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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Anleitung zum Fremdgehen
Eingestellt am 31. 08. 2011 20:44


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Trasla
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Manchen liegt das im Blut, die haben ein intuitives Talent daf├╝r. Aber vielen f├Ąllt das garnicht so leicht, die wissen nicht wie sie anfangen sollen oder haben Bedenken. Was schade ist, denn Fremdgehen ist eine wundervolle Sache, die jeder mal ausprobiert haben sollte. In einer vermeintlich gl├╝cklichen, intakten Beziehung testet man ein wenig aus, wie tragf├Ąhig die Liebe wirklich ist. Wenn es sowieso gerade schwierig ist hat man ein wenig Abwechslung und den Vorteil, dass sich etwas ver├Ąndert, wenn alles raus kommt.

Vielleicht legt sich der Partner mehr ins Zeug, vielleicht geht die Beziehung kaputt - auf jeden Fall geht es irgendwie weiter, besser als eine festgefahrene Situation alle Mal. Und dann hat man nat├╝rlich auch Sex dabei, was an sich schon einmal nicht schlecht ist, und meist auch aufregender als mit einem vertrauten Partner. Es gibt also viele gute Gr├╝nde.

Bei der Auswahl seiner Aff├Ąre hat man verschiedene Optionen. Gut geeignet ist jemand, der auch in einer Beziehung steht, das hat den Vorteil dass einem nichts vorgeworfen oder man gar erpresst wird. Andere gute M├Âglichkeiten sind Menschen, die nicht wissen, dass man eine Beziehung hat, oder solche, denen es eh v├Âllig egal ist. Im Zweifel kann man auch immer versuchen zu behaupten, der eigene Partner w├Ąre damit einverstanden.

Weil Fremdgehen nat├╝rlich im Prinzip und nach gesellschaftlicher Konvention ein moralisch verwerflicher Akt ist, k├Ânnen wir nicht einfach losziehen und ohne Gewissensbisse in fremde Betten h├╝pfen. Ein wenig Fingerspitzengef├╝hl ist gefragt. Zun├Ąchst sollte man gute Rahmenbedingungen schaffen, also eine gem├╝tliche Atmosph├Ąre, vielleicht unter Vorwand bei jemandem "auf dem Sofa" ├╝bernachten oder ├ähnliches. Alkohol eignet sich wundervoll, nicht nur weil er tats├Ąchlich enthemmt, sondern auch weil man vor anderen und sich selbst leichter Ausreden findet.

Das ist im Grunde auch der Kern der Sache - wenn man als Mensch mit Gewissen durchgehen und trotzdem fremdgehen m├Âchte, muss man sich gut genug selbst etwas vormachen. Im Prinzip ganz einfach: Die Situation zunehmend intimer werden lassen, dabei aber immer hervorheben, dass eigentlich garnichts Verf├Ąngliches geschieht. Man lehnt sich ja nur an. Die Hand ist halt da hin gerutscht. Nat├╝rlich zieht man das Oberteil f├╝r eine Massage aus. Und ja, die H├Ąnde ber├╝hren zwar den Busen, aber genau genommen nicht die Brustwarzen - damit ist das kein intimer Kontakt!

Profis k├Ânnen so nat├╝rlich viel weiter kommen als Anf├Ąnger, aber egal wie routiniert man ist: Irgendwann kommt der Moment, da man sich nichts mehr vormachen kann. Man erwischt sich quasi mit der Hand in der Hose, und muss dann schleunigst Phase zwei einleiten, ehe man aus Versehen "Sorry, ich kann das nicht" sagt und nach Hause rennt. "Jetzt ist es eh zu sp├Ąt" lautet der Gedanke der Wahl. Solange einreden, man w├Ąre noch nicht ├╝ber die Grenze, bis man weit genug dr├╝ber ist um nicht mehr zur├╝ck zu k├Ânnen.

Mit ein bisschen Gl├╝ck ist dann langsam auch der K├Ârper gut dabei und unterst├╝tzt uns mit wohl dosierter Triebsteuerung. Ansonsten platzieren wir uns mit Hilfe von "Ob wir jetzt noch miteinander schlafen macht auch keinen Unterschied mehr" und "Ich bin betrunken und wei├č nicht, was ich tue, ich denk morgen dr├╝ber nach". Und dann schalten wir den Kopf aus. Wenn wir uns gr├╝ndlich ├╝berzeugt haben, dass wir momentan nichts mehr f├╝r unser Seelenheil tun k├Ânnen, dann folgt der Genuss.

Ein wenig kritisch wird nochmal der Moment danach, hier gilt die Faustregel: Wenn es gut war, denken wir uns, dass es sich vielleicht sogar gelohnt hat. Wenn wir eher nicht so begeistert waren k├Ânnen wir uns zu Gute halten, dass wir es immerhin nicht richtig genie├čen konnten. Anschlie├čend einschlafen oder nach Hause fahren.

Jetzt folgt Nachbereitung.
Ob du es deinem Partner erz├Ąhlen willst oder nicht: Folge deiner Laune. Begr├╝ndungen gibt es genug. Wer alles gesteht, ist ein ehrlicher Mensch, der lieber seine Beziehung riskiert, als aufgrund von L├╝gen geliebt zu werden. Wer nichts sagt, ist so selbstlos, die B├╝rde des Vorfalles alleine zu tragen, statt seinen geliebten Partner zu belasten.

Wenn du unbedingt gestehen willst, aber nicht wei├čt, was du sagen sollst: Nicht zu sehr rechtfertigen. Klar, wir haben einen Fehler gemacht und so weiter, aber eigentlich geht es um die Defizite unseres Partners. Vielleicht war es so unwiderstehlich sich endlich einmal wieder begehrt zu f├╝hlen, als k├Ârperlich anregend wahrgenommen werden und sich verf├╝hrerisch zu f├╝hlen. Oder die Geborgenheit, das Gef├╝hl geliebt zu werden. Gib dich oberfl├Ąchlich schuldig, aber vergiss nicht, deinen Partner bei sich die Ursache suchen zu lassen.

Dann bist du nicht nur besser raus, sondern hast mit Gl├╝ck auch erstmal wieder mehr Sex oder ├Âfter frische Blumen. Ist das nicht der Fall, nimmst du diese Mangelerscheinung nat├╝rlich bei n├Ąchster Gelegenheit zum Anlass, dir ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Vielleicht findet dein Partner ja auch Gefallen daran, sich nicht mehr alleine um all deine Bed├╝rfnisse k├╝mmern zu m├╝ssen.

Solltest du neugierig geworden sein, aber immer noch unsicher, dann schreib mir einfach, falls du jung, weiblich und gutaussehend bist. Ich biete ├ťbungsstunden f├╝r Anf├Ąnger und emotionale Beratung am konkreten Einzelfall.

Version vom 31. 08. 2011 20:44

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Trasla
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Selbstverst├Ąndlich ist das als Satire gemeint - kritische Anmerkungen zu Form und Stil m├Âchte ich trotzdem gerne h├Âren! Ich habe auch ├╝berlegt, ob das St├╝ck ins Humor-Forum sollte, ich war mir unschl├╝ssig.
Ich wollte vielleicht, dass man nicht mit einer "Haha, alles ein Witz"-Einstellung anf├Ąngt zu lesen, sondern offen an die Sache ran geht und meine Gedanken durchaus kritisch betrachtet.

In diesem Zusammenhang frage ich mich jetzt auch, ob die beiden 2er Bewertungen m├Âglicherweise nicht Kritik an der Umsetzung des Werkes sind (was v├Âllig in Ordnung w├Ąre, wobei ich mich dann ├╝ber Hinweise freuen w├╝rde) sondern ausdr├╝cken sollen, dass man mit meiner (missverstandenen) Aussage nicht einverstanden ist.

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Trasla
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Hallo Petra,
danke f├╝r deine netten Worte.

Ich habe das auch nciht so sehr geschrieben, um wen zum Lachen zu bringen, sondern um mir mal die Frechheit herauszunehmen, diesen in der Gesellschaft weitesgehend f├╝r unm├Âglich gehaltenen Standpunkt einzunehmen. Damit m├Âchte ich den Leser n├Âtigen, erst einmal f├╝r sich selbst dar├╝ber nachzudenken, wie denn die vorgetragenen Punkte entkr├Ąftet werden. Und ganz nebenbei wollte ich unterhalten.

Ich w├╝rde wirklich gerne erfahren, was den 2ern nicht gefiel, ebend um einsch├Ątzen zu k├Ânnen ob meine Idee doof ist, ob die Aussage ernst genommen wurde, oder ob das ganze einfach platt und witzlos r├╝ber kommt.
Hmm.

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Winfried Stanzick
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Hallo, hier einige Vorschl├Ąge:

Im zweiten Absatz finde ich die Formulierung

"was pauschal schon einmal toll ist"

ungl├╝cklich gew├Ąhlt.

Vielleicht: "was an sich schon einmal nicht schlecht ist" ?

Dritter Absatz; "oder solche KOMMA denen es ...

Vierter Absatz: vielleicht "also eine gem├╝tliche Atmosph├Ąre .."

F├╝nfter Ansatz: "Verf├Ąngliches"

Achter Absatz:; "Wenn es gut war KOMMA denken wir uns.."
nach "gelohnt hat" w├╝rde ich einen Punkt setzen

Neunter Absatz: Vorschlag: "Jetzt folgt die Nachbereitung"

"Wer alles gesteht KOMMA ist ein ...

"seine Beziehung riskiert KOMMA als .."

"Wer nichts sagt KOMMA ist so ..."

Vorletzter Absatz: "Ist das nicht der Fall KOMMA nimmst.."

Letzter Absatz: " Solltest du neugierung geworden sein KOMMA aber ..."


Herzliche Gr├╝├če und Gl├╝ckw├╝nsch zu diesem Text


Winfried Stanzick

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