Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92195
Momentan online:
313 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ankommen
Eingestellt am 25. 05. 2008 10:09


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Mischa Balliet
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2008

Werke: 1
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mischa Balliet eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

<gelöscht>

Version vom 25. 05. 2008 10:09
Version vom 23. 06. 2008 23:24

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

Werke: 33
Kommentare: 410
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um arle eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo Mischa

Gleich vorweg: Ich halte deine Geschichte fĂŒr ausgesprochen spannend. So spannend, dass ich sie von Anfang bis Ende gelesen habe. Was mir persönlich, nebenbei bemerkt, ziemlich schwer fiel, da du ausgesprochen knausrig mit AbsĂ€tzen umgegangen bist.
Ein bisschen mehr Gliederung kÀme dem Leser sehr entgegen.

Was sich mitteilt, ist die Atemlosigkeit, die du m.E. an manchen Stellen jedoch ĂŒbertreibst. Solche Dopplungen wie zum Beispiel gleich im ersten Satz lassen zwar vermuten, wie es gemeint ist, können aber auch ausgesprochen manieriert wirken. Auch hier gilt, wie so oft: Weniger ist mehr.

Du findest stellenweise sehr schöne Bilder. Der Zug, der an eine Injektionsnadel erinnert, zum Beispiel. Der "Hund, den man hinter den Ohren krault", den Fischchor usw.

Und trotzdem bin ich - und ich bin mir nicht klar darĂŒber, ob das von dir so gewollt ist - ein bisschen ratlos, und dein Text wirft einige Fragen auf. Geht es um einen Totenzug? Geht es ums WartenmĂŒssen ganz allgemein? Geht es um Macht? Um KĂ€lte und RĂŒcksichtslosigkeit?

Ich glaube, Flammarion hat s ganz richtig getroffen: ein Albtraum. Wahrscheinlich dein ganz persönlicher Albtraum. Und den kann man nicht erklĂ€ren. Den kann man nur schildern. Was dir ĂŒber weite Strecken gelungen ist.

Meint: Silvia

PS: Ich sehe grade, dass du noch relativ frisch in der Lupe bist. Also erst mal herzlich willkommen und ganz viel Spaß!
__________________
Am jĂŒngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unnĂŒtz uns entfallen. - J.W. Goethe -

Bearbeiten/Löschen    


arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

Werke: 33
Kommentare: 410
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um arle eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Versuch

Hallo Mischa,

nicht erschrecken ob der vielen Farben. Sieht nur so viel aus, isses aber in Wirklichkeit nicht. Denn - wie bereits erwÀhnt - wenn der Text genau so bliebe wie er war: Mir wÀr s auch recht. Aber du wolltest es ja nicht anders.

Rot: TĂ€t ich nicht machen. Blau: Vorschlag




Der Zug, Gleich wird er kommen, ich weiß es ganz genau, der Zug. Ich renne, ich muss noch, muss noch (was musst du noch? ) Ich muss rennen, rennen, bin immer noch nicht da bin ,immer noch nicht da. Gleis fĂŒnf, dort wird er abfahren, zur bestimmten Zeit wird er kommen und fahren, fahren, das weiß ich ganz genau doch. Ich renne mit weit ausschlagenden Armen, ich drĂŒcke mich durch den Gang, oder ich rudere und drĂ€nge die Luft zurĂŒck beiseite. Keinesfalls aber rudere ich wie ein Ertrinkender, nein, wie ein Bestimmender, den Takt Angebender, so rudere ich durch den Gang, durch die Luft, durch die Nacht. Nicht mehr weit, nur diese Treppe noch, diese Stufe. Diese Stufe. Geschafft.

Da bin ich, Gleis fĂŒnf. Über mir das Schild, das AushĂ€ngeschild sozusagen. Gleis fĂŒnf steht da, ich kann es lesen, ich sehe es ganz genau. Es heißt Zug und Abfahrt. Auf nimmer Wiedersehen. Ich bin zu frĂŒh, ich warte, (Punkt) Ich kann warten. Besser so. Besser zu frĂŒh als zu spĂ€t. Besser frĂŒh aufgestanden als spĂ€t zu Bett gegangen und nicht mehr aufgewacht, besser so, besser so. Warten also. Immer warten auf den Zug, warten ohne Zug, warten, warten. Was sagt die Uhr. Jetzt aber. MĂŒsste er nicht schon da sein. Ja. LĂ€ngst mĂŒsste er da sein, jetzt mĂŒsste er einfahren. Das habe ich nicht verdient. Man lĂ€sst mich warten. Über alle GebĂŒhr lĂ€sst man mich warten, dabei bin ich immer zur rechten Zeit gekommen, habe immer (evtl. noch das Wörtchen "brav" einfĂŒgen) alles getan (was?) was man von mir verlangte, es ist doch dringend, ich muss los, jetzt muss ich los.

Jetzt kommt der Zug. Wie langsam er einfĂ€hrt! ( Du verzichtest, so weit ich das bisher ĂŒberblicke, auf Ausrufe- und Fragezeichen. WĂŒrde ich hier auch tun.) Zwei blassgelbe Scheinwerfer, die Waggons in vielfarbigen, sauber geschiedenen Streifen gemustert. Wie eine Schlangenhaut, denke ich, finde den Vergleich absurd, werde ihn aber trotzdem nicht los, starre also auf den gemĂ€chlich einrollenden Zug, denke an eine Injektionsnadel, die sich langsam zu mir hin drĂŒckt (nicht nötig) und frage mich warum. Zum ersten Mal sehe ich, was ich mir blindlings ausgesucht habe. Ich sollte denken: ordentlich.

Der Zug hĂ€lt an. Sofort steige ich ein und taste mich, hier gibt es kein Licht, an den schwarz getönten Scheiben des Abteils entlang. Die TĂŒren haben sich wieder geschlossen, allein der schwach leuchtende Druckknopf der rechten ist noch zu erkennen. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Aber warum meckern. Wozu sich an Dunkelheit geradezu aufhĂ€ngen, ich bin da, und es geht los, das zĂ€hlt, nichts weiter. Wichtig ist, dass ich fahre, nicht, dass ich sehe. Nicht wichtig, dass ich mit der Stiefelsohle auf etwas trete und es leise, das leise zu stöhnen beginnt, erst unter meinem Fuß, dann, wie als Antwort darauf, von ĂŒberallher. Ein vielstimmiges, kratzendes wie von Schiefertafeln herrĂŒhrendes Stöhnen, so als hörte man die Tafel eine Schiefertafel unter dem ĂŒber sie hinfahrenden Zeigefinger aufjaulen und: stöhnen (hatten wir schon...). Unerheblich. Ich nehme alles in Kauf; es gilt zu fahren, ein fĂŒr alle Mal zu fahren.

Der Zug steht. Seit zehn Minuten nun schon; (hoch leben die Semikolons!) er hĂ€tte lĂ€ngst fahren es hĂ€tte lĂ€ngst losgehen mĂŒssen. Zehn Minuten, denke ich und sage mir: Der wird nicht mehr fahren. Nicht nach so einem Stillstand. Ich steige aus, den Verantwortlichen suchen, das wird mir zu bunt. Ich habe bezahlt, mich informiert ĂŒber Preise, Fahrtzeiten, ĂŒber den Anfahrtsweg, der lang war; der Zug hĂ€lt nur an Gleis fĂŒnf und an dem am Zielort. Alles habe ich getan. Ich habe auch meine Rechte, und dies hier ist mehr als fahrlĂ€ssig, anders kann ich es nicht sehen. Es ist nun mal so, wenn einer seinen Teil erledigt, dann kann er auch erwarten, vollkommen und mit allem Recht erwarten ("Recht" hatten wir grade schon), dass dementsprechend der andere Teil der Abmachung, denn darum um eine solche handelt es sich, genauso pflichtbewusst erfĂŒllt wird. Das hat nichts mit Anmaßung zu tun. Das ist nur fair.

Ich steige aus; hier habe ich nichts mehr verloren, sehe im Hinaustreten den Schaffner, es muss der Schaffner sein, denn er hat trĂ€gt (?)eine rote MĂŒtze. Korrekt hat er sich hinter die Linie gestellt, Achtung, Zug fĂ€hrt ein, bitte treten Sie zurĂŒck. Aber es fĂ€hrt doch kein Zug, der ist ja doch schon da, und wer sollte so was schon sagen außer derm Schaffner, der aber gar nichts sagt, nur etwas mĂŒde mich anlĂ€chelt. Ich fĂŒhle seine Erleichterung, anscheinend hat er auf mich gewartet. Langsam nimmt er die rote SchaffnermĂŒtze ab und hĂ€lt sie mir wie einen Korb bei der Kollekte entgegen. Dann verneigt er sich, wartet kurz, ob ich etwas gebe, streckt sich wieder. Als ob ich ihm (schöner wĂ€re vielleicht: dem) etwas geben wĂŒrde! Ich denke nicht daran, gebe ihm also nichts und schiele stattdessen zum einen böse auf die MĂŒtze, zum anderen in die flimmernden Augen des Schaffners, (da haste aber wirklich heftig geschielt - grinsende Anm. d. Red.) sage: „Der Zug fĂ€hrt nicht. Es ist nach Sechs und der Zug ist noch immer nicht gefahren. Ich muss los, wissen Sie. Ich habe keine Zeit, nicht eine Sekunde, sinnlos zu vertrödeln. Warum fĂ€hrt er nicht.“

„Er wird auch nicht fahren, nicht so“ , sagt der Schaffner und zupft sich bedĂ€chtig, mal hier, mal dort, an seiner Uniform, die mehrere Löcher zeigt, aus denen schwulstartig das Innenfutter hervorquillt. Dort zupft der Schaffner, an den RĂ€ndern dieser Löcher, am noch makellosen Stoff, bis auch dieser ganz aufgerissen ist. Das beruhigt ihn offenbar, die Augen flimmern auch schon ein bisschen weniger.

„Es ist ein Zug“, sage ich. „ZĂŒge fahren. Sie sind ein Schaffner und verantwortlich ihn fahren zu lassen. Es gibt nichts Einfacheres auf der Welt.“ Wie um es zu beweisen, klatsche ich mehrmals in die HĂ€nde. Es ist auch wirklich dringend.

„Es ist kein Zug, und ich bin kein Schaffner“, sagt der Schaffner. , „Die Uniform ist ein Geschenk von ganz oben, wie auch die MĂŒtze. Zwar war ich frĂŒher Schaffner, werde es auch wieder sein, jetzt aber nicht. Es sind ja Schlafwagen. Haben Sie das nicht gesehen. Ich beaufsichtige sie nur. Sie stehen hier auf unbestimmte Zeit. Es schlafen Leute darin, verhalten Sie sich also ruhig. Es ist schon schlimm genug, dass Sie eingestiegen sind, ohne zu schlafen. Steigen Sie ein, mĂŒssen Sie auch schlafen. Steigen Sie doch ein.“

„Aber wo schlafen die Leute denn.“

„Überall. Es ist ausreichend Platz. Ich habe die Sitze, die BĂ€nke herausgerissen, um mehr Platz fĂŒr die Schlafenden zu schaffen, wozu auch Sitze. Aber das ist schon lange her. Übereinander, untereinander, ja sogar nebeneinander: Sie schlafen ĂŒberall, man glaubt es kaum. Manche schon sehr lange, andere konnten oder wollten, das ist nĂ€mlich dasselbe, erst nicht schlafen, ungefĂ€hr so wie Sie jetzt nicht schlafen können. Obwohl, bei Ihnen ist es ziemlich arg, ich will nicht sagen hoffnungslos. Hoffnung besteht, trotz allem. Die anderen haben es schließlich auch geschafft, wenn ich sie auch nicht mit Ihnen vergleichen kann oder möchte. Ich will Ihnen sagen, was sie getan haben. Vielleicht hilft es Ihnen ja, die Idee ist nicht dumm.“

„Also bitte“, sage ich. Dieser Schaffner, nicht auszudenken, wenn jeder so mit den Lippen schlackerte wie er. „Ich muss los. Es ist ein Zug. Lassen Sie ihn fahren.“

„Sie haben nĂ€mlich die schlafenden Passagiere als SitzbĂ€nke genutzt“, sagt der Schaffner. „Um sich vor dem Schlafen ein wenig auszuruhen, wissen Sie.“

„Ich muss los. Los, los, los.“ Ich schreie es dem Schaffner ins Ohr, die HĂ€nde habe ich um seine Ohrmuschel gelegt, ein Trichter, vielleicht hilft es ja.

„Das sagen sie alle“, sagt der Schaffner und schlĂ€gt sich auf den feisten Bauch, er lacht wie ein Wasserfall gluckert. Oder ist das sein Bauch. „Aber am Ende schlafen sie doch.“

„Ich nicht. Ich muss los.“

„Oh doch, glauben Sie mir, es ist ja auch das Schönste, was es gibt. Ich schlafe nur deshalb nicht, weil ich den Schlaf der Passagiere bewache. Ich nenne es lieber den Schlaf der Gerechten, das ist noch schöner, bewache. Im Ernst: Ich wĂŒrde viel lieber schlafen als hier zu wachen. Steigen Sie doch ein“, sagt der Schaffner, presst den Daumen mehrmals gegen den Druckknopf, erst funktioniert es nicht, dann aber schwingen die TĂŒren des Zuges sanft wie man einen Hund hinter den Ohren krault zur Seite.

Und wieder steige ich ein. Warum steige ich ein. Ich steige ein, kein Zweifel. Wieder schwarzgetönte Scheiben. Etwas auf das ich trete. Ein GĂ€hnen. Ein Strecken, ein knarrendes Gliederrecken. ( Das reimt sich unfreiwillig. Und was sich reimt ist - entgegen Pumuckls Meinung - nicht immer gut) „Du hast mich geweckt, Kamerad.“

Fast höre ich es nicht, es scheint von ganz weit zu kommen, wie aus einer Höhle. Aber er liegt doch unter mir, ich bin auf ihn getreten, das weiß ich ganz genau, und trotzdem muss ich hinhören, ganz genau hinhören, der hat ja geschlafen und ich habe ihn geweckt, denke ich. „Aber das macht nichts. Schon bald werde ich wieder einschlafen. Willkommen also.“ „Willkommen.“ Hinter mir, ich drehe den Kopf. „Willkommen.“ Von rechts, ich lege die Hand ans Auge. „Willkommen.“ Von links, von rechts, von ĂŒberall, ein Chor, ein Fischgesang.
Da klopft es an die Scheibe. Es wird der Schaffner sein, der mir Mut machen will, aber muss er das ĂŒberhaupt. Denn schon im nĂ€chsten Moment, wĂ€hrend das Klopfen schneller, dringlicher wird, knicke ich ein, in den Knien, ich sacke zusammen und höre noch, wie die Schienen zu singen beginnen als mĂŒssten sie dabei lachen.
__________________
Am jĂŒngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unnĂŒtz uns entfallen. - J.W. Goethe -

Bearbeiten/Löschen    


6 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!