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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Anita
Eingestellt am 18. 02. 2011 18:16


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IDee
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2009

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Anita

Wie erstarrt sa├č sie vor dem Bildschirm. Sie konnte es nicht glauben, daher sah sie noch einmal hin, genauer. Das ist nicht m├Âglich, dachte sie und h├Ątte es nicht darunter gestanden w├Ąre sie noch immer nicht davon ├╝berzeugt gewesen. Das, was sie dort sah, war die Wahrheit, die Gegenwart.
Ihr Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen, sie sah noch einmal hin und konnte ein schallendes Lachen nicht mehr unterdr├╝cken.
Sie hatte es vergessen, in all den Jahren.
Wie war das damals?
Ich war jung, so jung, dass zwei Jahre unterschied schon eine Ewigkeit bedeuteten, aber reif genug um dein Treiben zu durchschauen.

Anita! Wahrscheinlich war dieser Name gerade in Mode, als du geboren wurdest. Mit Sicherheit haben deine Eltern nicht ├╝ber die Bedeutung nachgedacht, Gottes Gnade.
Vielleicht besitzt diese Welt viele Anitas, wenn auch nicht mit deinem Namen.

Ja du hattest diese Art, die Art mit der du dich immer in den Mittelpunkt stelltest. Schon in der Schule, nicht das Du die kl├╝gste warst, nein das nicht, aber du hattest die Eigenschaft es so aus-sehen zu lassen. Immer warst du umringt von anderen Sch├╝lern, auch Sch├╝lerinnen. Sie klebten f├Ârmlich an deinen Lippen, als w├╝rdest du das Heil verk├╝nden. Das war ganz sicher nicht der Fall. Kein Zweifel, du warst h├╝bsch, nur es gab auch andere sch├Âne M├Ądchen.
Auf seltsame Weise zogst du sie in deinen Bann. Sie merkten nicht einmal das Du sie nur benutzt hast. Sie feierten dich als Partyqueen, sogar als G├Âttin.
Die die dich nicht verehrten, sei es, weil sie andere Interessen hatten, sei es das Sie einfach einen anderen Geschmack hatten, straftest du mit Missachtung. Naser├╝mpfend hast du schlecht ├╝ber jene geredet, ohne sie ├╝berhaupt zu kennen.

Alle T├╝ren standen dir offen, du hast sie hinter dir zugeschlagen. Die Welt lag dir zu F├╝├čen, du hast sie genau damit getreten. Du hast dir genommen, was du wolltest, wenn es dir nur von Nutzen war.
Du hast auch meinen Freund genommen, ihn beansprucht, solange er dir einen Vorteil verschaffte.
Nein ich war nicht eifers├╝chtig, damals. Eher glaubte ich, ich sei nicht gut genug, nicht attraktiv genug, dass ich zu wenig Sex-Appeal habe. Ja, ich habe geweint, viele N├Ąchte lang.
Die Scherben die zur├╝ckblieben habe ich zusammengekehrt, dass habe ich nie bereut. Denn wer durch deine H├Âlle gegangen war, wurde gl├╝cklich in meinem Himmel.
Ich sah die Tr├Ąnen, die gebrochenen Herzen, die Verw├╝stung und den Hass, den du hinterlassen hast. Es hat dich nicht gek├╝mmert. Du hattest nur einen Blick f├╝r dich.
Erleichterung kam in mir auf, als du endg├╝ltig aus meinem Gesichtsfeld verschwunden warst.
Ab und zu h├Ârte ich noch von dir, dann verebbte auch das.

Wieder sah sie auf den Bildschirm, wieder musste sie grinsen. Ein seltsames Gef├╝hl beschlich sie.
Das Gef├╝hl der Genugtuung.
Alles r├Ącht sich auf Erden, dachte sie.
ÔÇ×Sieh dich an, Anita! Was ist aus dir geworden? Aus dem einstigen Star! Der viel umjubelten, der Betr├╝gerin, der Buhle, der Verr├Ąterin!ÔÇť, sagte sie laut vor sich hin.
Ein Wort schoss ihr durch den Kopf.
Nein, das ist kein Wort aus meinem Wortschatz. Ein solches benutze ich nicht und dennoch es passt, dachte sie wieder. Noch einmal geisterte das ├╝ble Wort, Prollfresse, durch ihr Gehirn, bevor es wieder verschwand.

ÔÇ×Sieh dich an Anita! Dein Gesicht ist voller Falten, obwohl es aufgedunsen ist, eben nur noch eine Fratze. Deine Haut ist grau, die Haare struppig.
Von deiner aufregenden Figur ist nichts mehr zu sehen. Nein, krank bist du nicht, einfach nur ver-lebt, verbraucht. Da sieht meine achtzigj├Ąhrige Mutter ja besser aus!ÔÇť, sagte sie wieder laut vor sich hin.

Sie stand auf, trat vor den gro├čen Spiegel und drehte sich hin und her. Sie begutachtete sich von allen Seiten.
ÔÇ×Ja so ├Ąndern sich die Zeiten. Heute sehe ich besser aus als du! Nicht das mir das wichtig ist. Trotzdem, meine Falten halten sich in Grenzen, mein Teint ist makellos, ich brauche auch jetzt noch kein Make-up. Meine Figur ist zweifelsohne toll, da tr├Ąumt so manche Zwanzigj├Ąhrige vonÔÇť, sprach sie zu sich selbst und war zufrieden mit dem, was sie sah.

ÔÇ×Obwohl, wenn ich jetzt vor dir stehen w├╝rde ich s├Ąhe nicht auf dich herab. Ich m├Âchte nicht mit dir auf einer Stufe stehen. Nein, heute w├╝rde ich dich schlichtweg ├╝bersehen!ÔÇť

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