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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Anläßlich des Ultimatums
Eingestellt am 18. 03. 2003 11:08


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Gribsy
Schriftsteller-Lehrling
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Der Marine

Nur noch achtundvierzig Stunden. Eigentlich riefen diese Worte eine schöne Erinnerung wach. Es war einer der ersten Filme mit Eddy Murphy. Einer der wenigen Schwarzen die es geschafft hatten. Ich lauschte den Worten des Präsidenten. Seine Stimme kam klar und deutlich über den Äther. Dank der Sattelitentechnik, war es uns möglich ein einwandfreies Bild und deutlichen Ton zu empfangen. Wir saßen in unserer Baracke und schauten alle gebannt auf den Bildschirm. Ich schaute meine Kameraden an. In Ihren Augen war der Durst nach Blut zu sehen. Wir waren kein willenlose Killer, doch bei ihnen hatte es funktioniert. Sie waren alle für den Präsidenten und standen auf seiner Seite. Die Saat, die er streute, fand in meiner Abteilung einen fruchtbaren Boden. Mir wurde übel, doch durften sie es nicht merken. Schon seit Wochen war mir nicht wohl bei der Sache. Ich hatte mich freiwillig zu den Marines gemeldet, als ich achtzehn war. Nun war ich vierundzwanzig und es war mein erster Einsatz im Ausland. Und dann ausgerechnet der Irak. Ich hatte Angst. Die Bilder, der Opfer aus dem letzten Golfkrieg, waren immer noch in meinem Kopf. Mein Bruder war damals draufgegangen. Wochenlang hatte er sich gequält. Das Nervengas hatte ihn dahingerafft. Die Diskussionen darum, ob es von unserer Armee verschuldet worden war oder ob es die Irakies eingesetzt hatten, interessierte mich nicht. Mein Bruder war tot.
Einige Wochen danach hatte ich mich zum Dienst gemeldet. Die Situation am freien Markt war unter aller Würde. Wer würde schon einem schwarzen Jugendstraftäter einen Job geben? In der Ausbildung hatte ich gelernt, was Kameradschaft bedeutet. Damals hatte ich nicht im Traum daran gedacht, dass es irgendwann einmal so weit kommen würde. Doch dann geschah der elfte September. Wir waren entsetzt über soviel Brutalität. Die Gewissenlosigkeit, mit der das Attentat ausgeübt wurde, versetzte uns damals in Angst und Schrecken. Doch wir konnten was unternehmen, wir würden zurückschlagen. Die Einmischungen, wie es die anderen Nationen nannten, dienten doch nur dazu den Weltfrieden zu erhalten.
Doch nun, da ich hier war, hatte sich die Einstellung geändert. In Zwei Tagen würden wir losschlagen. Menschen, die kaum was zu Essen hatten würden sterben. Immer wieder wurde uns eingetrichtert, dass es Saddams Schuld wäre. Doch sie würden durch unsere Waffen sterben. Meine Schüsse strecken diese Menschen nieder und lassen sie dann krepieren. Immer wieder wurden wir zu Schulungen geschickt, um mit dieser Situation fertig zu werden. Aber wie reagiere ich, wenn es soweit ist? Werde ich schießen? Auf ein Kind, eine Frau? Panik kroch langsam in mir hoch. Oft genug hatte ich gesehen, wie kleine Kids von Cops abgeknallt worden waren. Es waren Straftäter, aber wussten sie wirklich was sie taten? Warum sind sie zu dem geworden, was sie waren? War es Schuld der Gesellschaft, des Systems oder gar meine? Wie bringe ich es meinen Kindern bei, die Zuhause mit Claire warteten? Was würde ich antworten, wenn sie mich fragten: „Dad hast du da jemanden getötet?“ Wie sollte ich ihnen die Notwendigkeit unserer Aufgabe klar machen? Schon alleine das Wort Notwendigkeit triefte vor Ironie. Für wen notwendig? Für die Menschen hier? Oder nur für die Multimillionäre in unserem Land? Was passiert, wenn die beiden Bilder von mir im Fernsehen sahen? Ich musste würgen.
„Hey, was ist los mit dir?“ Die Stimme meines Kumpels Ray riss mich aus meinen Gedanken. „Nichts, war wohl nur das Essen.“ Antwortete ich und hoffte, dass er mir nichts anmerkte.


__________________
Ich muss schreiben oder man diagnostiziert Multiple Persönlichkeitsspaltung bei mir.

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Gribsy
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Danke an Evchen, die mich auf etwas gravierendes hingewiesen hat

Woher soll ich nur wissen, was in dem Kopf eines solchen Soldaten vorgeht. Hier die Antwort. Dadurch wird der Text ein wenig verständlicher.


Der Marine

Vorwort
In einem Online Game habe ich vor über einem Jahr einen amerikanischen Soldaten kennen gelernt, der bei den Marines ist. Sein taktisches Verständnis zur Kriegsführung hat uns in diesem Game mächtig weitergeholfen. Damals haben wir alle nicht daran gedacht, dass er irgendwann einmal in den Nahen Osten muss. Wir haben noch immer regelmäßigen E-Mail Kontakt und nun sitzt er seit einigen Monaten da unten. Als der Präsident das Ultimatum gestellt hatte, habe ich ihn gefragt, was jetzt passiert. Hier einige seiner Gedanken und was der Junge da grade durchmacht.

Nur noch achtundvierzig Stunden. Eigentlich riefen diese Worte eine schöne Erinnerung wach. Es war einer der ersten Filme mit Eddy Murphy. Einem der wenigen Schwarzen die es geschafft hatten. Ich lauschte den Worten des Präsidenten. Seine Stimme kam klar und deutlich über den Äther. Dank der Sattelitentechnik, war es uns möglich ein einwandfreies Bild und deutlichen Ton zu empfangen. Wir saßen in unserer Baracke und schauten alle gebannt auf den Bildschirm. Ich schaute meine Kameraden an. In Ihren Augen war der Durst nach Blut zu sehen. Ich war kein willenloser Killer, doch bei ihnen hatte es funktioniert. Sie waren alle für den Präsidenten und standen auf seiner Seite. Die Saat, die er streute, fand in meiner Abteilung einen fruchtbaren Boden. Mir wurde übel, doch durften sie es nicht merken. Schon seit Wochen war mir nicht wohl bei der Sache. Ich hatte mich freiwillig zu den Marines gemeldet, als ich achtzehn war. Nun war ich vierundzwanzig und es war mein erster Einsatz im Ausland. Und dann ausgerechnet der Irak. Ich hatte Angst. Die Bilder, der Opfer aus dem letzten Golfkrieg, waren immer noch in meinem Kopf. Mein Bruder war damals draufgegangen. Wochenlang hatte er sich gequält. Das Nervengas hatte ihn dahingerafft. Die Diskussionen darum, ob es von unserer Armee verschuldet worden war oder ob es die Irakies eingesetzt hatten, interessierte mich nicht. Mein Bruder war tot.
Einige Wochen danach hatte ich mich zum Dienst gemeldet. Die Situation am freien Markt war unter aller Würde. Wer würde schon einem schwarzen Jugendstraftäter einen Job geben? In der Ausbildung hatte ich gelernt, was Kameradschaft bedeutet. Damals hatte ich nicht im Traum daran gedacht, dass es irgendwann einmal so weit kommen würde. Doch dann geschah der elfte September. Wir waren entsetzt über soviel Brutalität. Die Gewissenlosigkeit, mit der das Attentat ausgeübt wurde, versetzte uns damals in Angst und Schrecken. Doch wir konnten was unternehmen, wir würden zurückschlagen. Die Einmischungen, wie es die anderen Nationen nannten, dienten doch nur dazu den Weltfrieden zu erhalten.
Doch nun, da ich hier war, änderte sich die Einstellung. In Zwei Tagen würden wir losschlagen. Menschen, die kaum was zu Essen hatten würden sterben. Immer wieder wurde uns eingetrichtert, dass es Saddams Schuld wäre. Sie würden aber durch unsere Waffen sterben. Meine Schüsse strecken diese Menschen nieder und lassen sie dann krepieren. Immer wieder wurden wir zur Ausbildung geschickt, um mit dieser Situation fertig zu werden. Aber wie reagiere ich, wenn es soweit ist? Werde ich schießen? Auf ein Kind, eine Frau? Panik kroch langsam in mir hoch. Oft genug hatte ich gesehen, wie kleine Kids von Cops abgeknallt wurden. Es waren Straftäter, aber wussten sie wirklich was sie taten? Warum sind sie zu dem geworden, was sie waren? War es Schuld der Gesellschaft, des Systems oder gar meine?
Wie bringe ich es meinen Kindern bei, die Zuhause mit Claire warteten?
Was würde ich antworten, wenn sie mich fragten: „Dad hast du da jemanden getötet?“ Wie sollte ich ihnen die Notwendigkeit unserer Aufgabe klar machen? Schon alleine das Wort Notwendigkeit triefte vor Ironie. Für wen notwendig? Für die Menschen hier? Oder nur für die Multimillionäre in unserem Land? Was passiert, wenn meine Beiden Bilder von mir im Fernsehen sahen? Ich musste würgen.
„Hey, was ist los mit dir?“ Die Stimme meines Kumpels Ray riss mich aus meinen Gedanken. „Nichts, war wohl nur das Essen.“ Antwortete ich und hoffte, dass er mir nichts anmerkte.


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Evchen13
???
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Hallöchen,

und so gefällt mir der Text viel besser, hast du gut hinbekommen.

Liebe Grüße

Ev
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