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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Am Strand
Eingestellt am 15. 05. 2004 21:16


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mikhan
Festzeitungsschreiber
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Am Strand

Die alte Frau, die in dem langsam vermodernden Haus am Eingang zum Strand wohnt, h├Ąngt auf ihrer Terrasse W├Ąsche auf und sieht zu, wie Busse voller Touristen am Strand vor├╝berziehen, ohne ihn auch nur eines Blickes zu w├╝rdigen. Nur wenige Badeg├Ąste hat es hierher verschlagen. Au├čer einem betrunkenen Opa, der lachend in seine Badehose uriniert, scheint kaum jemand Gefallen an dem steinreichen Sandboden zu haben, der sich hier ├╝ber mehrere Kilometer an der K├╝ste erstreckt.
Ich versuche das Beste daraus zu machen und mache eine Stelle frei von den spitzen, zackigen Steinen, um dort mein Handtuch aufzuschlagen. Das ich an diesen verkommenen Strand gegangen bin, und nicht an einen dieser Luxusstr├Ąnde, hat nat├╝rlich einen besonderen Grund. Ein altes Prospekt, das als Tapete in einem Stra├čenlokal diente, hatte mich auf diesen Strand aufmerksam gemacht. Bevor die Luxusstr├Ąnde er├Âffnet wurden, war der Strand ein beliebtes Ausflugsziel gewesen, die Leute zahlten sogar Eintritt daf├╝r. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei. Nun bin ich aber ein doch etwas beleibter Mann mittleren Alters, der in Ruhe das Meer und den Strand genie├čen und nicht, wie sonst, von allen Leuten angegafft werden m├Âchte. Also machte ich mich auf zu ÔÇ×meinemÔÇť Strand und ich muss sagen, bislang l├Ąuft doch alles ganz gut. Ich mache es mir auf meinem Handtuch gem├╝tlich und lasse mir die Sonnen auf den R├╝cken brennen.
Ein wandernder H├Ąndler versucht mir eine Kokosnuss anzudrehen. Er zerschl├Ągt sie, mit einer animalisch-brutalen Mimik, direkt vor mir auf einem Stein. Spritzer von Kokosnussmilch dringen mir in die Augen ein. Auffordernd h├Ąlt mir der Urmensch ein St├╝ck Kokosnuss entgegen. Ich probiere nat├╝rlich, denn wann kriegt man schon mal was umsonst, mache dem Mann dann aber verst├Ąndlich, dass ich keine Kokosnuss von ihm zu kaufen gedenke. Beinahe f├╝rchte ich, mein Kopf k├Ânnte das gleiche Schicksal wie die Kokosnuss erleiden, doch gl├╝cklicherweise begn├╝gt sich der Mann damit einen furchtbaren Urschrei auszusto├čen, wor├╝ber der betrunkene Opa abermals in lautes Gel├Ąchter ausbricht.
Die Kokosnuss hatte zwar sehr gut geschmeckt, doch hatte ich auf meinem Weg zum Strand mehrere Kokosnusspalmen gesehen und will mich doch lieber gratis bedienen. Nun ja, die Palmen geh├Âren wohl der alten Frau, aber die wird ja wohl nichts dagegen haben. Ich gehe also zu einer der Palmen und sch├╝ttele kr├Ąftig an ihr. Au├čer einer Reihe von K├Ąfern und faulen, stachligen Bl├Ąttern f├Ąllt nichts hinunter. Es bleibt mir wohl nicht anderes ├╝brig, als nach oben zu klettern. Langsam schiebe ich meinen dicken K├Ârper den Stamm der Palme hinauf. Doch auf halber H├Âhe verliere ich sowohl meine Kraft als auch meinen Mut. Erschreckt stelle ich fest, dass es viel einfacher war, sich nach oben zu robben, als nach unten. Zum Springen ist es zu hoch. Mehr oder weniger freiwillig rutsche ich den Stamm hinab und schabe mir dabei die Haut von den Beinen.
Das kann mich jedoch nicht von einem Bad in dem salzigen Meerwasser abhalten, denn mittlerweile bin ich v├Âllig verschwitzt. Das br├╝hwarme Wasser bringt aber nicht die erhoffte Erfrischung. Wenigstens gibt es hier Wellen. Nach einigen halbherzigen, entt├Ąuschenden Wellen, erfasst mich schlie├člich, v├Âllig ├╝berraschend, doch noch ein riesiger Brecher, der mich wie einen Kreisel herumwirbelt und unsanft auf den Meeresboden aufschlagen l├Ąsst.
Jetzt habe ich aber doch genug vom Baden, und beschlie├če mir bei einem ausgedehnten Strandspaziergang Entspannung zu verschaffen. Der Opa ist eingenickt und brummelt unverst├Ąndliches Zeug, ein unangenehmer Gestank geht von ihm aus. Schnell mache ich mich auf den Weg. Die an den Strand anschlie├čende Vegetation besteht ├╝berwiegend aus alten Mangroven, die wie verwesende Eingeweide aus dem Boden ragen. Dazwischen liegen Gruben mit dunklen, schlammigen Wasser, die ein Fortkommen unm├Âglich machen.
Voller Freude sto├če ich auf einen kleinen Fluss, der hier in das Meer m├╝ndet. Das Wasser hier ist sehr klar und hat eine angenehme Temperatur, au├čerdem ist der Fluss nicht sehr tief. Beinahe springe ich ├╝berm├╝tig wie ein kleines Kind hinein, doch dann entdecke ich das junge Liebespaar, das diese kleine Oase bereits f├╝r sich erobert hat. Angewidert wende ich mich ab, mache mich auf den R├╝ckweg zu ÔÇ×meinemÔÇť Strand.
Ein herrenloser Hund macht sich ├╝ber die Bananenschalen her, die ich neben mein Handtuch gelegt hatte. Wie hungrig muss ein Hund eigentlich sein, damit er Bananenschalen isst?
Jetzt trampelt er auch noch auf meinem Handtuch herum! Geh ab! Mach dich davon! Er knurrt, es steckt also doch noch ein bisschen Kraft in seinem ausgelaugten K├Ârper. Besser ich tue jetzt nichts Un├╝berlegtes. Im Grunde brauche ich das Handtuch doch gar nicht, der Opa hat schlie├člich auch keins dabei. Nicht wahr?! Er schnarcht, schl├Ąft seinen Rausch aus. Ja, das tut gut. Nur weiter so. Und, du, du kannst meinetwegen auch gleich noch das Handtuch verschlingen. Was guckst du jetzt so? Habe ich was Falsches gesagt? Spiel dich blo├č nicht so auf! Wem geh├Ârt dieser Strand denn eigentlich? Dir oder mir?

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Pritt
Hobbydichter
Registriert: Oct 2003

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Tag Mikhan!

Bereits Dein erster Satz ist ungl├╝cklich. Zwar kann ich mir denken, dass die Toristen den Strand keines Blickes w├╝rdigen, aber Du hast so misslungen konstelliert, dass der Leser verwirrt ist, da es auch ohne Weiteres die alte Frau oder der Bus selber sein k├Ânnten, die den Strand unbeachtet lassen.
Die alte Frau... Ich denke, wenn Du eine KURZGESCHICHTE so beginnen l├Ąsst, sollte besagte und betagte Person noch irgendeine Funktion erf├╝llen, und sei es auch nur die eines sog. Falken. Ich glaube nicht, dass es sich hier um eine Kurzgeschichte handelt. Daf├╝r vermisse ich s├Ąmtliche Wesensz├╝ge, die solch einen Text ausmachen. Dies hier ist ein Bericht und deshalb fehl am Platze. Sorry, nur meine Meinung.
P.S. Wie habe ich mir einen 'Urmenschen' vorzusetellen?
Nichts f├╝r ungut ... Pritt

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mikhan
Festzeitungsschreiber
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Hallo Pritt!

Vielen Dank, f├╝r die, recht harsche, Kritik. Eigentlich sollte die Beschreibung des Strandes durch den Ich-Erz├Ąhler dessen absto├čenden Charakter offen legen. Dessen Sicht der Welt ist ja sehr eindimensional und pessimistisch angelegt, sein Inneres spiegelt sich im ├äu├čeren des Strandes wieder. Das war zumindest das Anliegen dieser Geschichte. Nun ja, es ist mir offenbar nicht so gegl├╝ckt, wie ich es mir gew├╝nscht habe. Gru├č, Mikhan.

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Pritt
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Hallo abermals!

1. Sch├Ân, dass Du meine Worte nicht pers├Ânlich nimmst, wie so viele hier. :-)
2. Die Grundidee, einen verwahrlosten Strand als Metapher f├╝r einen eben solchen Charakter zu benutzen, halte ich f├╝r eine sehr gute. Aber ich glaube, da reicht es nicht, den Strand als schmutzig, an den R├Ąndern mit Mangroven und S├╝mpfen begrenzt und mit einem urinierenden Opa 'verziert' zu beschreiben. Bzw. K├ľNNTE es reichen, wenn Du genauer erz├Ąhlst, warum sich der Prot zu diesem h├Ąsslichen Flecken Erde so hingezogen f├╝hlt. Vielleicht erinnert ihn die alte Frau an wen Bestimmtes? Nur so als Beispiel. Dann haste auch den wohl wichtigsten Baustein einer Kurzgeschichte: Der oder die Charaktere m├╝ssen immer von irgend etwas getrieben sein, innerlich oder ├Ąu├čerlich. Bei Strand - Charakter h├Ąttest Du beides sch├Ân miteinander kombiniert. Ich denke, Du hast mit diesem Thema Stoff f├╝r locker 10 Seiten...
Sch├Ânen Sonntag noch ... Pritt

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