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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Angekommen
Eingestellt am 02. 04. 2002 23:43


Autor
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Amrit
Hobbydichter
Registriert: Apr 2002

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Er st├Âhnte innerlich auf. Nicht schon wieder. Er versuchte, in die andere Richtung zu schauen. Irgendeinen Fixpunkt finden. Festhalten und nicht nachgeben. Doch schon w├Ąhrend er eingehend das furchige Gesicht des alten Mannes am Fenster betrachtete, sich angewidert vorstellte, wie seine eigene Fratze fr├╝her oder sp├Ąter enden w├╝rde, sich fragte, woher all das aufgedunsene, schwammige Gewebe zwischen den Furchen im Alter herkam, wusste er genau, dass sein Plan so nicht funktionieren w├╝rde. Was anderes konnte er tun als dasitzen und abwarten? Warten, bis die Dinge ihren Lauf nahmen. Schon die Tatsache, dass er hier allein am Tresen dieser sch├Ąbigen Bar sa├č, war Grund genug, den billigen Whisky, den er mit einem energischen Zug runtergew├╝rgt hatte, wieder zu erbrechen. Kraftlos dr├╝ckte er seine letzte Zigarette aus. Die Bedienung sah nicht so aus, als ob sie schon wieder gest├Ârt werden wollte. Kleingeld f├╝r eine neue Packung fand sich gl├╝cklicherweise, nochmal wollte er auf keinen Fall mit ihr sprechen m├╝ssen. Schwerf├Ąllig erhob er sich und eierte in Richtung Toiletten. Gott wei├č, warum Zigarettenautomaten in sch├Ąbigen Bars immer zwischen Toilette und Kondomautomaten plaziert sein. Angestrengt fixierte er den Boden, aber es half alles nichts, sie hatte ihn doch schon lange ersp├Ąht. So zielstrebig, wie es eine ungute Menge an Whisky zul├Ąsst, schoss sie auf ihn zu und versperrte ihm den Weg. Vorsorglich vermied er es, ihr in das verlebte Gesicht zu sehen. Wollte nichts wissen von Augenringen, aufgeplatzten Adern, h├Ąngenden Lidern und anderen Anzeichen eines verlebten Lebens. Sie schaffte es nat├╝rlich nicht, rechtzeitig vor ihm anzuhalten. Mit dem anwehenden fauligen Leichengeruch ├╝berkam ihn gleichzeitig eine unerbittliche ├ťbelkeit. Diese Frau hatte definitiv schon vor langer Zeit den Sinn f├╝r sich selber verloren. ÔÇ×Du piss doch nich von hier, oder?ÔÇť, lallte sie mit absch├Ątzigem Blick. Er sp├╝rte, wie sich der schwerf├Ąllige Klo├č in seinem Hals regte. Indem er sich vorstellte, wie er dieser Schlampe ganz langsam mit einer Hand die Kehle zudr├╝ckte, so dass sich ihre grauen Augen deutlich aus ihrem h├Ąngenden Gesicht herausl├Âsten, schaffte er es, sie anzusehen. Ihr Lidschatten, oder das, was davon noch ├╝brig war, bildete traurige Kleckse auf ihrem Tr├Ąnens├Ącken. Er hatte gewusst, dass es so kommen w├╝rde. Sie wollte nur ein bisschen Zuwendung. Keine Liebe, daf├╝r war sie zu alt und zu leer. Liebe verlangte sie nicht. Nur ein paar St├Â├če der Zuwendung. Nicht auf die leidenschaftliche Art. Ihr reichte es schon, wenn sein Unterleib sie auf die mechanische Art erledigte. W├Ąhrend ihrer kurzen schweigsamen Zusammenkunft auf der Toilette war er in Gedanken ganz weit weg. Ein Teil von ihm l├Âste sich von seinem K├Ârper, der zielstrebig die faltige Haut ihrer Oberschenkel auf dem Waschbecken ausbreitete, und schwebte ├╝ber dem Zigarettenautomaten, weit ├╝ber der traurigen Szenerie, die sie beide boten. W├Ąhrend sein errigierter Penis (Woher kam das blo├č?) sich seinen Weg durch die Falten bahnte, spulte sich dort oben sein ganzes Leben ab. Er sah all seine M├Âglichkeiten, aber besonders die Unm├Âglichkeiten, alle verpassten, alle nicht genutzten Chancen, all das, was ihn nachts nicht schlafen lie├č, an ihm vorbeiziehen. Schlie├člich war er fertig, zog sich langsam den Hosenschlitz zu und wusch sich die H├Ąnde (es war nat├╝rlich keine Seife da). Die Bilder waren verschwunden, er war angekommen, fand sich vor dem Waschbecken dieser sch├Ąbigen Bar wieder. M├╝de betrachtete er sie. Im Hinausgehen drehte er sich ein letztes Mal um. Ihre grauen Augen stachen merkw├╝rdig starr aus ihrem h├Ąngenden Gesicht hervor. So, als w├╝ssten sie jetzt Bescheid. Ohne zu zahlen, verlie├č er die Bar. Das aufgew├╝hlte Geschrei der Bedienung ├╝berh├Ârte er. Er h├Ârte ├╝berhaupt nichts mehr. Er war jetzt da, er war angekommen.

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