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Leselupe.de > Kurzprosa
An kalten Tagen
Eingestellt am 19. 01. 2007 15:11


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Serpentina
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2006

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An kalten Tagen

Am heiligen Abend, oder vielleicht ist es auch der erste Weihnachtsfeiertag oder der zweite, wer wei├č das schon an einem solchen Tag, an einem dieser Tage stehe ich mit meiner rot-wei├č gestreiften M├╝tze, die ich auch im Sommer trage, an der Bushaltestelle. Eigentlich will ich gar nicht weg fahren, am heiligen Abend f├Ąhrt sowieso kein Bus mehr. Ich stehe nur dort und warte, schaue mir die hell erleuteten Fenster an und erahne in vorbei huschenden Schattenrissen Familien. Vereinzelt fahren Autos vor├╝ber, mit Menschen darin, die vom Weihnachtsmann wohl auch vergessen worden sind. Es schneit nicht.
Angestrengt versuche ich ein Weihnachtslied zu erlauschen oder ein Kinderlachen vielleicht- Fehlanzeige. Das einzige was an Weihnachten gemahnt sind die leergefegten Stra├čen und ein paar notd├╝rftig aufgeh├Ąngte Lichterketten mit Wackelkontakt.
Mit einem Mal kommt ein Bus angefahren, halb leer. Er h├Ąlt an, drei Menschen steigen aus: Ein Mann, eine Frau, ein Kind. Das Kind sieht m├╝de aus und wimmert ein wenig, als es von der Mutter an die Hand genommen und mehr oder weniger weiter gezerrt wird.
Ich erhasche einen Gespr├Ąchsfetzen: "Dass du auch jedes Mal auf dieses Thema zu sprechen kommen musst, obwohl heute doch...". Der Wind hat gedreht.
Ich stehe weiterhin in meinem Bush├Ąuschen und warte. Mich beachtet niemand.
Nach einiger Zeit kommt eine dick eingemummelte Gestalt mit drei abgerissenen Plastikt├╝ten, alle gelb-rot, um die Ecke gewankt. Sie st├╝tzt sich f├╝r einen Moment am n├Ąchsten H├Ąusereingang ab und torkelt dann weiter. Fast ist sie schon an mir vor├╝ber, das stutzt sie und dreht sich ruckartig zu mir um. Jetzt kann ich sehen, dass es ein Mann ist.
"Alles, alles Gute", stammelt er. Und "Haste... vielleicht mal`n Euro?"
Ich sch├╝ttle bedauernd den Kopf. Aber mit einer Zigarette kann ich aushelfen, weil heute doch Weihnachten ist. Ich gebe sie ihm und w├╝nsche noch frohe Weihnachten, worauf er sich fahrig am Kopf kratzt und pl├Âtzlich n├╝chtern erwidert: "Ja, Weihnachten ist auch so kalt!"
Dann verl├Ąsst er mich wieder. Ich starre ihm noch einige Zeit lang nach und bin froh ├╝ber den ersten Menschen, der heute mit mir gesprochen hat. Dann mache ich mich auf den Weg zur n├Ąchsten Haltestelle.
Als ich schon fast da bin, sehe ich pl├Âtzlich Menschen auf die Stra├če eilen, sich in die Arme fallen und ausgelassen mit Gl├Ąsern ansto├čen. Dann gehen auch schon die ersten Knaller in die Luft. Einen Moment lang blicke ich mich irritiert um, dann vernehmen ich ein lautes "Frohes neues Jahr, ihr Lieben".
Es ist Silvester, nicht Weihnachten.
Langsam setze ich meinen Weg fort und denke noch, dass das der Einsamkeit wohl egal ist.

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