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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Anna
Eingestellt am 12. 12. 2001 16:37


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magdalena heische
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Anna,

ich bin betroffen. Ich weiss nicht mehr, was passiert ist, wie es passiert ist.
Was ich noch weiss, dass Nebel war. Alles weiss. Schnee. Anna, ich sehe deinen Atem und deine rote Aura.
Bitte ruf mich gleich an, Anna, wenn du das hier liest. Du musst einfach! Ich werde die Welt hassen, wenn das jetzt einfach alles so vorüber geht. Wir haben beide nichts Schlimmes getan. Und du machst es durch dein Schweigen nicht besser.
Versprich mir, dass du gleich kommst und deine weichen Hände mitbringst! Dann rennen wir durch den Schnee, durch eine sterbende Welt, und rufen gemeinsam etwas ganz Neues aus. Schwörs mir!

Ich will dich nur sehen.

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magdalena heische
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Ich denke voller Sorge noch an dein letztes Gesicht. Es kommt mir vor, als wolltest du sagen: Na. Stirb doch!
Weinend stehen die Bäume im Park und ich laufe unter ihnen weg. Ich sehe dich im Schnee spielen und auf der Bank sitzen und eine alte Oma umstoßen, Anna. Das sollst du alles nicht. Wenn du nicht hier wärest...
Bald stirbt der Tag und mit jedem Dunkel mein Auge.
Ich will jetzt dass du zu mir kommst, schreie ich laut. Ich werfe mir Schnee auf den Kopf, der in meinem hellen Haar nicht auffällt. Dann wünsche ich mir, deine Wimpern auszureißen. Lidlos will ich dich sehen. Dafür lasse ich mich auch schlagen.

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magdalena heische
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Am dritten Tag nach deinem letzten Wort fängt die Welt an zu zerbröseln. Es beginnt in einer Ecke meines Wohnzimmers.
Ich weiss, du sitzt jetzt irgendwo und weinst. Und deine Seele wogt und rauscht wie Pappeln im Sturm.
Ich sitze neben dir und lutsche Marmelade von deinem Daumen. Im Fernseher läuft eine Brecht-Inszenierung. Der Kräutertee auf dem Glastisch ist kalt geworden. Und der Goldfisch in deinem Herzen ist verhungert. Du weinst noch.

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magdalena heische
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Der eisige Atem deines Winters bringt uns fast um. Er füllt meine Manteltaschen mit Zauber.
Anna, du schämst dich sogar, mit mir einkaufen zu gehn. Wir sollten nicht gesehen werden. Das sagst du immer. Deshalb wünsche ich mir ewige Nacht. Das ist Selbstverleugnung, denn ich bin ein Kind der Sonne.
Nun denkst du, es ist überstanden? Hast dein kleines dummes Herz ausgebaut und gut weggeschlossen?
Ich finde dich noch. Und dann nehme ich dich dir weg.




hmmm?
__________________
Unsere Leben sind die Träume der Anderen.

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magdalena heische
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Da Feuer ißt mich langsam auf. Anna, du stehst und weinst. Dein Mund zieht sich dabei ganz weit nach unten. Als ob dein Gesicht zerbrechen will. Das lasse ich nicht geschehen. Von wegen.
Ich zerre dich noch einmal in diesen Winterpark. Und ich will dich tragen. Wenn schon unmöglich, dann ganz und gar. Also trage ich dich und kreische dabei und alle Leute schauen zu uns. Ich schreie und küsse dich und werfe dich dann in den Schnee. Und trete vor lauter Wut nach dir. Und weine vor Freude oder was sonst. Dann ist für lange, schlimme Tage Stille.

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magdalena heische
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Unsere erste Begegnung war schön, Anna. Ich hab deine Füße in weissen Seidenstrümpfen gesehen in einer Umkleidekabine im Karstadthaus. Unter der Kabinentür hindurch. Ich hab die Tür aufgerissen, sehe dich noch im Unterrock, eine Hose in der Hand haltend, den Mund ein wenig offen und sprachlos. ich hab dich noch gefragt, ob ich dich küssen darf, bevor mich das Personal entfernt hat. Und dann habe ich eine halbe Stunde unten vor der Tür gewartet, um dich zu einem Kaffee einladen und deine leuchtenden Augen sehen zu dürfen. Und du hast mir nie gesagt, wieso du überhaupt noch mitgekommen bist. Du hast den ganzen Abend gezetert wegen diesem Auftritt, und mir dann deine Nummer gegeben.
Ich schreibe dir das nur, damit du das wieder vor Augen hast. Damit du mich noch wieder siehst. Das will ich nämlich.
__________________
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