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Leselupe.de > Humor und Satire
Ameisenblues II
Eingestellt am 03. 06. 2005 09:23


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Otto Lenk
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Ameisenblues (Fortsetzung)

Sie ist wieder da. Gestern musste ich sie wieder in den Garten setzen. Sie war gerade dabei, den Duschvorhang zu erklimmen. Ich bin (dass möchte ich ummissverständlich klarstellen) weder gläubig, noch abergläubig. Man versteht so manches nicht, ja, manchmal faltet man auch die Hände, aber das war´s auch schon. Doch so langsam wird mir die Sache unheimlich. Klar...es könnte sich um einen Zufall handeln…aber ich gebe zu bedenken:
Warum immer nur eine Ameise? Die treten doch meistens im Rudel auf. Aber nein…eine Ameise! Klar…es könnte sich auch um ein Rudel Einzelgängerameisen handeln. Die sich abends auf ein Gläschen Ameisensäure treffen und sich über hippe Badezimmer unterhalten.
„Hey Alter. Musst mal zu denen ins Haus spazieren. So ein Badezimmer haste noch nicht gesehen. So ein Weiß…echt geil Mann!“
Nein, nein…ich weiß nicht. Mir geht der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass der Test noch nicht vorüber ist. Er hat noch etwas vor. Blicke es noch nicht so ganz…aber mein internes Fax schreibt mir ständig ein Wort ins Gehirn:

Warnung! Warnung! Warnung.

Ich habe es gewusst. Heute morgen ist es passiert. Beim Staubsaugen kam die Prüfung über mich. Ich war gerade in der Nähe des Bades am saugen…ich sah noch den kleinen schwarzen Punkt auf den Steinfliesen…und Flutsch!
Mein internes Fax ratterte und ratterte: Mit Bedacht und Ruhe. Ăśberlege genau, was zu tun ist.
Mein Verstand sagte mir, dass sie tot sei. Doch im gleichen Moment sagte diese Stimme:
Und wenn nicht?
Ich stellte den Staubsauger weg und lachte über meine Blödheit. Schaute in den Spiegel und sprach mit mir ein ernstes Wort:
Sag mal, wirst du nun blöd oder was? Kackst wegen einer Ameise über. Mann oh Mann. Ich halt dich langsam nicht mehr aus im Kopf. Echt…du bist mir ein Halbhirn. Reiß dich endlich am Riemen!
Es tat gut, mich mit mir zu unterhalten. Ich wurde gleich ruhiger, stĂĽrmte zum Staubsauger und nahm vorsichtig den Beutel heraus.
Mit einer Schere schnitt ich ihn der Länge nach auf. Aus dem Kosmetikköfferchen meiner Frau nahm ich ein Pinselchen und begann vorsichtig, die festen von den flüchtigen Stoffen zu trennen. Es galt Papierchen zu säubern, Staubweben zu entwirren und dies mit der Hand eines Uhrmachers. Das Bild eines Bombenentschärfers kam mir in den Sinn.
Das ist unter Garantie die letzte PrĂĽfung, sagte diese Stimme.
Ich fand sie.
Sie läuft nun nicht mehr so rund. Besser gesagt, sie läuft nur noch rund, im Kreis. Sie hat wohl was verloren, aber sie lebt. Ich war so voller Freude, dass ich auf meinen Knien die Hände faltete und laut zu beten begann. Tränen des Glücks liefen über meine Wangen.
Ich hatte meine Frau die ganze Zeit ĂĽber nicht gesehen. Aber sie mich. Sie hatte dieses Schauspiel verfolgt.
Meine Frau sagt, sie kommt zurück, wenn ich beim Arzt gewesen bin. Aber ich war doch schon dort. Anfangs lächelte er ein wenig, während meiner Erzählung, aber dann hat er die Ameise unter die Lupe genommen. Er meinte, ihr fehle ein Bein.
Als ich meiner Frau vom Besuch beim Tierarzt erzählte, bekam sie am Telefon einen hysterischen Anfall.
Hinkefüßchen lebt jetzt bei mir. Ich habe ihm ein Glas häuslich eingerichtet. Meine Frau ruft nicht mehr an.

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