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Leselupe.de > Horror und Psycho
An jedem verdammten Sonntag
Eingestellt am 23. 07. 2002 02:02


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Damon Hawke
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Registriert: Oct 2000

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Seit vier Jahren mĂ€ht mein Nachbar jeden Sonntag seinen Rasen. Morgens um acht. NatĂŒrlich nur im Sommer. Aber um acht. Seit vier Jahren! Aber nicht heute.

Heute bin ich kurz nach acht aufgewacht. Muss wohl die Gewohnheit sein. Doch es war ruhig. Kein lautes Geknatter von dem alten Kettler-Modell, dass er benutzte. Keine Musik aus dem Radio, die er extra lauter stellt, damit sie den LĂ€rm des RasenmĂ€hers ĂŒbertönt. Nichts. Nur Vogelgezwitscher. Ich drehte mich um und schlief friedlich weiter. Um zehn stand ich dann auf und machte mir FrĂŒhstĂŒck. Dann wusch ich den Lehm von meinen Stiefeln. Um kurz nach elf klingelte es an der HaustĂŒr. Zwei Polizeibeamten, mit sorgenvollen Mienen, im Hintergrund sah ich meinen Nachbarn, das sonst so fleischige Gesicht aschfahl. Sie fragten mich, ob ich letzte Nacht irgendetwas ungewöhnliches bemerkt hĂ€tte, ob und wann ich die kleine Lisa zuletzt gesehen hĂ€tte und mit wem. Ich fragte unruhig, ob etwas passiert sei, doch sie antworteten nicht, wichen aus. Ich rief meinem Nachbarn zu, er könne jederzeit kommen, wenn er reden wollte. Keine Ahnung, ob er mich gehört hatte. Doch ich wollte mir die Stimmung nicht vermiesen lassen. Zum ersten Mal Ruhe seit vier Jahren!
Gegen eins kam es in den Nachrichten im Radio. Die Vermisstenanzeige lief gleich nach dem Wetterbericht, aber noch vor den Verkehrsmeldungen. Mein Nachbar war auch kurz zu hören. Er wandte sich an die mutmaßlichen EntfĂŒhrer, bat sie, sich zu melden, er wolle seine Tochter zurĂŒck haben. Seine Stimme zitterte. Ich stellte das Radio lauter, wĂ€hrend ich im Garten rote Krokusse auf meinem schönen neuen Beet pflanzte. Lisa war vier Jahre alt. Ich fand das irgendwie ironisch.
Eigentlich hasse ich Sonntage. Aber nicht heute.

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Tekky
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

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ich denke, ich habe die kurze geschichte verstanden (obwohl - ich bin inzwischen vorsichtig geworden, was das angeht).

meiner meinung geht es aber am anfang etwas unter, dass der nachbar seinen rasen so lange sonntags mÀht, wie die kleine lisa auf der welt ist. dem unaufmerksamen leser wird es vielleicht entgehen, und damit verliert die sonst 'schöne' geschichte viel.
__________________
Wenn es Sinn hat, etwas zu machen, dann hat es auch Sinn, es schlecht zu machen.(Gilbert Keith Chesterton)

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Robert Amper
Guest
Registriert: Not Yet

Die Geschichte ist sowohl stilistisch, als von der Dramaturgie her absolut sicher und souverĂ€n aufgebaut. Der Autor hat auf alle möglichen und benutzbaren MĂ€tzchen verzichtet und schreibt die Geschichte eben nicht fĂŒr den "Unaufmerksamen Leser". Welchen Sinn hĂ€tte es auch, eine Geschichte zu verfassen, bei deren Entstehen man grundsĂ€tzlich davon ausgeht das ein Teil der Leser unaufmerksam ist...? Wenn jemand diese - oder Ă€hnliche - Geschichten liest, dann ist die Pflicht des Autors dahingehend getan, eine Story zu entwerfen die schlĂŒssig und nachvollziehbar ist. Die Pflicht des Lesers ist, sich konzentriert damit zu befassen. Denn wenn man den Level nach dem unterst anzunehmenden "Aufmerksamkeitslevel" ausrichtet, dĂŒrften nur noch Fix und Foxi Comic verbreitet werden. Das Argument, das einem unaufmerksamen Leser die HintergrĂŒnde entgehen könnten ist verbale Putativnotwehr.
Die Geschichte ist knapp erzĂ€hlt, ohne schlampig zu sein, und lange genug um das Szenario plastisch werden zu lassen ohne langweilig zu werden. Gerade so lange - oder so kurz - das man sich wĂŒnschen könnte es wĂŒrde noch weitergehen. Fazit: Wem diese Geschichte zu komplex erscheint, sollte es tatsĂ€chlich beim Lesen von Comic belassen. FĂŒr alle anderen Leser bleibt zu hoffen das vom Autor noch mehr in dieser Art zu lesen sein wird.


Robert Amper

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Damon Hawke
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Oct 2000

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Danke, Tekky und Robby, dass Euch die Geschichte offenbar gefallen hat. Nun, ich wollte eine möglichst kurze Geschichte schreiben. Der Hinweis auf Lisa muss möglichst kurz und spÀt kommen, weil der Leser so lange wie möglich denken soll, dass der Protagonist den Nachbarn selbst getötet hat. Und Robby, danke, dass du die Geschichte in Schutz nimmst, aber, hey, nichts gegen Comics, ja? Es gibt solche und solche...

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