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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Am seidenen Faden
Eingestellt am 27. 04. 2006 20:41


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Sonnenblume
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2006

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Liebe Mami,

ich gebe einer tiefen unstillbaren Sehnsucht nach Frieden nach. Diese Sehnsucht ist st├Ąrker, als alle Vernunft, die mich in die Pflicht nimmt, im Kampf gegen mich selber. Ich wei├č, ich darf Dir das nicht antun, aber da ist kein Weg mehr, den ich in Frieden gehen k├Ânnte, mit mir und der Welt. Ich k├Ânnte nur noch Fassade sein, vielleicht k├Ânnte ich es sogar so gut, da├č ich hinter der Fassade nicht mehr bin. Wie bei einem Fisch wird mir das Wasser durch die Kiemen getrieben, damit ich noch atme. Was ich nun tue ist die logische Konsequenz meiner Schuld. Jetzt kann ich um Dich nicht weinen, ich habe Dich schon viel fr├╝her verloren.

In Liebe
Nina

Ich will aufstehen, meine letzte Flucht hinter mich bringen, aber meine F├╝├če gehorchen mir nicht. In der rechten Hand halte ich immer noch den Stift, in der linken das Foto. Du hast Dich gar nicht ver├Ąndert, geht es mir durch den Kopf. Auf dem Foto: du allein mit der Stoffeule. Sie geh├Ârte erst zu mir, als die Verwandten das Gedudel nicht l├Ąnger ertragen konnten. Denn der Hund kroch mit der Spieluhr immer unter das Sofa und zog sie auf, bis sie kaputt war. Denn Hund und Verwandte konnten es nicht lassen, an beiden Enden zu ziehen. Es war meine Eule, ohne sie brach ich in Panik aus. Sa├č stundenlang vor der Waschmaschine, wenn Mutter sie in die W├Ąsche tat, damit ich sie tropfna├č in Handt├╝chern gewickelt, mit ins Bett nehmen konnte. Das Stofftier war mein Mutterersatz, ihm konnte ich mich anvertrauen, meiner Mutter nicht. Ich hasse sie daf├╝r.

Allein gehe ich diesen Weg entlang, so allein wie ich durch das Leben gehe. Ohne Freunde, ohne Hobbys, ohne Schwester. Mit jemandem, der sich abgrundtief ha├čt, will man keinen Kontakt. Nur, wer sich selbst liebt, kann andere lieben. Mutter gibt mir die Schuld, hat mir bis heute nicht verziehen. F├╝r mich ist sie weit weg, obwohl sie um die Ecke wohnt. Die Eule hat sie mir weggenommen, diese Wunde heilt nicht.

Ich sehe alles noch deutlich vor mir. Ich holte Anne mit dem Fahrrad ab und ├╝berredete sie, sich auf den Lenker zu setzen. Ich bin zu schnell gefahren. Als Anne schrie, krachte es auch schon.

Jeden Abend w├╝nsche ich mir, mein Schlaf w├╝rde ewig sein, dann k├Ânnte ich aufh├Âren zu denken, dann w├Ąre ich frei, frei von Schuld. Manchmal w├╝nsche ich, ich k├Ânnte alles vergessen, einen Beruf aus├╝ben, doch die Schuld hat sich in meinem Leben ausgebreitet wie ein Lauffeuer und alles niedergebrannt, was noch h├Ątte sch├Ân sein k├Ânnen. Sehns├╝chtig w├Ąre ich gern wieder die Alte, aber die Zeit steht niemals still, sie rinnt wie Sand durch die Finger, unaufh├Ârlich. Ich halte es nicht mehr aus. Wie versteinert sitze ich im Wohnzimmer und blicke immer noch das Foto an. Den Brief lege ich gut sichtbar auf den Schreibtisch. Ich gebe mir einen Ruck, ziehe meinen Mantel an und fahre mit dem Fahrrad die Stra├če runter. Da steht das Haus, wo ich meine Kindheit verbracht hatte, wo alles noch in Ordnung war. Ich z├Âgere, dann dr├╝cke ich doch die Klingel, ich kann kaum noch atmen, die Kleidung dr├╝ckt auf meine Brust. Meine Mutter macht auf, blickt mich an, sehr kurz, und schl├Ągt mir die T├╝r vor der Nase wieder zu. Ich halte den Atem an, bis mir schon ganz schwindelig wird und setze mich auf die Treppe vor dem Haus. Die letzte Hoffnung, die mich noch am Leben h├Ąlt, war nun binnen 5 Sekunden verpufft. Meine Mutter hat f├╝r mich entschieden, da├č es keine Rettung mehr f├╝r mich gibt. Sie verzeiht mir die Schuld nicht, ich kann mir selbst nicht verzeihen.

Ich fahre zusammen, als hinter mir die T├╝r ein zweites Mal aufgeht. Meine Mutter setzt sich ganz dicht neben mich und gibt mir meine Eule zur├╝ck. "Hier", sagt sie, "es ist Deine." Dann nimmt sie mir das Stofftier wieder aus der Hand und legt es neben sich und l├Ąchelt mich an. In diesem Moment habe ich wieder zu Leben angefangen.
__________________________________________________________________

Liebe Leser, ich bin damit noch nicht ganz zufrieden, aber f├╝r die Werkstatt ist es, denke ich, zu fortgeschritten. F├╝r Kommentare, kurze Eindr├╝cke, Kritik, w├Ąre ich Euch sehr dankbar. Bewertungen w├╝rden mich auch freuen.

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heike von glockenklang
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Sonnenblume, guten abend

eine irrsinnig zu herzen gehende erz├Ąhlung. es gibt da s├Ątze und aussagen die ich hervorragend finde.
einige anmerkungen m├Âchte ich dennoch machen,
dazu aber werde ich deine erz├Ąhlung noch einmal in ruhe lesen.
ich verstehe zum beispiel nicht was dass nun bewegt das mutter dir deine eule gibt und wieder weg nimmt... die bedeutung dessen meine ich.
l.g- heike
__________________
Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, k├╝hle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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Sonnenblume
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Hallo Heike !

Ich danke Dir f├╝r Deine erste Einsch├Ątzung.

Zu Deiner Frage: Die Eule hat die Mutter der Nina gegeben, weil sie wei├č, wie wichtig das Stofftier f├╝r ihre Tochter war. Im zweiten Absatz hei├čt es, da├č die Eule Mutterersatz war, die Mutter ist sich dessen nach der langen Zeit bewu├čt und nimmt ihr die Eule wieder weg um zu sagen, da├č die Tochter nun die Mutter zur├╝ck hat, weil sie ihr vergibt.

Oje. Ist jetzt bl├Âd formuliert, ich hoffe, Du verstehst es trotzdem. Mu├č jetzt auch mal schnell ins Bettchen.

Liebe Gr├╝├če
Sonnenblume

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Gorgonski
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Hallo Sonnenblume

Die Symbolik mit der Eule finde ich gelungen, wie die ganze Geschichte sehr von Herzen gekommen scheint.

MfG; Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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heike von glockenklang
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sonnenbl├╝mchen ,

da├č die Tochter nun die Mutter zur├╝ck hat, weil sie ihr vergibt.

ich glaube das es hilfreich w├Ąre wenn du die mutter etwas sagen l├Ą├čt... z.B.
ich liebe dich,
oder ich bin jetzt f├╝r dich da
oder
hab keine angst mehr
oder oder...
die bedeutung der eule hatte ich verstanden nur den schlu├č nicht so ganz, vielleicht war ich auch schon zu m├╝de...


bis dahin heike



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H Keuper-g /13.07.06

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