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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Am Ende des Regenbogens
Eingestellt am 17. 08. 2002 22:40


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Imke Christiansen
Manchmal gelesener Autor
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Es war einer dieser sch├Ânen Sommerabende, wie ich sie liebe. Nicht zu hei├č, nicht zu kalt und vor allen Dingen ohne Regen. Ich genoss es, mit meinem jungen Groenendael-R├╝den einen Spaziergang durch unseren kleinen Park zu machen. An dem klaren Teich die Enten zu f├╝ttern und mich einfach nur umzusehen.
Wer teilte den Park mit uns beiden?
Wen kannten wir und mit wem konnten wir uns nett unterhalten?
Ich mit dem Zweibeiner und Rondo, mein treuer Gef├Ąhrte, mit dem anderen Vierbeiner. Doch auch an diesem Abend sah ich nur den alten Mann, der mit seinem gro├čen Mischlingshund auf der Bank sa├č. Er blickte auf das Wasser, beobachtete die Enten und schien seine Umwelt nicht wahr zu nehmen. Ebenso reagierte sein Hund. Er war schon alt ÔÇô vielleicht in Hundejahren genauso alt wie der Mann, der wohl seine achtzig Sommer erlebt haben mochte. Diese zwei waren ein Gespann, die ich oft in diesem Park sah.
Es schien wie ein Ritual.
Der Mann st├╝tzte sich schwer auf seinen Stock und schlurfte ├╝ber den Schotterweg ÔÇô Abend f├╝r Abend. Stets begleitet von diesem lustig aussehenden Hund. Er schien nicht Sch├Ąferhund zu sein und auch nicht Boxer, Windhund oder Collie. Irgendwie vereinte er alle diese Rassen in sich. Doch sein Stolz hatte darunter nicht gelitten. Immer, wenn ich ihn sah, hielt er aufmerksam den Kopf erhoben und die kleinen, edel geschnittenen Ohren gespitzt. Sein Blick war neugierig und doch gleichzeitig wissend. Vieles mochte dieser Methusalem der Hunde schon erlebt haben.
Ebenso, wie der alte Mann. Schweigend sa├č er auf der Bank und beobachtete die Enten. Ab und zu glitt ein L├Ącheln ├╝ber seine faltigen Z├╝ge. Die eine Hand umklammerte den Spazierstock, w├Ąhrend die andere auf dem Kopf des gro├čen Hundes lag, der geduldig neben ihm sa├č. Ich hatte den Alten noch nie reden geh├Ârt. Und im Laufe der vielen Wochen war meine Neugierde gewachsen. Langsam ÔÇô z├Âgernd, ging ich mit meinem Hund zu ihm. Er beachtete mich nicht, sondern sah in die Weite des Parks. Dabei spielte dieses undefinierbare L├Ącheln um seine Lippen. Fast schien es so, als sei er in einer anderen Welt. Vielleicht in der Vergangenheit. In einem Leben, welches ihm mehr geboten hatte, als das jetzige.
Unsicher setzte ich mich neben ihm auf die Bank. Er schien mich nicht zu bemerken. Wohl aber der gro├če Hund, dessen dunkle Augen aufmerksam auf Rondo und mir ruhten. Der fremde Vierbeiner machte keine Anstalten, uns zu begr├╝├čen ÔÇô sah uns nur absch├Ątzend und abwartend an.
Ebenso schweigend und abwartend verhielt ich mich. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich den alten Herrn. Und irgendwann ÔÇô ├╝berraschend ÔÇô sprach er mit mir. Doch selbst bei diesen Worten schien er in einer anderen Welt zu sein. Er redete so, als w├╝rde er der untergehenden Sonne seine Geschichte erz├Ąhlen. Oder vielleicht seinem treuen Hund, der ihn nun mit liebevollem Blick ansah und mit gespitzten Ohren seinen Worten lauschte.
Der alte Mann erz├Ąhlte von fr├╝her ÔÇô von seinen kleinen Haus und seiner geliebten Frau Martha. Wie sie das Essen liebevoll bereitete und sich um ihn sorgte und ihn liebte. Und er sprach von ihrem Tod vor einem Jahr ÔÇô von seiner Einsamkeit und Angst danach. Er lebte nun alleine in diesem Haus, welches ihm mit jedem Tag gr├Â├čer und verlassener erschien. Der einzige, mit dem er sich unterhalten konnte, war sein Hund Tim.
Ich unterbrach den Alten nicht. Sicherlich lagen mir tausend Fragen auf der Zunge, doch ich sp├╝rte, dass es ihm gut tat zu reden. Und so lie├č ich ihn.
Lange Zeit sa├čen wir an diesem Abend auf der Bank. Schweigend h├Ârte ich seine Worte, die mittlerweile sein ganzes Leben vor meinem inneren Auge ablaufen lie├čen. Irgendwann seufzte er schwer auf und erhob sich. Sofort war der gro├če Hund an seiner Seite. Der Alte ging ein paar Schritte, dann drehte er sich noch einmal um. Nachdenklich ruhte sein Blick auf mir.
ÔÇ×Ich danke Ihnen f├╝r die Zeit, die Sie sich f├╝r einen alten Mann und seine Geschichte genommen haben.ÔÇť
Ich l├Ąchelte schweigend und nickte dankend. Ich wei├č nicht, warum in diesem Augenblick kein Wort ├╝ber meine Lippen drang. Dabei h├Ątte ich so viel sagen k├Ânnen.
Jeden Abend ging ich nun in den Park. Ich wartete auf den Alten und seinen Hund. Doch immer blieb die Bank leer. Das leise Schlurfen ├╝ber dem Schotter war verklungen.
Dann sprachen sie bei dem B├Ącker von einem alten Mann. Die Polizei hatte ihn tot in seinem Haus aufgefunden. Neben seiner Leiche lag ein alter Hund. Den Kopf auf die Brust des Toten gebettet und leise weinend. Den alten Mann hatte man in die Leichenhalle gebracht ÔÇô den Hund in das Tierheim.
Und dort fand ich Tim.
Seine dunklen, seelenvollen Augen blickten mich an und sein leises Fiepen drang mir bis ins Herz. Ohne zu z├Âgern holte ich ihn zu mir. Seine letzten Wochen oder Monate durfte er nicht in einem Zwinger verbringen. Er sollte den weichen Boden unter seinen Pfoten sp├╝ren und die w├╝rzige Luft der Freiheit atmen k├Ânnen. All┬┤ das konnte ich ihm geben.
Was ich an diesem Tag nicht sah oder verstand, war der Blick des Hundes. Tief, dunkel, sehnsuchtsvoll und in eine weite Ferne gerichtet. In eine Welt, eine Zeit, die l├Ąngst schon vergangen. In ein Leben, welches hinter ihm lag ÔÇô und in eine Zukunft: zusammen mit seinem geliebten Herrchen und seiner Frau.
So, wie es bei dem alten Mann war, der die Trauer um seine geliebte Frau im Herzen trug.
Ich begrub Tim wenige Tage sp├Ąter in meinem Garten.
Es war ein trauriger Augenblick. Doch ich wei├č, dass er am Ende vom Regenbogen seine Menschen wiedergefunden hat.
Die Treue eines Hundes ├╝berwindet alle Grenzen!

__________________
Imke Christiansen

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bosbach46
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hallo Imke,
Tr├Ąnen haben f├╝r mich fast Seltenheitswert, aber deine Geschichte hat mich ger├╝hrt. Meine Gef├╝hle wurden durch deinen Text auf der "siebten Sohle" erreicht, also ganz unten. Sch├Ân geschrieben. Gru├č J.B.
__________________
J. Bosbach

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Querdenker
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Registriert: Aug 2002

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Hallo Imke,

ein Lob hat bei mir Seltensheitwert. Die Geschichte ist Dir rundum gelungen. Du kannst erz├Ąhlen wie ein Profi. Nur schiet, dass heutzutage die Moneten vor der Qualit├Ąt rangieren.Wenn ich k├Ânnte, w├╝rde ich Dich bei einem Verlag unterbringen, aber leider, kein Schwein interessiert sich heute f├╝r Kurzgeschichten.Nur eines noch:Lass den letzten Satz weg,der ist v├Âllig ├╝berfl├╝ssig und au├čerdem verbraucht.

Nette Gr├╝├če vom Querdenker
__________________
Johannes Sch├Âne

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