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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Anglerlatein
Eingestellt am 25. 06. 2007 13:57


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Sta.tor
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Anglerlatein

Der Wetterbericht im Radio verk├╝ndete gerade den Monat Juli dieses Jahres zum hei├česten Monat aller Zeiten. Ein Blick aufs Thermometer best├Ątigte diese Meldung. Ich hatte gro├čes Gl├╝ck mit der Wahl meiner Urlaubswochen. Bei dieser Hitze auf der Baustelle ÔÇô unvorstellbar. Doch auch im eigenen Garten war es kaum auszuhalten, im Haus schon gar nicht. Der Rundpool, dessen Wasser in der himmelblaue Folie eigentlich zur k├╝hlen Erfrischung einladen sollte, hatte sich inzwischen auf 36 ┬░C aufgekocht und stellte keine Alternative mehr dar zu den (etwas) k├╝hleren Badeseen der Umgebung.
Seit Tage schon packte ich um die Mittagszeit meine Badesachen zusammen, schob die Luftmatratze in den Kofferraum und fuhr an den See. Ich schwamm erst ein paar Z├╝ge durch die angenehm k├╝hlende Flut, dann schwang ich mich auf die Luftmatratze, schipperte mit ihr auf die Seenmitte, streckte mich lang aus, schloss die Augen und ├╝berlie├č mich Wind, Wellen und meinen Gedanken....

Was wei├č der einfache Durchschnittsb├╝rger schon vom Leben unter der Wasseroberfl├Ąche unserer Badeseen? Wir lassen uns entspannt auf unserer Luftmatratze von den Wellen treiben, denken uns: `Was f├╝r ein himmlischer Frieden!`, dabei tobt direkt unter uns ein grausames Gemetzel zwischen Raubfischen und ihrer schillernden Beute. Die Gejagten leiden unendliche Qualen und winden sich in Schmerzen um letztendlich einen grausamen Tod zu finden.
Uns bleiben diese Eindr├╝cke jedoch verborgen. Es k├╝mmert uns auch gar nicht, handelt es sich schlie├člich nicht um unseren Lebensraum und au├čerdem sind die Fische in der Reihe der verwandten Arten uns noch un├Ąhnlicher als beispielsweise ein Meerschweinchen.
Das soll nat├╝rlich nicht hei├čen, dass uns die Fische nun v├Âllig egal sind; nein, bei weitem sind sie das nicht. Bei manchen unserer Mitb├╝rger rufen sie sogar so etwas wie ein Suchtverhalten hervor, das je nach charakterlicher Veranlagung mehr oder weniger ausgepr├Ągt zu Tage tritt. Die Rede ist von unseren ÔÇ×AngelsportlernÔÇť.
Was f├╝r einen Ruf muss diese Spezies unter den Fischen haben? Massenm├Ârder, Triebt├Ąter, Kindersch├Ąnder oder Lustmolch sind wohl noch verharmlosende Worte f├╝r das, was ein Fisch f├╝r den Angler empfindet. F├╝r jenen Perversling, der z.B. einer kleinen Fischfamilie den j├╝ngsten Sohn wegf├Ąngt, ihn brutal vom Haken zerrt, betrachtet, als zu klein einstuft, zerteilt und schlie├člich den fassungslosen Eltern als K├Âder zuwirft. Oder der Spa├čangler, der sich bewusst vor Fischgerichten ekelt und nur aus Lust am Morden angelt.
Doch auch von harmlosen Badeg├Ąsten droht den Fischen Gefahr. Badestr├Ąnde vernichten den Schilfg├╝rtel, der einst den See komplett umschloss. Er ist die Kinderstube der meisten Fischarten. Verirren sich nun die Jungfische bei ihrem sorglosen Spiel in die N├Ąhe der Str├Ąnde, werden sie von Menschenkindern gnadenlos gejagt. In panikartigen Fluchtman├Âvern verlieren die noch sehr jungen und unerfahrenen Tiere den Kontakt zur Gruppe, verwaisen im Extremfall und sterben. Doch auch die ├ťberlebenden zeigen sich derartigen Stresssituationen nicht gewachsen und bilden schon in jungen Jahren Verhaltensauff├Ąlligkeiten heraus, die sie in tiefe Depression f├╝hren kann. Kommt es zu wiederholten negativen Erfahrungen mit menschlichen Eingriffen in ihren Lebensraum, kann diese erworbene Depression allerdings auch schon mal in Aggression umschlagen.
Aggressive Fische wiederum, sind eine nicht zu untersch├Ątzende Bedrohung f├╝r unsereiner, der sich auf seiner Luftmatratze dem Spiel der Wellen aussetzt.
Durch die wochenlange Hitze waren die Fische in den oberen Wasserregionen inzwischen halb gel├Ąhmt, Aale lie├čen sich beinahe mit der blo├čen Hand fangen, doch in der Tiefe haben die Sonnenstrahlen nichts bewirken k├Ânnen. Dort ist der See kalt und das Leben aktiv wie eh und je...

Mich beschlich ein ungutes Gef├╝hl. Zum ersten Mal hatte ich mir Gedanken ├╝ber das gemacht, was dort gerade unter mir seine Kreise zog. Ob das freundlich oder feindlich gesinnt sein k├Ânnte. Ich versuchte mich zu beruhigen, indem ich mir sagte, dass die M├Âglichkeit in Brandenburger Seen auf menschenfressende Fischmonster zu treffen gleich Null ist.
Jedenfalls ist kein derartiger Fall bekannt geworden, auch wenn man immer mal wieder von meterlangen Unterwasserriesen geh├Ârt hat, denen Fischer jahrelang erfolglos hinterher jagten. Anglerlatein!
Im selben Moment versp├╝rte ich ein leichtes Schaukeln meiner Luftmatratze. Ich ├Âffnete blitzschnell die Augen und sah noch wie sich kreisf├Ârmige Wellen von meiner Miniinsel entfernten. Sonst war alles still. Dann ÔÇô ein Blubbern gleich neben mir. Luftblasen, gro├č wie Tennisb├Ąlle stiegen aus dem Wasser auf, zerplatzten an der Oberfl├Ąche und gaben dabei kleine Rauchw├Âlkchen frei. Wo kommt das her, was d├╝nstet so was aus, fragte ich mich nerv├Âs werdend. Im n├Ąchsten Augenblick schob sich ein gewaltiges Fischmaul aus dem Wasser, so gro├č, das es glatt in der Lage gewesen w├Ąre mich und meine Luftmatratze gleichzeitig als Sandwich zu verspeisen.
Mein Herz stand kurz still, um dann wieder einzusetzen und mit der Intensit├Ąt einer double-bass-drum gegen meinen Brustkorb zu h├Ąmmern. Der Kopf des Fisches hob sich bis zu den Kiemen├Âffnungen ├╝ber die Wasseroberfl├Ąche und ein eiskaltes Fischauge blickte mich herablassend an. Ich erwartete jeden Augenblick den finalen Angriff und suchte fieberhaft nach einer Fluchtm├Âglichkeit, wobei ich mich krampfhaft an das Matratzengewebe klammerte.
Der Riesenfisch verharrte v├Âllig still und musterte mich weiterhin ein├Ąugig. Vor Angst schon halb ohnm├Ąchtig fing ich an auf ihn einzureden. Erz├Ąhlte ihm, dass ich ein Freund und Besch├╝tzer der Fische und gro├čer Feind der Angler bin. Das ich kein Aquarium besitze und immer ordentlich den M├╝ll trenne.
Es beeindruckte ihn nicht. Dann schaute ich ihn mir genauer an. Der Fisch musste schon viele Jahre auf den Schuppen haben. Sein Kopf war von tiefen Schrammen ├╝berzogen, so dass man sich den l├Ądierten, unsichtbaren Rest des geschundenen K├Ârpers gut vorstellen konnte.
Pl├Âtzlich bewegte er sich. Er kam auf mich zugeschwommen und ich sah meinem Schicksal starr vor Schreck entgegen. Ich war inzwischen so weit an den Rand meines k├╝nstlichen Eilands gerutscht. das ich ins Wasser zu fallen drohte. Dann, etwa zwei Luftmatratzenl├Ąngen von mir entfernt, hielt er an und riss sein riesiges Maul auf. Im selben Moment kniff ich die Augen zu und erwartete den schnellen Tod.
Ich sah keinen Tunnel und kein herrlich wei├čes Licht am Ende, auch mein Leben zog nicht im Sekundentakt an mir vorbei ÔÇô kurz - es passierte ├╝berhaupt nichts. Langsam ├Âffnete ich die Augenlieder einen Spalt und verschloss sie gleich darauf wieder um so heftiger. Das Fischmaul mit dem t├Âdlichen schwarzen Schlund befand sich praktisch kurz vor meiner Nase und jetzt nahm ich auch bestialisch stinkenden, faulig-modernden Mundgeruch, den er verstr├Âmte, wahr.
Trotzdem, viel mehr tat sich nicht. Ich unternahm einen zweiten Versuch die Augen zu ├Âffnen. Etwas helles blendete mich kurz, etwas wie ein Spiegel, der die Sonne reflektiert. Ich zuckte kurz vor Schreck, doch dann ├Âffnete ich die Augen v├Âllig und dann immer weiter, bis ich Stielaugen bekam von dem was sich mir darbot.
Die dicken Lippen des Fischmonsters waren ├╝ber und ├╝ber mit Angelhaken, Blinkern und sonstigen Goldfarbenen Angleraccessoires best├╝ckt. Eine wahre Pircinglandschaft tat sich kurz vor meinem Gesicht auf. Und das Kurioseste: in dem aufgerissenen Maul spannte sich zwischen den Lippen ein gewaltiges Netz aus Angelsehnen verschiedenster Farben und St├Ąrken. Also, der konnte sich offensichtlich schon l├Ąngere Zeit nur noch von Kleinstlebewesen oder Algen ern├Ąhrt haben, wobei er allerdings der einzige Netzf├Ąnger unter den Fischen sein d├╝rfte.
Die Angst verflog. Ich ber├╝hrte seine Unterlippe und schob mich ein St├╝ck zur Seite um ihm ins Auge sehen zu k├Ânnen und sprach ihn an. Ich bedauerte seine Verletzungen, gab ihm aber zu verstehen, dass ich ihm leider nicht helfen k├Ânne, da ich ohne entsprechendem Werkzeug nichts ausrichten k├Ânne. Wenn er mich aber ans Ufer zur├╝ck lassen w├╝rde, k├Ânnte ich aus meinen Auto das Ben├Âtigte holen und ihn von seinem Ungemach befreien.
Sagte ich. Meinte ich aber nicht wirklich. Ohne diese unnat├╝rliche Schlundsperre w├╝rde ich mich ihm nicht gegen├╝berstellen wollen. Ich wollte nur weg.
Wie ein Schaufelraddampfer auf Speed ruderte ich meine Luftmatratze an das Ufer zur├╝ck. Zwischendurch drehte ich mich einmal kurz um und sah aber nichts weiter als die alte Boje friedlich auf den Wellen wippen, die die beliebte Untiefe auf der Seenmitte kennzeichnet.
Nachdem ich mich umgezogen und mein Badezeugs verstaut hatte fuhr ich nach hause. Die Geschichte ging mir nat├╝rlich nicht aus dem Kopf und zwei Fragen qu├Ąlen mich eigentlich noch bis heute.
War ich auf dem See eingeschlafen und hatte alles nur getr├Ąumt, oder
haben die Angler ihrem gr├Â├čten Feind das Leben gerettet?

__________________
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Ohrensch├╝tzer
???
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Hallo Thomas,

ich schreib mal als erstes , was mir sozusagen "technisch" dazu einf├Ąllt.

erster Satz: "verk├╝ndet zum" gibt's glaub ich nicht; zu meintest "erkl├Ąrt zum" (vollmundig vielleicht).

"unvorstellbar": Da w├╝rde ich erg├Ąnzen "zu arbeiten".

"himmelblauen Folie" - n hinzuf├╝gen.

"auf 36 ┬░C aufgekocht" - ein bisschen ├╝bertrieben, kochen tut's mit 100 Grad, vielleicht w├Ąre "erhitzt" besser (es sei denn, Du willst hier mit der Wortwahl ├╝bertreiben).

"Seit Tagen schon" - n hinzuf├╝gen.

"auf die Seenmitte" - besser: "zur Seenmitte"

"winden sich in Schmerzen, um" - Beistrich einf├╝gen.

"ein Meerschweinchen" - besser: "die Meerschweinchen", weil Du unmittelbar zuvor von den Fischen (also Mehrzahl) schreibst.

"Aggressive Fische wiederum sind eine nicht" - kein Beistrich.

"Durch die wochenlange Hitze waren die Fische in den oberen Wasserregionen inzwischen halb gel├Ąhmt, Aale lie├čen sich beinahe mit der blo├čen Hand fangen, doch in der Tiefe haben die Sonnenstrahlen nichts bewirken k├Ânnen. Dort ist der See kalt und das Leben aktiv wie eh und je..."
Achtung auf die Zeiten: Gegenwart, Mitvergangenheit und Vergangenheit treten hier vermischt auf.

"dass die M├Âglichkeit, in Brandenburger Seen auf menschenfressende Fischmonster zu treffen, gleich Null ist."
Zwei Mal Beistrich.

"Dass ich kein Aquarium besitze" - Doppel-S.

"- kurz, es passierte ├╝berhaupt nichts" - besser einen Beistrich als noch einen Bindestrich.

"Augenlider" - kurzes i.

"bis ich Stielaugen bekam, von dem, was sich mir darbot." - zwei Mal Beistrich. K├Ânnte man auch noch umformulieren, gef├Ąllt mir stilistisch nicht besonders.

"Piercinglandschaft" - langes i.

"Zwischendurch drehte ich mich einmal kurz um, sah aber nichts weiter" - ersetz das "und" durch einen Beistrich (Du hast ein "aber", das muss reichen).

"nach Hause" - schreibt man glaube ich gro├č.

Die Formulierungen finde ich zT recht originell, manchmal aber noch ein wenig pr├Ązise. Es klingt zwischendurch wie ein Live-Mitschnitt eines Gespr├Ąchs von Freund zu Freund (mit entsprechenden Haken).

Den Schluss verstehe ich noch nicht ganz. Warum sollten "die Angler ihrem gr├Â├čten Feind das Leben gerettet" haben? Er k├Ânnte einfach wieder untergetaucht sein, oder an Unterern├Ąhrung gestorben sein, oder?

Ich hoffe, Du kannst mit meinem Beitrag etwas anfangen. Beste Gr├╝├če
__________________
Der Ohrensch├╝tzer

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Sta.tor
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Hallo OS

Ja, ich habs bef├╝rchtet, die Geschichte ist unreif, genau wie ich es noch war, als ich sie schrieb vor etlichen Jahren. Allerdings war ich, als ich sie letztens durch Zufall wieder rauskramte, doch irgendwie von ihrer Originellit├Ąt angetan (es handelt sich dabei ├╝brigens um ein Penta...eine Penti... - um eine Geschichte in f├╝nf Episoden die alle auf dem See spielen).
Ein Fehler war, sie eins zu eins zu ├╝bernehmen. Werde mich noch mal dransetzen, rumfeilen und vielleicht kommt ja doch noch was brauchbares dabei heraus.
Zum Schluss noch aufkl├Ąrend: der Prot. bezeichnet sich selbst als gr├Â├čten Feind der Angler (was wahrscheinlich noch mehr herauszustellen w├Ąre). Die Piercings und Verhedderungen mit der Angelsehne haben dem Fisch ├╝ber viele Jahre die Angler verpasst, denen er sich zwar widersetzen konnte, doch blieben besagte Erinnerungsst├╝cke in ihm stecken und verwehrten ihm mit der Zeit die Aufnahme gr├Â├čerer Nahrungsbrocken.
Insofern h├Ątten ihm (dem Prot.) die Angler das Leben gerettet. (...und das sollte eigentlich die Pointe sein )

Trotzdem vielen Dank f├╝r Dein Interesse

Thomas
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Ohrensch├╝tzer
???
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Ah, so ist das. Danke f├╝r die Aufkl├Ąrung der Schluss-"Pointe". Eine Pentalogie, gibt's sowas? Trilogie, Tetralogie, Biologie... *g*

Viel Spa├č beim Basteln. Die Geschichte hat schon was. Bleib dran. Beste Gr├╝├če,
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Der Ohrensch├╝tzer

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Zeder
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Hi Stator,

magst du an deinem Text noch ein wenig "basteln"?

Gr├╝├če von Zeder

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