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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Am Hafen
Eingestellt am 27. 03. 2015 21:44


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Sonnenfinsternis
Hobbydichter
Registriert: Mar 2015

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Der alte Mann am Hafen

Der alte Mann saß schon lange am Kai. Wie lange genau wusste er nicht. Es war ihm auch egal. Eine sanfte Brise wehte. Leicht flatterte sein graues Haar im Wind. Was hatte Marie gesagt? „Wenn ich dich noch einmal mit einer Flasche sehe, werfe ich dich hinaus.“ Das er zu viel trank war ihm bewusst. Doch was interessierte sie das? Hatte sie sich jemals fĂŒr ihn interessiert? Wer interessierte sich ĂŒberhaupt fĂŒr ihn?

Am gegenĂŒberliegenden Ufer blinkten die Anzeigenlichter heimkehrender Schiffe. Überhaupt war recht viel los heute im Hafen. Und das abends. FrĂŒher in seiner Jugend war er oft hier gewesen, mit Freunden zum Angeln oder spĂ€ter auch mit Marie. Er konnte sich nicht erinnern, dass frĂŒher so viel los war. Kurz dachte er an die Globalisierung, an Pestizide in KleidungsstĂŒcken, an die Hungerlöhne in China, doch seine Gedanken schweiften wieder ab. „Ich halte das nicht mehr lĂ€nger aus mit dir“, hatte sie gesagt. Das spielte keine Rolle, sowas in der Art sagte sie oft. Und doch war ihm heute etwas aufgefallen, was er noch nicht kannte an ihr. Es hatte ihn zutiefst erschĂŒttert. Sie hatte sich verĂ€ndert. Doch das war es nicht, jeder Mensch verĂ€ndert sich. FrĂŒher war er der Annahme gewesen das Menschen zumindest ab dem mittleren Alter eine Konstante in ihrem Leben gefunden haben, gewissermaßen einen Fixpunkt um den sie sich drehen, unabĂ€nderlich festgelegt, wenn sich auch die Gravitation von Zeit zu Zeit etwas verschob. Doch jetzt war er sich da nicht mehr so sicher. Er dachte wieder an die Schiffe, an die Fracht die sie wohl transportierten. Es schien ihm fast so als ob die sich immer schneller drehenden Uhren den Menschen kleiner machen wĂŒrden.

Er nahm ein paar große Schlucke aus der Flasche. Beim abstellen fiel sie fast um. Er musste aufpassen - seit 22 Uhr gab es keinen Alkohol mehr zu kaufen. Was hatte Bruno gesagt? „Ohne Ferdi und gutes Essen wĂ€r ich schon lange nicht mehr auf der Welt“. Ja, er mochte seinen Hund. Bruno war einer der wenigen Freunde die er hatte. Doch seine Hundevernarrtheit hatte er nie verstanden. Er bezweifelte das Bruno ohne essen und Ferdi nicht leben konnte. Wieso hatte er Simone nicht erwĂ€hnt? Schließlich war er erst seit kurzem mit seiner neuen Freundin in Urlaub gewesen.
Von weit draußen nĂ€herte sich ein großes Containerschiff. Weiß schimmerte der Bug im Mondlicht. Was hatte es wohl geladen? Elektronik? Kleidung? Im Grunde war es auch egal, es gab schließlich fĂŒr alles einen Abnehmer. Er hat nie verstanden wieso die Waren zig mal um die ganze Welt gekarrt wurden. FrĂŒher war er gern auf dem Schiff gewesen. Es bedeutete fĂŒr ihn Freiheit.

Er bemerkte wie der Alkohol seinen Kopf immer mehr benebelte. Auf einmal hatte er wieder ihr Gesicht vor Augen. Die tiefen Furchen an ihren Mundwinkeln, die zusammengekniffen lehmbraunen Augen, die jeden Glanz verloren hatten. Wie gern wĂ€re er jetzt bei ihr und hĂ€tte mit ihr geredet. Einfach nur geredet. Vielleicht ĂŒber das Wetter, vielleicht ĂŒber das Flugzeug in Australien, das einfach vom Radar verschwunden war. Er konnte sich nicht entsinnen wann er zuletzt mit ihr gesprochen hatte. Bitter legte sich der schottische Whisky um seine Zunge. Seit Jahren trank er die gleiche Marke. Langsam stand er auf und lief ein StĂŒck die Kaimauer entlang. Von weit her hörte er den LĂ€rm der PartygĂ€ste in der Altstadt. Er bemerkte nicht wie ein Schein aus seiner Hose fiel. Er bemerkte nicht wie eine Frau sich nach ihm umdrehte. Es war kalt heute Nacht, er fröstelte leicht. Langsam lief er immer weiter in die dunkle Nacht hinein.


Version vom 27. 03. 2015 21:44
Version vom 03. 04. 2015 17:09
Version vom 03. 04. 2015 17:10

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DocSchneider
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Hallo Sonnenfinsternis, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

Eine traurige Geschichte, bei der Du noch kleinere Fehler ausmerzen (das/dass) und AbsÀtze einbauen könntest.


Viele GrĂŒĂŸe von DocSchneider

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Vagant
???
Registriert: Feb 2014

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Hallo Sonnenfinsternis,

ich bin ja ein ausgemachter Freund solcher kleinen Losergeschichten in denen scheinbar nicht viel passiert, der Autor aber deshalb um so mehr in seine Figur investieren muss.

Allerdings muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich kein Freund dieser Art des ErzĂ€hlens bin. Ich mag es halt doch eher szenisch, mit etwas Tempo, guter Beinarbeit und hier und da einen harten Punch. Diese ausschließlich narrative ErzĂ€hlen halte ich gerade im Genre Shortstory fĂŒr nicht zeitgemĂ€ĂŸ.

Ich denke, dass du die Geschichte schon etwas verbessern könntest, wenn du noch die eine oder andere NebensÀchlichkeit streichst (schottische Whisky) - hier zum Beispiel das schottisch, das tut nichts zur Sache, und sein Fehlen hat auf den narrativen Fluss keine Auswirkung. Mir sind noch einige andere aufgefallen. Leider habe ich mir keine Notizen gemacht - ich finds halt gerade nicht - sorry.

Ein paar Rechtschreibfehler, Kommafehler, das/dassFehler sind mir aufgefallen.

Stilistisch wĂŒrde ich versuchen, die Gedanken nĂ€her an Figur zu rĂŒcken. Weg vom ErzĂ€hler - lass den ErzĂ€hler nur das erzĂ€hlen was offensichtlich ist, was auch ich oder du jederzeit sehen könnte. Alles was sich in der Figur abspielt gehört im modernen ErzĂ€hlen auch in die Figur. Also nicht mehr als 'erlebte Rede', sondern als 'Gedankenrede/Bewusstseinsstrom'.

Ein bisschen am Rhythmus arbeiten. Brennweiten verĂ€ndern, von der Totalen zur Closeup, Innen - Außenperspektive, halt alles so Sachen, die diese Art des ErzĂ€hlens ein bisschen moderner und weniger betulich erscheinen lassen.

Ansonsten hat mir die Intension der Storie, sowie die Stimmung die sie vermittelt recht gut gefallen.

gern gelesen, Vagant.



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steky
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Sonnenfinsternis,

hier ein paar Kommentare meinerseits, wie Du Deinen Text verbessern könntest:

quote:
Wie lange genauKomma wusste er nicht.

quote:
Das er zu viel trank war ihm bewusst.
Es heißt "dass".

quote:
Überhaupt war recht viel los heute im Hafen.
Sollte "heute" nicht eingeklammert sein?

quote:
Am gegenĂŒberliegenden Ufer blinkten die Anzeigenlichter heimkehrender Schiffe. Überhaupt war recht viel los heute im Hafen. Und das abends
Absatz.

quote:
Kurz dachte er an die Globalisierung, an Pestizide in KleidungsstĂŒcken, an die Hungerlöhne in China, doch seine Gedanken schweiften wieder ab.
(Absatz)

Das kommt mir zu sprunghaft daher. Diese Gedanken stĂŒnden einem jungen und naiven Menschen besser. Außerdem kaufe ich es Dir nicht ab, dass ein Mensch zu trinken anfĂ€ngt, weil ihm die ungerechte, böse Welt keine andere Wahl lĂ€sst. Das ist ein Klischee. Menschen trinken immer aus persönlichen GrĂŒnden. Man trinkt nicht wegen Pestiziden in KleidungsstĂŒcken.
Vielleicht deute ich diese Stelle falsch.

quote:
Er hat nie verstandenKomma wieso die Waren zig malzigmal um die ganze Welt gekarrt wurden.

quote:
FrĂŒher war er gern auf dem Schiff gewesen. Es bedeutete fĂŒr ihn Freiheit.
Das gefÀllt mir. Allerdings erklÀrst Du zu viel. Lass es den Leser selbst erahnen.

quote:
Wie gern wÀre er jetzt bei ihr und hÀtte mit ihr geredet. Einfach nur geredet.
"Wie gern wÀre er jetzt bei ihr und hÀtte mir ihr geredet ... einfach nur geredet ..."
Man sollte die Wirkung von Auslassungspunkten nicht unterschÀtzen; manchmal sprechen sie genau das aus, was man nicht in Worte zu fassen vermag.

quote:
Er konnte sich nicht entsinnen Kommawann er zuletzt mit ihr gesprochen hatte.

quote:
Er bemerkte nicht Kommawie eine Frau sich nach ihm umdrehte.

quote:
Er bemerkte nicht wie ein Schein aus seiner Hose fiel. Er bemerkte nicht wie eine Frau sich nach ihm umdrehte. Es war kalt heute Nacht, er fröstelte leicht.
Absatz.

quote:
Langsam lief er immer weiter in die dunkle Nacht hinein.
Ein bitteres Ende servierst Du uns hier; die dunkle Nacht wird den alten Mann nÀmlich verschlucken. Aber ist es nicht er selbst, der seine Beine bewegt? Oder wird er gelenkt? Hier wird die Sucht definiert: Krankheit oder SchwÀche? Ein kompliziertes Thema.

Alles andere wurde schon gesagt.

LG
Steky





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