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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Anna
Eingestellt am 16. 01. 2007 15:45


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fabian kleimund
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Anna

Dann √∂ffnete sie das Fenster. Wie ein Schatten hatte sie sich aus dem Bett erhoben. Ihre schmalen Linien hoben sich vor den hitzigen Umrissen der Stadt ab. Matt schimmerte ihre nasse Haut im Licht des seicht benetzten Himmels. Er stand auf und ging zu ihr ans Fenster. Ihr warmer Atem in der feuchten Luft. Mit den H√§nden ber√ľhrte er ihren warmen K√∂rper. Ihre H√§nde. Blick hinunter. Auf dem Newskij Prospekt w√ľtete das Leben. Menschen gingen kreuz und quer, der eine neben dem anderen, mit den H√§nden in den Taschen und ohne. Babuschki boten ihre gebundenen Rosenb√ľsche an. Kinder spielten auf dem trockenen Asphalt. Ein Alter verkaufte die "Sankt Peterburg Gazetta". Einige blickten zum Hotel hoch, zum offenen Fenster unter dem blaugrauen Himmel. Wie ein Hoffnung auf bessere Zeiten erwanrtend, blickte der Mensch unten einsam hinauf zum Fenster. Wo ein andrer Mensch dastand und schwitzte.

Er sah hinunter. Aus nächster Nähe das Muttermal unterm Ohr, einen leichten Anriss der Nase, das blonde, zart genestelte Haar in ihrem Nacken, dann ihre schlanken Hände auf dem Fensterbrett. Und unter diesen Händen die Welt, das Leben, Menschen.

Sie spazierten durch die Stra√üen. Eine dr√ľckend feuchte Hitze lag √ľber der Stadt, zwischen den H√§usern, in den Gassen, auf den Kan√§len, unter den engen Torb√∂gen. Menschen gingen durch die Stadt. Ein hagerer Kerl, mit hellen Augen, hohen Wangen und seichten Locken auf dem Kopf. Eine Wundersch√∂ne mit bitteren Lippen und gro√üen, flehenden Augen sa√ü vor einem stinkenden Ausschank. Ein kleiner Dicker mit Knollnase und roten Ohren eilte √ľber die Admiralit√§t, vielleicht ein Kunstprofessor, so gro√ü seine Brille. Wo kamen diese MEnschen her? Noch mehr als diese Stadt sah er ihre H√§nde, ihre sch√∂nen, in dieser Stadt. Er hielt sie nicht, da viel zu hei√ü. - Ihre schlanke Hand vor der tr√ľben Newa. Die geraden, sauberen Finger for der Kathedrale. Ihre sch√∂ne, zarte Hand in der dampfenden, schw√ľlen Fontanka. Gut geformte, sanfte Fingerkuppen auf den B√∂gen. Blick in ihre hellen, stillen Augen, die gragten, die litten, die suchten in diesen Menschen, in dieser Welt. Dies ist die ganze Welt.

Dumpfe, b√§rtige M√§nner mit schlechtem Bier. Lebten sie? Sie war daf√ľr. Sie liebten, litten, hassten, verziehen, dachten, verdr√§ngten. Gl√§nzender Schwei√ü an ihrem Hals. √úberhaupt: Schwei√ü in den Gesichtern, auf den R√ľcken, zwischen Hemd und Haut, in den Kehlen, den Kehlen der Knie, zwischen den Beinen. Dann ihr Seufzer, k√ľhl, auf der Bank vor dem Mariinskij, in den hei√üen Abend. Ein S√§nger sang im Restaurant. Nutzloses Geschrei vielleicht, da unverstanden. Vielleicht: zusammenhanglose Aneinanderreihung von W√∂rtern, von Fremden nie Geh√∂rtes, unverstanden. Ihre Augen auf dem Teller, die bunten W√§nde, der Gitarrenspieler davor.
"Wie hast du mich gefunden?"
"Ich bin dir einfach nachgefahren."
"Woher wusstest du, dass ich im Hotel bin?"
"Gar nicht. Ich wusste es nicht. Und ich habe dich auch nicht gesucht."
"Ich w√ľnschte, du h√§ttest es."
"Und ich w√ľnschte, ich w√§re nicht hier."

Hei√üer Atem aus trockenem Mund. Das W√§sserchen sp√ľlte es nicht weg, nur noch tiefer, den schw√ľlen klebrigen Dreck. - Sp√§ter: ihre schmale Hand auf schlafender Haut.

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fabian kleimund
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Registriert: Sep 2006

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gragen

gragen ist ein schreibfehler. es sollte 'fragen heissen'.....
danke f√ľr die kritik. hab die story vor mehreren jahren geschrieben, ziemlich spontan. du hast recht.
gruß kai

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