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Leselupe.de > Horror und Psycho
Angst
Eingestellt am 22. 07. 2002 08:43


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flammarion
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Angst

Ich habe keine Angst. Ich hatte noch nie Angst. Ich h├Âre heute noch meine Mutter verzweifelt fragen: „Hast du denn keine Angst, mein Junge?“
Heute wei├č ich, da├č Angst eine der Triebfedern der Menschheit ist. Ohne Angst g├Ąbe es keinen Fortschritt. Sie brachte seinerzeit die Menschen dazu, sich H├Ąuser zu bauen – die Angst vor K├Ąlte. Sie brachte die Menschen dazu, ihre Waffen weiter zu entwickeln – die Angst vor Feinden.
In dem Film „Das Wirtshaus im Spessart“ sagt der R├Ąuberhauptmann zu einem Geistlichen: „Ich drohe mit Aufh├Ąngen und Sie drohen mit Fegefeuer. Wenn es nicht g├Ąbe Angst auf der Welt, wir beide w├Ąren arbeitslos.“ Und in der Serie „Raumschiff Enterprise“ ist sogar eine ganze Folge einem Gesch├Âpf gewidmet, das von der Angst anderer lebt!
Ich liebe die Angst. Es ist wissenschaftlich erwiesen, da├č man am meisten das liebt, was man nicht hat. Zum erstenmal versp├╝rte ich meine Neigung, als ich einer brennenden Kerze zu nahe kam und meine Mutter rief: „Pa├č auf, Junge!“ Wie die Angst ihre Stimme zittern lie├č!
Von nun an spielte ich gern mit scharfen Gegenst├Ąnden. Mutters N├Ąhk├Ąstchen und Vaters Werkzeugschrank boten mir da allerhand. Nachdem beides sorgf├Ąltig vor mir verschlossen wurde, entdeckte ich das E├čbesteck. Aber das war nicht so ergiebig. Bald kannte ich die Schreie meiner Mutter in- und auswendig. Ich bekam Lust auf neue, andere Erlebnisse.
Ich ├╝bte mich darin, effektvoll aus einem Busch zu springen, wenn gerade alte Leute oder kleine Kinder daran vorbei wollten. Bei allen anderen Altersgruppen hatte ich bestenfalls den Erfolg, da├č mir Schl├Ąge drohten. Die wollte ich nat├╝rlich nicht bekommen. Nicht, da├č ich etwa Angst davor gehabt h├Ątte, nein, ich empfand das als v├Âllig ├╝berfl├╝ssige Reaktion.
Als ich in die Teeny-Jahre kam, gen├╝gte es mir nicht mehr, hinter einem Busch zu warten, ob jemand vorbei k├Ąme. Ich gew├Âhnte mir an, ein Feuerzeug bei mir zu tragen. Das lie├č ich in geeignetem Moment mit langer Flamme – m├Âglichst dicht vor einem Gesicht – aufflammen. Herrlich, das Gekreische!

Nach Abschlu├č der Schulzeit bekam ich keine Lehrstelle und hatte viel Zeit, mich in Rhetorik zu ├╝ben. Es dauerte nicht lange, und allein meine Worte erzeugten die von mir so geliebte Angst bei meinem Gegen├╝ber.

Zuhause war ich der brave Sohn, den die Mutter mit allem M├Âglichen beauftragen konnte. Putzen, einkaufen, kochen, waschen – alles kein Problem. Sie ging zur Arbeit, ich schmi├č den Haushalt. Abends ging ich aus. Dazu brauchte ich lobenswerterweise keinen Pfennig. Ich suchte mir einen Menschen aus – meist junge Frauen, manchmal auch einen Halbw├╝chsigen – und spielte mein Spiel mit ihnen. Es ist unglaublich, wovor junge Frauen Angst haben k├Ânnen, wenn man auf ihnen kniet! Die geringste Bewegung kann schon einen Schrei hervorlocken! Wie s├╝├č klangen diese Schreie in meinen Ohren! Ja, s├╝├č, aber nicht so, wie Sie jetzt vielleicht denken, ich bin doch nicht pervers!

Vor kurzem wurde mein Vater arbeitslos. Er war den ganzen Tag zu Hause. Ich hatte keine Ruhe mehr f├╝r die Arbeiten, f├╝r die ich von Mutter so gelobt wurde. Er meckerte den ganzen Tag herum, weil wir kein gemeinsames Gespr├Ąchsthema hatten und ich kein Kartenspiel oder sonst eines beherrsche. Ich beherrsche nur mein Spiel. Als es mir mit ihm zu bunt wurde, musste er eben dran glauben. Wunderbarerweise war Mutti dieses Wochenende verreist. Zweieinhalb Tage lang konnte ich mit meinem Vater spielen! Das war echt der H├Âhepunkt in meinem ganzen Leben. Sein St├Âhnen, sein Betteln werde ich nie vergessen, nie! Bisher hatte ich niemanden ernstlich verletzt, immer nur n paar Kratzer auf der Haut hinterlassen, aber jetzt schnitt ich tiefer und immer tiefer, bis er am Montagmorgen nicht mehr atmete.
Sie haben ja recht, soweit h├Ątte ich nicht gehen sollen. Ich bereue es, schon, weil Mutti so geweint hat. Darf ich jetzt gehen? Nein? Hm, wie ich sehe, haben Sie einen wei├čen Kittel an, das bedeutet Krankenhaus. Na warten Sie mal ab, wenn ich erst die chirurgischen Instrumente in der Hand habe . . .

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Old Icke

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herb
???
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hallo flammarion,

im ersten teil deiner geschichte nahm ich an, es handle sich um eine kleine wissenschaftliche abhandlung ├╝ber "angst" und unterdr├╝ckte schon das g├Ąhnen. auf einmal bekam ich mit, was dieser mann anstellt, mich packte das grausen, ganz sch├Ân ├╝berraschend und gekonnt hast du das hingekriegt, jedenfalls bei so einem harmlosen und naiven leser wie mich, danke, man lernt doch nie aus
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hier Es gibt nichts Gutes, au├čer man tut es. K├Ąstner

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flammarion
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hm,

vielen dank. lieber herb - oder hab ichs mit ner frau zu tun? - herb klingt so herb, wie man sich n m├Ąnnernamen vorstellt. ja, ich wollte mal versuchen, die leute nicht zum lachen, sondern zum gruseln zu bewegen. freut mich, da├č es bei dir geklappt hat. ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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herb
???
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hallo oldicke,

guck in mein profil, der mann auf dem bild bin ich, lach
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flammarion
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eh,

gut siehste aus! na, nu wei├č ich, mit wem ichs zu tun habe. ich hatte mir angew├Âhnt, in kein profil zu gucken, weil das immer so lange gedauert hat, ehe es sich aufbaute. mein neuer rechner ist schneller, jetzt wei├č ichs! nu werd ich mir auch n paar andere pappenheimer ansehen. danke f├╝r den ansto├č. lg
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Old Icke

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otto otter
???
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Angst ist irrational. Wenn jemand ein Haus baut, um sich gegen K├Ąlte zu sch├╝tzen, handelt er vern├╝nftig. Er hat keine Angst, sondern Bef├╝rchtungen.

Ich sehe dich eher als verl├Ąngerter Kinderschreck denn als Angstmacher. Erfahrungsgem├Ąss verschwinden solche Bed├╝rfnisse mit zunehmendem Alter. Meines Erachtens liegen keine Perversionen, sondern sp├Ątpubert├Ąre Besonderheiten vor.
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rem tene, verba sequentur

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