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Leselupe.de > Gereimtes
Ameisenkrieger
Eingestellt am 07. 01. 2002 14:48


Autor
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Ameisenkriegerin
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

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Du bist neugierig, wer oder was eine Ameisenkriegerin ist?
Vorweg genommen - das ist eine "Erfindung" von mir.
Der Begriff Schmetterlinge oder Flugzeuge im Bauch ist ja bekannt.
Nun, ich nenn es Ameisen.
Irgendwer oder irgendwas muss doch im Bauch kribbeln.
Aber warum h├Ârt das Kribbeln irgendwann auf?
Und warum kribbelt es pl├Âtzlich bei Menschen, die man schon seit Ewigkeiten kennt?
Ich habe mir meine eigenen Gedanken gemacht.

Ameisen sind klitzeklein.
Ameisen werden geboren, wenn du nichts ahnend in die Augen von Menschen schaust.
Ameisen sprechen nicht, sie sind stumm, doch sie bringen dein Herz zum Singen.
Doch es sind nur viele kleine Ameisen, die ihren Platz in deinem Bauch gefunden haben.
Gesch├Ąftig eilen sie hin und her, auf der Suche nach ihrer K├Ânigin, denn ohne ihre K├Ânigin sind sie schwach und machtlos und w├╝rden sterben.
Nur der Mensch, in dessen Bauch die Ameisen ihr Nest gebaut haben, kann ihnen bei ihrer Suche helfen.
Nur an ihm liegt es, ob sich aus einem dieser kleinen Krabbeltiere ein Ameisenk├Ânigin entwickelt.
Und nur diese K├Ânigin ist in der Lage, Ameisenkrieger zu geb├Ąren.
Das Leben der Ameisenkrieger besteht aus einer einzigsten Aufgabe: schwertschwingend verteidigen sie ihr Zuhause, erkunden Wege ins Reich der Liebe.
Wie unsagbar schwer diese Aufgabe ist, kannst du in den B├╝chern der Menschen lesen.
Sie, zwar gro├č und m├Ąchtig, sind hilflos, wenn die kleinen Tierchen zu krabbeln beginnen. Der Bauch entwickelt sein eigenes Leben und taucht die Welt in rosarotes Licht.
Ameisenkrieger k├Ânnen auch Menschen beeinflussen.
Unmerklich und leise ist ihr Kampf.
Wenn das Herz singt, sind sie es, die am Anfang aus sicherer Entfernung, das Geschehen beobachten.
Sie schie├čen ihre kleinen Pfeile, mit nicht l├Âsbaren Widerhaken, in den Kopf des Menschen.
Jeder dieser Pfeile bohrt sich in das Innere und hinterl├Ąsst seine Spuren.
Manchmal sind diese Spuren blutend und die Wunden scheinen die Menschen zu t├Âten, denn erst viel, viel sp├Ąter, wenn das rosarote Licht verschwunden ist, erkennt der Mensch, wie wertvoll diese Pfeile doch f├╝r ihn waren.
Es ist kein Gift, in das die Pfeile der Ameisenkrieger getaucht sind, es ist ein Elixier aus Sehns├╝chten und Erfahrungswerte.
Ohne das Elixier der Pfeile, das die Menschen zum Nachdenken ├╝ber sich selbst bringt, w├Ąre jeder Ameisenkrieg aussichtslos.
Immer, wenn der Mensch f├╝r sich einen Schritt weiter ist, sendet das verschossene Elixier Signale in das Ameisennest.
Diese Signale sind es, die Ameisenk├Ânigin am Leben erhalten, die sie stark, und manchmal auch unsterblich machen.
Ameisenkrieger leben jedoch auch sehr gef├Ąhrlich.
Auf ihren Wegen, die sie beschreiten, m├╝ssen sie so manches Hindernis ├╝berwinden, werden sie durch die Taten der Menschen unbemerkt zertreten.
Der Schrei der sterbenden Ameisenkrieger ersch├╝ttert das Nest im Bauch des Menschen und ein heillosen Durcheinander beginnt.
├ängstlich irren die Ameisen durch den Bauch, auf der Suche nach ihrer K├Ânigin, um sich sch├╝tzend ├╝ber sie zu werfen.
Wenn die Ameisenk├Ânigin schwach und ohne Nahrung ist, kommt es vor, dass sie unter dem Druck der
sch├╝tzenden Ameisen kl├Ąglich stirbt. Und mit ihr stirbt auch das Kribbeln im Bauch.
Aber immer ├╝berlebt ein einzelner Ameisenkrieger das Inferno des Todes.
Es ist der Ameisenkrieger, der aus sicherer Entfernung, in einer R├╝stung aus Hoffnung, sich den Glauben an die Liebe bewahrt hat.
Dieser Ameisenkrieger wei├č es nicht, doch auch er ist unsterblich.
Und so sitzt er Tag ein und Tag aus, versteckt die Augen des Menschen beobachtend, bereit, jederzeit sein Ziel zu treffen...
*
Eingezw├Ąngt in ihre R├╝stung, den Speer griffbereit neben sich liegend, beobachtete die Ameisenkriegerin lustlos die Augen der Menschen.
Ihr Volk war tot, ihre K├Ânigin erdr├╝ckt von abertausend, sich sch├╝tzend ├╝ber sie werfenden Gefolgsleuten.
Die Schreie der sterbenden K├Ânigin, sie h├Ârte sie genauso deutlich, wie am Tag des Grauen.
Ihre F├╝hler zitterten an Erinnerung der vielen sterbenden K├Ârper.
Alle waren tot.
Zertreten, erdr├╝ckt oder erstickt.
Und sie, sie durfte nicht einschreiten, musste sich damals, in ihrer R├╝stung aus Hoffnung und Glauben an die Liebe, mit bangem Herzen, vor dem Inferno verstecken.
Wo war da Gerechtigkeit, warum musste ausgerechnet sie ├╝berleben?
Warum nicht ihr j├╝ngster Bruder oder einer ihrer Onkel?
Verlassen und einsam, so kam sie sich vor.
Ja sicher, sie kannte ihre Aufgabe, ihren Grund des ├ťberlebens, aber w├╝rde sie je dieses Gef├╝hl in den Augen zweier Menschen erblicken?
In ihren Gedanken nannte sie es ein Band, denn sie empfand diese Verbindung zwischen zwei Menschen als ein unsichtbares breites Band.
Und sie wusste, aus den Erz├Ąhlungen der alten Generation, dass dieses Band sehr selten war und es nur ganz besondere Menschen miteinander verband.
Diese Menschen k├Ânnen sich miteinander verst├Ąndigen ohne zu reden, f├╝hlen ohne zu ber├╝hren und trugen etwas in sich, dass sie Vorahnung nennen.
Wenn zwei dieser Menschen sich begegnen, das war der Zeitpunkt, wo sie anfangen durfte zu k├Ąmpfen.
Seufzend lehnte sich die Ameisenkriegerin an den Felsen zur├╝ck und hing ihren Gedanken nach.
Sie wusste, dass das Band eine wichtige Rolle im Leben der Menschen spielte, aber sie erinnerte sich auch an zwei Kugeln, die aus diesem Band entstehen k├Ânnten.
Jeder Mensch an einem Ende des Bandes konnte, wenn sein Herz frei war, eine solche Kugel produzieren.
Ihre Aufgabe war es, mit ihren Pfeilen das Elixier in die K├Âpfe der Menschen zu schie├čen, die dann Signale aussendeten.
Diese Signale waren aber nur f├╝r eine einzige Ameise wichtig, denn aus ihr w├╝rde sich eine neue K├Ânigin entwickeln.
Aber es gab nur noch eine einzige ├╝berlebende Ameise...
Und - sollte das Elixier vielleicht auch die Kugeln beeinflussen k├Ânnen?
Sie wusste, dass es wichtig war, dass sich diese Kugeln verschmelzen k├Ânnen, aber auch voneinander wieder zu l├Âsen, eigenst├Ąndig zu sein, um auf unerkl├Ąrlich Art und Weise sich wieder anzuziehen.
War es das, was die Menschen Liebe nannten?
Ein L├Ącheln ├╝berzog das Ameisengesicht und sie f├╝hlte sich wichtig und stolz.
Und so sitzt sie erneut, Tag ein und Tag aus, versteckt die Augen des Menschen beobachtend, bereit, jederzeit ihr Ziel zu treffen...
*
Mit den F├╝hlern wild in der Luft herumfuchtelnd, ├╝bte die Ameisenkriegerin den Ernstfall, um den allgemeinen Liebeshunger in ihrem Zorn ├╝ber das Warten zu stillen.
Aber noch immer heilt die Zeit die Wunden und auch ein Ameisenged├Ąchnis war unbeschreiblich kurz.
Woran h├Ąngt das Herz einer Ameisenkriegerin am meisten?
An dem, was sie sich an Hoffnungen und W├╝nsche im Laufe ihres kurzen Ameisenlebens zusammengetragen hat?
Oder an Wertvorstellungen, ges├Ąt durch ihrer Vorfahren, eingepflanzt in Fleisch und Blut und gewachsen zu ihrer einzigsten Lebensaufgabe?
W├╝rde es irgendwann den Donnerschlag, die alles reinigende Gewitternacht in der Schw├╝le der Atmosph├Ąre eines Ameisenalltags geben?
Im Laufe der vielen runden Monde, die ihrem einfachen Nachtlager leuchteten, dachte die Ameisenkriegerin immer und immer wieder ├╝ber den Sinn und Zweck der Liebe nach.
Gar kuriose Gedanken durchflogen ihr kleines Ameisenhirn und hinterlie├čen unsichtbare neue Denkstrukturen.
Eine Art Denken, wie sie jedoch nur einer Ameisenk├Ânigin zustand.
W├Ąhrend die sanften Mondstrahlen ihre Ameisenf├╝hler beruhigend streichelten huschten Bilder der Menschengewalt durch ihren Kopf.
Setzt nicht der Mensch gegen die Gewalt, die auf ihn einwirkt, seine eigene Gewalt des Handelns entgegen?
Ist es das, was einen Mensch ausmacht und ihm seine Bestimmung sichert?
Aber wenn sich der Mensch freiwillig dieser neuen Art Gewalt unterwirft, rettet er nicht dadurch auch sein h├Âchstes Gut, die Freiheit des eigenen Ichs?
Wird er nicht den Zwang zur Gewalt gegen Gewalt IN SICH versp├╝ren und sich ihr sogar freiwillig unterwerfen zu k├Ânnen?
Frei sein?
Frei f├╝r sich?
Ihren m├╝den Kopf auf die angewinkelten Vorderbeine st├╝tzend, schaute die kleine Ameisenkriegerin sehnsuchtsvoll in das Dunkel der Nacht.
Ist die sogenannte Freiheit der Menschen nur eine durch den Verstand geb├Ąndigte Unfreiheit?
Kommt es also dann nur darauf an, dass man den von au├čen einwirkenden Kr├Ąften hurtig ein Schnippchen schl├Ągt und sich ihnen freiwillig unterwirft?
Und mit der Unterwerfung unfreiwillig frei wird in seinen Entscheidungen?
Und gedeiht demnach die Freiheit der Liebe nur dort, wo ein einsamer Ameisenkrieger Tag ein und Tag versteckt die Augen des Menschen beobachtet, jederzeit bereit ist, sein Ziel zu treffen?
Verwandelt dieser einzig entscheidende Schuss den Ameisenkrieger in eine Ameisenk├Ânigin?
*
Je l├Ąnger die Ameisenkriegerin auf ihren Einsatz wartete, desto intensiver dachte sie ├╝ber das so fremdartige Leben der Menschen und den Sinn des Menschenlebens nach.
Sie verglich es in ihren Gedanken mit einem riesengro├čen Berg .Ein Berg, durchsetzt mit vielen verschlungenen G├Ąngen, aber auch gro├čen und kleinen H├Âhlen. Und jeder Mensch hat in seinem Berg andere H├Âhlen. Die gr├Â├čte aller H├Âhlen nennt der Mensch sein Ziel. Die G├Ąnge, Labyrinthe der Liebe, der Trauer, der Hoffnung oder des Schmerzes bestehen aus Zeit. Es gibt breite, wundersam ausgetretene Wege, die so unendlich bequem sind.Die Menschen, so wusste die Ameisenkriegerin aus den Erz├Ąhlungen ihrer Vorahnen, sind zu gern bereit, diese bequemen Wege zu nehmen. Aber in diesem Berg des Lebens es gibt auch Sackgassen, Einbahnstra├čen und Weggabelungen. Es kommt aber vor, dass Wege durch m├Ąchtige Gesteinsbrocken versperrt sind, morastig oder gehen steil bergauf gehen, um wenig sp├Ąter, in einem der rei├čenden Str├Âme in dunkle Tiefen zu verschwinden. Viele der Menschen sind verzweifelt, wenn sie an solchen Abgr├╝nden stehen. Sie wagen es nicht, ihre Augen aufw├Ąrts zu richten, sondern starren wie hypnotisiert, aus Angst vor Unbekanntem, dem tosenden Wasser nach, sind gel├Ąhmt in ihrem Denken und Handeln und brechen in Wehklagen aus. Die Tr├Ąnen dieser Menschen speisen die Wasserf├Ąlle, machen sie gro├č und m├Ąchtig. Andere Menschen verzehren sich in unheilvoller Sehnsucht danach, mit den Milliarden funkelnder Wassertropfen weit wegzufliegen. Aber allen diesen Menschen ist eins gemeinsam: sie geben sich und ihr Ziel auf und versinken im Schlaf der Erinnerungen, des Verdr├Ąngens oder der Resignation. Einsam und allein in ihren Tr├Ąumen verhungern diese Menschen im Labyrinth der Zeit. Aber es gibt auch die Mutigen, die Kraftvollen. Die Menschen, die stets und ├╝berall das Positive sehen. Gesteinsbrocken? Tiefe Wasserf├Ąlle? Scheinbar un├╝berwindbare Schluchten? Das sind f├╝r sie Herausforderungen: an den Berg, an die Zeit, an das Leben. Ersch├Âpft vom langen Wandern m├╝ssen sich aber auch diese Menschen ausruhen. Doch in der Ruhe finden sie St├Ąrke und Kraft zum Handeln. R├Ąumen mit Schwei├č und viel, viel M├╝he den versperrten Weg frei oder st├╝rzen sich, tief Luft holend, wagemutig in die Fluten. Ihr Weg ist noch l├Ąngst nicht beendet und sie n├Ąhern sich Meter f├╝r Meter ihrer gr├Â├čten H├Âhle - ihrem Ziel. Und nur diese Menschen versp├╝ren das Gef├╝hl des "Ankommens", des "eins sein mit sich selbst". Von den laut knallenden, bunten Raketen am Nachthimmel, schreckte die Ameisenkriegerin aus ihren Gedanken hoch. Wieder war ein Jahr vergangen. Die Lungen tief mit der Frische der kalten Winterluft vollsaugend, kniff sie fest die ├äuglein zusammen und w├╝nschte sich ganz fest, dass die Menschenkinder ├╝ber den Berg des Lebens und seinen Labyrinthen nachdenken.
Hoffnungsvoll ├Âffnete sie erst das linke, dann das rechte Auge, bereit, wieder die Augen der Menschen zu beobachten, um im entscheidenden Moment ihren Pfeil abzuschie├čen...


FF

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niclas van schuir
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Kriegerin,
bist du wirklich eine? Willkommen im Club. Tiefsinnige Parabel, sch├Âne Sprache. Bin gespannt auf Mehr! Als Leser werde ich dabei sein.
├ťbrigens: die pers├Ânliche Vorstellung auf deiner Homepage ist Spitze. Sollte sich jeder mal anschauen.
Liebe Gr├╝├če
Niclas

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ralph raske
???
Registriert: Jul 2001

Werke: 0
Kommentare: 963
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die richtige geschichte kurz vorm einpennen

bi├čchen viel auf einmal
die ameisen gefallen mir, wie sie da rumkrabbeln
aber dann ufert das ganze doch ziemlich aus
immerhin zeugt deine geschichte von einer unmenge
unverdauter phantasie, und das ist sehr positiv
das lesen derselben ist aber ziemlich anstrengend
ich w├╝rde sie mir lieber am bettrand vorlesen lassen

ich glaube, du hast einen guten draht zum m├Ąrchenerz├Ąhlen
ameisen im bauch, na, ich wei├č nicht
bei mir sinds eher winzig kleine elefanten, die munter
herumtrompeten
oder eine armee im gleichschritt marschierender dummk├Âpfe
manchmal habe ich auch gar nichts im bauch

kurz gesagt: bei dem ganzen ameisengewusel konnte ich
nicht recht entdecken, was du eigentlich meintest
f├╝r ungeduldige leser wie mich k├Ânntest du schneller
zur sache kommen
- typisch mann eben
praktisch veranlagt ...

alles gute f├╝r deine ameisenkrieger(innen)

ralph
__________________
notre vie est un voyage
dans l`hiver et dans la nuit
nous cherchons notre passage

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