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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Analyse
Eingestellt am 15. 05. 2005 04:09


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nachtfalter
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Auf dem Sofa

Die schon fett gefressenen K√§fer sitzen auf der Schreibtischkante und lauschen dem Ger√§usch der Graftispitze des Bleistiftes. Mia liegt auf dem Sofa und assoziiert, assoziirrt, monologisiert. Frau Ahavzi h√∂rt zu,vielleicht, kritzelt Strichmenschchen auf den Rezeptblock und setzt einem jeden abschlie√üend eine runde Winterhaube auf.Nat√ľrlich, so Mia, wu√üte ich, da√ü er, n√§mlich K. ein egoistischer, selbstbezogener Neurotiker gewesen ist.Wenn doch sein Vater nicht so grob zu ihm gewesen w√§re, so sadistisch, dann w√§ren seine Berichte zur Lage der Arbeiter in der Arbeiterunfallversicherung viel trockener ausgefallen, die Nachwelt h√§tte nichts zu bewundern gehabt un die Germanisten h√§tten sich ein anderes Bet√§tigungsfeld suchen m√ľssen zwecks Ausschlachterei, Interpretiererei. Aber bitte, K. war immerhin so korrekt, an diesen Mi√üst√§nden zu leiden. Das alles und sein melancholisches Naturell haben ihn inspiriert. Ich habe das ausbaden m√ľssen und bin in die Geschichte eingegangen als Geliebte von K. Ha, da√ü ich nicht lache!
Projektionsfl√§che bin ich gewesen. Inspirationsquelle. Aber auch ich habe eine Schw√§che f√ľr alles Schwache gehabt, meine soziale Ader hat er angezapft und die war bei mir als Frau, sie wissen ja...und r√ľckblendend muss ich sagen, es war sogar besser, da√ü er so war.

Zirka 100 Jahre fr√ľher, der menschliche Zeitbegriff ist ja irrelevant, bin ich eine Vorgabe oder wenn sie so wollen, Vorgabe gewesen, sagte Mona. Nachdem ich aufgestanden war an einem Sommertag im Juli 18.., nicht ohne die Kante der unterhalb von mir stehenden Glasvitrine als St√ľtze f√ľr meine H√§nde und Arme zu ben√ľtzen, da sp√ľrte ich die tats√§chliche Last meines K√∂rpers, ich hatte Angst, das Glas zu zerbrechen und das war mir peinlich, ich l√§chelte.
Anderseits: War ich nicht unverletztlich? Na unverletzlich doch wieder nicht, das Abbild eines Gesichtes, Mundes, Körpers, der mir doch keine Selbstverstänfdlichkeit mehr war und unvertraut, schließlich habe ich jahrhunderteg in keinen Spiegel geschaut. Ich bewohnte den seelenlosen Körper als Bild, zum Ewigsein bestimmt, ich, eine Gefangene in diesem Rahmen, ich richtete mich auf mit meinem konservierten Lächeln, es war doch gar nichts besonderes daran.
H√§ngen bleiben! befahl die Museumsw√§rterin, die wievielte war es schon? Ich f√ľgte mich, dachte nach und wartete, bis die S√§le abgesperrt werden w√ľrden. Das Licht verl√∂schte, eine Weile lauschte ich noch ins Dunkel. Vor dem Geba√§ude stand einer von diesen die Ringstra√üe s√§umenden B√§umen. Ich mochte ihn, er warf im Sommer gro√üe Schatten. Ich verfolgte die Bewegungen, Gesichtsausdr√ľcke der Besucher, die auf und ab schreitenden W√§rter, ich h√∂rte dieses Ah¬īs und Oh¬īs der Besucher, bis ich eines, n√§mlich meines Tages, denn das Museum befand sich zur zeit in einem Ger√ľstkorsett und die sich immer wieder einschaltenden Alarmklingeln nahm sowieso niemand mehr ernst, bis ich mich eines Nachts, die Situation ausn√ľtzend, von einem italienischen Kunstf√§lscher austauschen lie√ü. Man hat es √ľbrigens bis heute nicht bemerkt, da ich eine gute F√§lschung bin. Nun h√§nge ich in einer s√ľditaliensichen Villa in einem abgedunkelten Raum, den selten jemand betritt, wie langweilig ist das! ich k√∂nnte mich von einem Verr√ľckten zerst√∂ren lassen, bin aber bis jetzt keinem begegnet.

Unl√§ngst, so vor 30 jahren, machten Herta und ich einen Ausflug zum Fuschlsee. Zuerst unterhielten wir uns und dann begann Herta, mir aus einem alten Buch vorzulesen, davon ich aber, zumal es in lateinischer Sprache verfa√üt war, sowieso kein Wort verstand. Sie sagte: Ohne Latein gibt es keine fundierte Bildung. Ich schwieg, schaute zum wolkenlosen Himmel hinauf und er schaute zur√ľck.
Eine bestimmte Passage mu√üte sie pl√∂tzlich ver√§rgert haben, denn sie schleuderte nicht nur mit einer heftigen Handbewegung das Insekt von der betreffenden Seite des Buches, sondern das ganze Buch ins Wasser. Das Wasser klatschte eher leise, monoton in ein paar Wellen an die Breitseite des Bootes, worin wir gesessen waren, es schaukelte ein wenig, das Buch war sofort im Wasser versunken und auf dessen Oberfl√§che waren kleine Ringe zu sehen, die sich kr√§uselten. Das Wasser gl√§ttete sich rasch wieder. Der Himmel war immer noch blau. Sie nahm die Ruder in die Hand und dr√ľckte kr√§ftig. Wenn ich in die Pension zur√ľckkomme, werde ich ein anderes Buch lesen, dachte sie und das Radio aufdrehen, um die lokalen Nachrichten zu h√∂ren.Kein Mensch wird auf die idee kommen, da√ü ich hier gewesen bin und sie lachte leise, freute sich diebisch auf das n√§chste Buch. Mit raschen Schritten ging sie, nachdem sie das Boot vert√§ut und sich vergewissert hatte, da√ü ich als Nichtschimmerin in dem tiefen Wasser verschwunden war und hoffentlich dort unten blieb bei den Fischen.

Frau Ahavzi schaute auf die Uhr, lächelte freundlich und schrieb etwas mit kyrillischen Buchstaben auf den Rezeptblock. Nehmen sie eine Tablette nach dem Aufstehen und dann sehen wir weiter.
M.Sch.












































































































































































































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MargareteSch.

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