht negativ, dein text hat mich ehrlich berührt - es ist mir halt nur so aufgefallen und ich dachte, ich sags mal ...

Liebe Grüße,
Kelly

Bearbeiten/Löschen    


Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke!
Zeitformen geben in meinen Texten häufig Anlaß zur Überarbeitung, jedoch sind sie hier bewußt so gewählt.

LG Franka

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!