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Leselupe.de > Kurzprosa
An jedem Tag
Eingestellt am 13. 07. 2006 22:27


Autor
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Schwarzerpeter
Autorenanwärter
Registriert: Jun 2006

Werke: 4
Kommentare: 3
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An jedem Tag kam zu uns ein Mädchen; sie war ein seltsames Geschöpf. Denn obwohl sie immer die Gleiche blieb, war sie von Zeit zu Zeit eine Andere, während sich alles um sie herum wandelte blieb sie doch immer die Selbe.
Zumeist war sie nicht zu sehen, so dass nicht selten Uneinigkeit herrschte, ob sie noch da sei oder schon wieder fort war. Sie las uns jeden Wunsch von den Lippen ab und machte alles f√ľr uns, in einer stillen, leidenden, niemals jedoch vorwurfsvollen oder gar ungehaltenen Art. Dar√ľber konnte man der Ansicht verfallen, dass sie uns besonders nahe st√ľnde; doch dies zu glauben w√§re mit Sicherheit √§u√üerst falsch.
Im Gegenteil, man konnte in kaum entfernteren Verhältnis zueinander stehen; zumeist wussten wir ja nicht einmal ihren Namen, von denen sie viele besaß, aber immer nur einen zurzeit verwendete. Des Weiteren kannte ihr Haar die verschiedensten Färbungen. Lange Zeit war es schwarz und glänzte wie poliertes Holz, dann wurde es gelb wie Weizen und schließlich fast weiß, wie von der Sonne ausgebrannt.
Mit Sicherheit k√∂nnte man auf das fortschreitende Alter als Schuldigen verweisen, doch dem war nicht so; geh√∂rte es doch zu ihren ganz wesentlichen Eigenschaften immer Jung zu sein, wo wir anderen doch √§lter wurden. Dementsprechend √ľberraschte sie uns auch eines Tages, nachdem ihr Haar schon sehr Hell geworden war, wieder mit einem tiefen Braun, wie von Kastanien, und behielt diese Farbe in der Folge auch lange bei, als ob es von Anfang an ihre liebste gewesen w√§re.
Noch deutlicher sah man ihre Besonderheit an ihren Augen, von denen man ja erwarten durfte, dass ihnen die Zeit nichts anhaben konnte. Doch auch diese wandelten sich; besonders eindringlich wird mir immer das lichte Braun in Erinnerung bleiben, in dem kleine Goldflimmer blitzten, sobald die Sonne es bestrahlte; doch einmal hatte sie auch Smaragde wie eine Katze und zuweilen wurden ihre Augen wasserklar.
Ihre Haut befand sich zumeist in Harmonie zu diesen F√§rbungen, doch manchmal erfreute sie uns auch mit erstaunlichen Gegens√§tzen. Zu der Zeit da sie ihre hellste, wie d√ľnnstes Porzellan gehauchte Haut, zu ihrem gl√§ttesten, schw√§rzesten Haar auftrug, war ihre Sch√∂nheit f√ľr uns und jeden Besucher schmerzhaft und kaum zu ertragen.
So verging die Zeit und während wir älter wurden blieb sie jung; wo wir uns wandelten blieb sie die Gleiche obwohl sie doch immer anders war. Das war das Mädchen das jeden Tag zu uns kam; sie war ein seltsames Geschöpf.

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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toll

und wo spielt sich so fantastisches ab?
fragend guckt
__________________
Old Icke

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Josef Knecht
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2006

Werke: 5
Kommentare: 40
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Hallo Schwarzerpeter,
inhaltlich ergeht es mir √§hnlich wie flammarion: ich w√ľsste gerne mehr √ľber die Frau, die immer ins Haus kommt, immer die Gleiche bleibt und sich doch wandelt. Sprachlich muss ich sagen, einfach grandios. Ich habe den Anfang der Geschichte gelesen und musste einfach weiterlesen. Mir war der Inhalt vollkommen gleichg√ľltig, ich wollte nur eintauchen in deine Prosa.
Liebe Gr√ľ√üe
Josef Knecht
__________________
Gl√ľck ist die gr√∂√üte Leistung des Menschen

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petrasmiles
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2005

Werke: 31
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Was f√ľr eine wunderbare und eigenwillige Sprache. Bezaubernd. Ich war auf dem link zu Deiner 'homepage' und habe noch mehr K√∂stlichkeiten entdeckt. (Leider tun mir nach wenigen Minuten des Lesens von wei√ü auf schwarz die Augen weh.)
Ich werde gleich mal Deine anderen hier geposteten Texte lesen. Du erzählst da von einer ganz eigenen Welt. Wahnsinn!
Ich hoffe mal, Dir sind schon die Verlage auf den Fersen, um Dich zu veröffentlichen
Wunderbar!
Petra

__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f√ľr Gutwerter!

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no-name
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Schwarzerpeter,

ein sehr eigenwilliger Text, den Du in entsprechend eigenwilligem, Stil geschrieben hast. Das ist schon irgendwie besonders, f√§llt irgendwie aus der Masse der Texte heraus, vielleicht wegen Deines Stils - keine Ahnung. ("Irgendwie" ist √ľbrigens nicht mein Lieblingswort!)

Der Text ist durchgängig beschreibend, wirkt auf mich aber, - trotzdem er diese offensichtlich fanszinierende Frau zum Thema hat - trotzdem distanziert und - bitte nicht lachen - seltsam unheimlich.
Du beschriebst diese Person so, als w√§re sie einerseits Teil des Lebens des Erz√§hlenden und andererseits wirkt diese Frau auf mich so, als k√∂nne man sie nicht "fassen", nicht "begreifen", wie ein "Shapeshifter", k√∂rperlos - gerade, weil sie sich st√§ndig ver√§ndert, trotzdem aber diesselbe bleibt und deswegen vomm Erz√§hlenden ja auch immer wieder erkannt wird. Was f√ľr ein faszinierender Widerspruch!Das finde ich zugleich unheimlich, aber auch interessant und spannend, deswegen habe ich Deinen text auch bis zum Ende gelesen.

Es ge√§llt mir, dass Du am Ende wieder zum Ausgangspunkt des Textes zur√ľckkommst - so schlie√üt sich der Keis. Da k√∂nnte man (ich) jetzt viel hineininterpretieren... ;-)

Nur eine kleine Anmerking von mir: Die Textstelle:

quote:
...doch einmal hatte sie auch Smaragde wie eine Katze und zuweilen wurden ihre Augen wasserklar.
hakt ein wenig, finde ich. Ich w√ľrde das umschreiben in: "...und zuweilen wurden Ihre Augen klar wie Wasser."
Gibt es das Adjektiv "wasserklar" √ľberhaupt oder ist das eine Wortsch√∂pfung von Dir, Schwarzerpeter?
Egal, es schadet Deinem Text in jedem Fall nicht.

Viele Gr√ľ√üe von no-name.

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