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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
An mich
Eingestellt am 16. 08. 2008 13:19


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Balu
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An mich

Wei├čt du, es wird Zeit f├╝r den Frieden. Bald wird der Herbst dem Winter weichen und ich sp├╝re jetzt ├Âfter, wie der schwarze Vogel mich beobachtet. Oft habe ich ihm das Fenster ge├Âffnet und gehofft, er m├Âge zu mir kommen, aber auch er scheint mich abzulehnen.

Ich schreibe dir diesen Brief, um dir zu sagen, dass es mir leid tut, wie ich dich viele Jahre lang ignoriert habe und dass ich die Narben zart streicheln will, die ich dir zugef├╝gt habe.

Es begann, als wir Beide uns noch blind vertraut haben und nie ein Gedanke da war, dass es einmal anders sein w├╝rde, dass ich dir solches Leid zuf├╝gen k├Ânnte.
Weisst du noch, als die Mutter uns schreiend ihren nackten K├Ârper zeigte und die Narbe, die von unserer Geburt stammte. Wie sie uns die Schmerzen tief ins Herz brannte, die sie bei unserer Geburt erleiden musste. Damals wolltest du Dir Augen und Ohren zuhalten, weil du die Schuld nicht annehmen wolltest. Aber ich habe dir die H├Ąnde festgehalten und dich gezwungen, immer wieder hinzusehen und die Schreie zu h├Âren. Seit jenen Tagen war jeder Deiner Blicke voller Misstrauen und du bist mir ausgewichen.

Wenn du mit anderen Kindern spielen wolltest, dann habe ich dich an die Mutter erinnert und an die Schuld und an die Strafe, die wir daf├╝r verdienen. Aber du hast nicht zugeh├Ârt und wolltest fr├Âhlich und gl├╝cklich sein. Da habe ich die Kinder beschimpft und sie geschlagen und verjagt.
Immer wieder, bis Keines mehr mit uns spielen wollte und ich glaubte, dass wir nun die Schmerzen der Mutter abgeb├╝├čt h├Ątten.
Aber die Mutter musste weiter leiden, unter der Armut, in der unsere Familie lebte und unter dem Mann, der ihr dieses Kind aufgeh├Ąngt hatte, das so schwierig war und von allen Kindern gemieden wurde. Wieder hast du dich gewehrt, hast aufbegehrt gegen die Schuld, wieder habe ich dich ignoriert und alle Schuld angenommen.

Wei├čt du, wie leid es mir heute tut, dass wir von da an einen erbitterten Kampf gegeneinander gef├╝hrt haben. Du wolltest all das, was die Mutter uns mitgegeben hat, absch├╝tteln. Ich habe, auf der Suche nach Strafe um unsere Schuld zu b├╝├čen, vielen Menschen Leid zugef├╝gt und uns immer neue Schuld aufgeladen, die bestraft werden wollte.
Du wolltest Liebe, und wenn du sie gefunden hattest, habe ich sie dir immer wieder in meinem Wahn nach neuer Schuld und neuer Strafe zerst├Ârt.
Und glaube mir, ich habe deinen Hass auf mich gesp├╝rt, habe darunter gelitten, um am Ende doch nur neue Schuld daraus zu sch├Âpfen.

Jetzt ist es wie damals, als die Kinder nicht mehr mit uns spielen wollten. In jenen Tagen habe ich dein Weinen ignoriert. Heute kannst Du kaum mehr weinen. Aber dein trockenes Schluchzen l├Ąsst mich keine Nacht mehr schlafen.

Ich bitte dich! Lass uns den Winter gemeinsam erleben. Ich will zart und f├╝rsorglich deine Wunden reinigen und ich will dich lieben.

Und wei├čt du, wenn uns das gelingt, dann wird der schwarze Vogel wissen, dass seine Zeit noch nicht gekommen ist und wird l├Ąchelnd an unserem Fenster vorbeifliegen.




Version vom 16. 08. 2008 13:19

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