Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92261
Momentan online:
400 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Angst
Eingestellt am 22. 07. 2002 08:43


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Angst

Ich habe keine Angst. Ich hatte noch nie Angst. Ich h√∂re heute noch meine Mutter verzweifelt fragen: „Hast du denn keine Angst, mein Junge?“
Heute weiß ich, daß Angst eine der Triebfedern der Menschheit ist. Ohne Angst gäbe es keinen Fortschritt. Sie brachte seinerzeit die Menschen dazu, sich Häuser zu bauen Рdie Angst vor Kälte. Sie brachte die Menschen dazu, ihre Waffen weiter zu entwickeln Рdie Angst vor Feinden.
In dem Film „Das Wirtshaus im Spessart“ sagt der R√§uberhauptmann zu einem Geistlichen: „Ich drohe mit Aufh√§ngen und Sie drohen mit Fegefeuer. Wenn es nicht g√§be Angst auf der Welt, wir beide w√§ren arbeitslos.“ Und in der Serie „Raumschiff Enterprise“ ist sogar eine ganze Folge einem Gesch√∂pf gewidmet, das von der Angst anderer lebt!
Ich liebe die Angst. Es ist wissenschaftlich erwiesen, da√ü man am meisten das liebt, was man nicht hat. Zum erstenmal versp√ľrte ich meine Neigung, als ich einer brennenden Kerze zu nahe kam und meine Mutter rief: „Pa√ü auf, Junge!“ Wie die Angst ihre Stimme zittern lie√ü!
Von nun an spielte ich gern mit scharfen Gegenständen. Mutters Nähkästchen und Vaters Werkzeugschrank boten mir da allerhand. Nachdem beides sorgfältig vor mir verschlossen wurde, entdeckte ich das Eßbesteck. Aber das war nicht so ergiebig. Bald kannte ich die Schreie meiner Mutter in- und auswendig. Ich bekam Lust auf neue, andere Erlebnisse.
Ich √ľbte mich darin, effektvoll aus einem Busch zu springen, wenn gerade alte Leute oder kleine Kinder daran vorbei wollten. Bei allen anderen Altersgruppen hatte ich bestenfalls den Erfolg, da√ü mir Schl√§ge drohten. Die wollte ich nat√ľrlich nicht bekommen. Nicht, da√ü ich etwa Angst davor gehabt h√§tte, nein, ich empfand das als v√∂llig √ľberfl√ľssige Reaktion.
Als ich in die Teeny-Jahre kam, gen√ľgte es mir nicht mehr, hinter einem Busch zu warten, ob jemand vorbei k√§me. Ich gew√∂hnte mir an, ein Feuerzeug bei mir zu tragen. Das lie√ü ich in geeignetem Moment mit langer Flamme – m√∂glichst dicht vor einem Gesicht – aufflammen. Herrlich, das Gekreische!

Nach Abschlu√ü der Schulzeit bekam ich keine Lehrstelle und hatte viel Zeit, mich in Rhetorik zu √ľben. Es dauerte nicht lange, und allein meine Worte erzeugten die von mir so geliebte Angst bei meinem Gegen√ľber.

Zuhause war ich der brave Sohn, den die Mutter mit allem M√∂glichen beauftragen konnte. Putzen, einkaufen, kochen, waschen – alles kein Problem. Sie ging zur Arbeit, ich schmi√ü den Haushalt. Abends ging ich aus. Dazu brauchte ich lobenswerterweise keinen Pfennig. Ich suchte mir einen Menschen aus – meist junge Frauen, manchmal auch einen Halbw√ľchsigen – und spielte mein Spiel mit ihnen. Es ist unglaublich, wovor junge Frauen Angst haben k√∂nnen, wenn man auf ihnen kniet! Die geringste Bewegung kann schon einen Schrei hervorlocken! Wie s√ľ√ü klangen diese Schreie in meinen Ohren! Ja, s√ľ√ü, aber nicht so, wie Sie jetzt vielleicht denken, ich bin doch nicht pervers!

Vor kurzem wurde mein Vater arbeitslos. Er war den ganzen Tag zu Hause. Ich hatte keine Ruhe mehr f√ľr die Arbeiten, f√ľr die ich von Mutter so gelobt wurde. Er meckerte den ganzen Tag herum, weil wir kein gemeinsames Gespr√§chsthema hatten und ich kein Kartenspiel oder sonst eines beherrsche. Ich beherrsche nur mein Spiel. Als es mir mit ihm zu bunt wurde, musste er eben dran glauben. Wunderbarerweise war Mutti dieses Wochenende verreist. Zweieinhalb Tage lang konnte ich mit meinem Vater spielen! Das war echt der H√∂hepunkt in meinem ganzen Leben. Sein St√∂hnen, sein Betteln werde ich nie vergessen, nie! Bisher hatte ich niemanden ernstlich verletzt, immer nur n paar Kratzer auf der Haut hinterlassen, aber jetzt schnitt ich tiefer und immer tiefer, bis er am Montagmorgen nicht mehr atmete.
Sie haben ja recht, soweit hätte ich nicht gehen sollen. Ich bereue es, schon, weil Mutti so geweint hat. Darf ich jetzt gehen? Nein? Hm, wie ich sehe, haben Sie einen weißen Kittel an, das bedeutet Krankenhaus. Na warten Sie mal ab, wenn ich erst die chirurgischen Instrumente in der Hand habe . . .

__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


herb
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 32
Kommentare: 261
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um herb eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo flammarion,

im ersten teil deiner geschichte nahm ich an, es handle sich um eine kleine wissenschaftliche abhandlung √ľber "angst" und unterdr√ľckte schon das g√§hnen. auf einmal bekam ich mit, was dieser mann anstellt, mich packte das grausen, ganz sch√∂n √ľberraschend und gekonnt hast du das hingekriegt, jedenfalls bei so einem harmlosen und naiven leser wie mich, danke, man lernt doch nie aus
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kästner

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hm,

vielen dank. lieber herb - oder hab ichs mit ner frau zu tun? - herb klingt so herb, wie man sich n m√§nnernamen vorstellt. ja, ich wollte mal versuchen, die leute nicht zum lachen, sondern zum gruseln zu bewegen. freut mich, da√ü es bei dir geklappt hat. ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


herb
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 32
Kommentare: 261
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um herb eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo oldicke,

guck in mein profil, der mann auf dem bild bin ich, lach
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kästner

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
eh,

gut siehste aus! na, nu wei√ü ich, mit wem ichs zu tun habe. ich hatte mir angew√∂hnt, in kein profil zu gucken, weil das immer so lange gedauert hat, ehe es sich aufbaute. mein neuer rechner ist schneller, jetzt wei√ü ichs! nu werd ich mir auch n paar andere pappenheimer ansehen. danke f√ľr den ansto√ü. lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


otto otter
???
Registriert: Aug 2002

Werke: 34
Kommentare: 388
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um otto otter eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Angst ist irrational. Wenn jemand ein Haus baut, um sich gegen K√§lte zu sch√ľtzen, handelt er vern√ľnftig. Er hat keine Angst, sondern Bef√ľrchtungen.

Ich sehe dich eher als verl√§ngerter Kinderschreck denn als Angstmacher. Erfahrungsgem√§ss verschwinden solche Bed√ľrfnisse mit zunehmendem Alter. Meines Erachtens liegen keine Perversionen, sondern sp√§tpubert√§re Besonderheiten vor.
__________________
rem tene, verba sequentur

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!