Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
66 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
An meine Urgroßmutter
Eingestellt am 04. 12. 2002 07:17


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
unprodigal daughter
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2002

Werke: 5
Kommentare: 16
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Urgroßmutter

1898 wurdest du arm geboren,
Hast mit 2 schon deine Mutter verloren,
musstest als Kind die Milch austragen,
In der Schule warst du zu müde für Fragen.

Als du 16 warst, erlebtest du deinen ersten Krieg,
Im Leben kanntest du kaum einen Sieg.
Du hattest zwei Ehemänner, doch beide verstarben.
Besonders der Tod des zweiten hinterließ tiefe Narben.

Plötzlich bliebst du allein mit 4 Kindern zurück.
Niemand half dir auch nur ein kleines Stück.
Die Mädchen hast du ins Internat gegeben.
Die Jungen mussten auf der Straße leben.

Jede Trennung bereitete dir Schmerz.
Oft dachtest du, es bricht dir das Herz.
Du wolltest deinen Kindern alles geben,
Darum ließest du sie an einem besseren Ort leben.

Der 2te Krieg begann als deine Jüngste 14 war,
Und er war schrecklich, ganz furchtbar.
Du musstest sie beschützen und verstecken,
Denn damals sollten ja alle Juden verrecken.

Die Deutschen wollten deinem Kind das Leben nehmen,
die Russen es verschleppen, um ihm "ein neues" zu geben.
Du kämpftest, um deine Familie zu beschützen
und jeder konnte sich auf dich stützen.

Auch als der Krieg vorüber war,
Warst du immer für sie da.
In jedes Leben brachtest du Licht
und sagtest immer: "Verzweifelt nicht!"

Du musstest den Tod deiner Brüder erleben,
Auch deine Schwestern mussten vor dir gehen.
Deinen Sohn hast du auch verloren,
Und dein Enkelkind wurde schon krank geboren.

Auch ihren Tod musstest du verkraften,
Und der Schmerz blieb in deiner Seele haften.
Und dennoch warst du immer freundlich und gut,
Machtest allen, die dich kannten, Mut.

In deinen letzten Jahren warst du krank und schwach,
Doch deine Liebe für andere blieb immer wach.
Du konntest nicht gehen, bevor man dich gehen ließ.
Doch die erste Nacht im Spital, war die Nacht, in der du uns verließt.

Ich kann dich nur bewundern und verehren.
Ich wünschte, du könntest mich all das noch lehren.
Aber ich denke, ich muss meinen eigenen Weg finden,
Und was mich das Leben zu lehren hat, selbst ergründen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
Kommentare: 977
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Urgroßmutter

hallo Unpro,
ja sie hatten es nicht leicht, unsere Großmütter und Urgroßmütter. Es ist kaum zu verstehen, wie sich das Leben
innerhalb von 1 bis 2 Generationen so verändern kann.
Ich bin sicher, dass du deinen Weg finden wirst, du hast die
besten Voraussetzungen dafür. Dein Kampfgeist und die Ehrlichkeit sind es, die du durch die Gene von ihnen erhalten hast. Nutze sie!

Deine Chatfreundin

Bearbeiten/Löschen    


dubidu
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 62
Kommentare: 868
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um dubidu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke unpro,
du hast das Leben meiner Großmutter aufgeschrieben, obgleich sie 1908 geboren wurde und vor wenigen Jahren verstorben ist. Wie sich die Geschichten dieser Generation gleichen! Wir sollten ihre Lebensläufe ganz tief im Herzen tragen und an unsere Kinder weitergeben.
Gruß
das dubidu
__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

Bearbeiten/Löschen    


Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Kräfte....

Hallo, UPD,

mit diesem Gedicht hast Du Deiner Urgroßmutter
ein liebevolles Denkmal gesetzt.
Es ist schon sehr erstaunlich und bewundernswert,
was ein Mensch alles aushalten muß und scheinbar
auch kann. Deine Urgroßmutter muß eine sehr starke
und - trotz all dem Schweren, für mich sogar
Unerträglichen - eine "lebensfrohe" Person
gewesen sein. Woher käme solch eine Kraft denn
auch sonst her, wenn nicht aus einer "Lebensfreude"
oder, was noch eine Möglichkeit wäre, aus dem Glauben.
Ich selber weiß, daß ich diese Kraft unter solchen
Umständen nicht aufbringen könnte.
Es muß also einen Strom geben, aus dem solche
Kräfte fließen und es wäre interessant zu wissen
und nicht nur zu vermuten, woher dieser Strom kommt.
Übrigens erinert mich das Leben Deiner Großmutter,
an das Leben meiner 80-jährigen Tante, zwar nicht ganz
mit so viel Elend behaftet, jedoch genauso kraftvoll
und lebensbejahend.

Sende Dir liebe Grüße

Bearbeiten/Löschen    


herb
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 32
Kommentare: 261
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um herb eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo unpro,

hier hast du deiner urgroßmutter ein schönes denkmal gesetzt. deine ehrlichkeit, bewunderung und auch zärtlichkeit für diese frau ist deutlich und steckt an.
danke für das gedicht
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kästner

Bearbeiten/Löschen    


unprodigal daughter
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2002

Werke: 5
Kommentare: 16
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Ich möchte mich bei euch allen für eure netten Worte bedanken. Eigentlich wollte ich noch mehr dazu schreiben, d.h. ich hab es sogar schon geschrieben, nur hier einstellen kann ich es leider nicht, also sag ich einfach nur danke.

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Ungereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!