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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Anderswelt
Eingestellt am 17. 03. 2010 16:37


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Lena Luna
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2010

Werke: 29
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Du sitzt am Fenster, im Sessel mit den Ohrlehnen.
Ich durchquere den Raum, zeichne ein LĂ€cheln in mein Gesicht.
Alles schön hier, warme Farben und freundliche Bilder an der Wand.
Einige abstrakt und leuchtend bunt wie Kinderbilder, gemalt von Heimbewohnern.
GroßzĂŒgige, hohe Fenster, mit einem Garten dahinter.
Draußen sinkt die Sonne zerfließend in rotorange ihrem Bett entgegen.

Dein Blick streift mich, dann siehst du weg, zum Fenster hinaus.
Ich hocke mich neben dich, ergreife deine Hand und sage: „Hallo Mama.“

Deine Hand ist kalt und so knochig, alt und so beÀngstigend nah und fremd.
Auch siehst du so klein da aus, verloren in dem großen Sessel, ordentlich die weißen Haare gelegt, die Bluse babyzartblau und knitterlos, ein Kontrast zu deiner Haut.

Deine Hand zittert etwas in meiner, du ziehst du sie weg, schaust mich nicht an.
Die Pflegerin nickt aufmunternd.
Wozu?
Der Kaffe wird serviert.
Frau Weber rechts neben mir schĂŒttelt unaufhörlich mit dem Kopf und fĂŒhrt langsam die Tasse zum Mund.
Ich bin erstaunt, dass sie es schafft, daraus zu trinken.
Ich lĂ€chle wieder und sage: „Mama möchtest du auch einen Kaffee?“

Kleines tÀgliches Ritual
 gibt Haltestellen, an die man andocken kann, die nicht verunsichern, Angst machen, weil alles immer gleich ist.
Ich schenke dir Kaffe ein und Frau Eimer links neben dir krĂŒmelt den Keks in ihre Tasse.
Die Pflegerin zwinkert mir zu.

„ Wann komme ich nach Hause?“ fragst du
„Mama, das ist hier dein Zuhause „ sage ich und ich weiß, dass es eine LĂŒge ist.
Du schaust wieder weg von mir, zum Fenster hinaus, aus dem man nicht mehr schauen kann,
die Dunkelheit draußen wirft nur unsere Spiegelbilder zurĂŒck
Aber da bin ja ich, neben dir, so schaust du auf deine HĂ€nde.
Wieder deine HĂ€nde. Sie reden. Sie umschlingen sich, umkosen sich, dein Finger spielt mit dem Ring an der rechten Hand. Das ist der Ring von deiner Mutter, den liebst du.
Jetzt schaust du auf und sagst: " Ist der nicht schön,den darfst du nie weggeben."

( ich merke grade, dass dies besser in den Thread "Kuzprosa"
gepasst hÀtte)

Version vom 17. 03. 2010 16:37
Version vom 18. 03. 2010 15:28
Version vom 19. 03. 2010 10:45
Version vom 29. 03. 2010 07:55

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Wipfel
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Hallo LenaLuna,

quote:
Dein Blick streift mich, dann guckst schaust du weg, zum Fenster hinaus.

quote:
Deine Hand zittert etwas in meiner, dann du ziehst sie weg.
Du
, schaust mich nicht an.

quote:
die Dunkelheit draußen wirft nur unsere Spiegelbilder zu uns zurĂŒck

(Alles nur VorschlÀge)

GefÀllt mir gut, dein Werk!

GrĂŒĂŸe von wipfel


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Lena Luna
Manchmal gelesener Autor
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Hallo IDee,
danke, bis auf eine Korrektur hab ich es ĂŒbernommmen
LG
Lena

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Retep
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Registriert: Jun 2008

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Wow, der Text gefĂ€llt mir sehr gut, bildhaft dargestellt, ich konnte mich einfĂŒhlen und mitfĂŒhlen.

Habe mal ZustÀnde in Alten- und Pflegeheimen untersucht und kenne mich daher ein bisschen aus.

Die Frage der Mutter, wann sie wieder nach Hause gehen kann, berĂŒhrt mich sehr.

Habe mal einen Beitrag "Endstation" in diesem Forum zu diesem Thema geschrieben.

Gruß

Retep

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Lena Luna
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ja Retep,
ich habe in dem Text das Thema Altersheim, Demenz und auch Mutter/Tochter-Problematik verarbeitet. Der letzte Satz : " Den darfst du nicht weggeben" soll Interpretationsmöglichkeiten offen halten.Man könnte den Satz weiterfĂŒhren, zB:... ,so wie mich" oder : ...,wenn ich tot bin".
LG
Lena

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Also mir gefÀllt der Plot, obwohl (nach meinem Geschmack) mehr Biss reinkönnte (aber GeschmÀcker sind ja bekanntlich verschieden =) )

Mal ein paar VorschlĂ€ge - aber Vorsicht mit denen: So wĂŒrde es MIR besser gefallen. Bin mal auf weitere Ideen gespannt =)

quote:
Ich durchquere den Raum, zeichne ein LĂ€cheln in mein Gesicht.
Alles schön hier, warme Farben und freundliche Bilder an der Wand.
Einige abstrakt und leuchtend bunt wie Kinderbilder, gemalt von Heimbewohnern.
GroßzĂŒgige, hohe Fenster, mit einem Garten dahinter.


Speziell wĂŒrden mich hier Wortspiele wie "zeichne ein LĂ€cheln" oder "freundliche Bilder" stören. Die "GroßzĂŒgige, hohe Fenster, mit einem Garten dahinter"-Deutung vermutete ich zuerst in einem der Bilder.

Idee:
Ich durchquere den Raum, gehe auf die hohen Fenster mit Sicht in den Garten zu, lÀchle. Ist doch sehr schön hier. An den WÀnden warme Farben und bunte Kinderbilder, von Heimbewohnern gemalt.


quote:
Ich hocke mich neben dich, ergreife deine Hand und sage: „Hallo Mama.“

Vielleicht: Ich hocke mich neben dich, ergreife deine Hand:
"Hallo Mama."


quote:
Deine Hand ist kalt und so knochig, alt und so beÀngstigend nah und fremd.

Idee:
Deine Hand ist kalt und knochig. Alt, beÀngstigend nah und doch auf einmal fremd.

quote:
die Dunkelheit draußen wirft nur unsere Spiegelbilder zurĂŒck

DAS ist ein gutes Bild °!°

quote:
„Den darfst du nie weggeben.“

SO wĂŒrde ich das Ende auch belassen. Allerdings brĂ€uchte es m.M.n. noch einen winzigen Hinweis, dass die MUTTER das sagt.

Sehr gern gelesen. Ich hoffe, das eine oder andere ist brauchbar =)

LG, KaGeb

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