Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
90 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Anna Moll
Eingestellt am 25. 06. 2000 00:00


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Lukas Holliger
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2000

Werke: 5
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Anna Moll
Der Tod sass auf der Treppe und wartete auf Anna Moll. Es war der erste Tag des Sommers `98. Nach der Arbeit fuhr man noch in die Schwimmb√§der, kraulte mitz√§hlend einige L√§ngen, sah, w√§hrend die Sonne die Haut trocknete, den Ameisen zu, wie sie an den Schienbeinen hochkrabbelten und liess sich aufblasbare Plastikb√§lle versehentlich auf den Bauch werfen. Mit nassen Frottiert√ľchern in Plastiktaschen kehrte man in der warmen D√§mmerung nach Hause. Im Ohr noch die ins Wasser sprin-genden Kinder, die jedesmal ein akkustisches Tryptichon erzeugt hatten. Zuerst die Ohrfeige des Aufpralls, dann das rasch dumpfer werdende Brausen des durchstossenen Wassers und zum Schluss das Kichern der ins Wasser zur√ľckfallenden Spritzer. Anna Moll lebte alleine. Als sie mit der Post unter dem Arm die Haust√ľr aufschloss, begoss eine Nachbarin, als wolle sie nicht gesehen werden, einen kleinen Kaktus. Anna nahm den Lift. Ihre Augen waren rot vom Chlorwasser und die Post bestand aus lauter Rechnungen, die sie in ihrer Wohnung auf den Boden warf, um sie nicht zu vergessen. Als Anna sich umdrehte, stand er da. Sofort befiel sie in allen Gliedern starker Muskelkater, und seinerseits betrachtete der Tod einen Menschen, dem an der Innenseite des Oberschenkels Urin herunterfloss. Alles in allem kein ungew√∂hnlicher Anblick. Anna fiel in den Tod hinein, st√ľrzte mit ihm zu Boden und schlug mit dem Kopf gegen das Tischbein. Der Tod war feucht, schwitzte, hatte keinen festen K√∂rper. Er lag zwischen ihr, in ihr drin, auf ihr drauf, sie begrub ihn. Der Gestank des Todes entpuppte sich als eine Landschaft aus Ger√ľchen, in der sich Anna auszukennen begann. Da gab es eine zwieblige F√§ule, der gleichzeitig eine feine S√ľsse anhaftete und in einem entlegenen Duftwinkel entfaltete sich sogar eine behagliche alkoholische Wirkung. Anna besass den Tod f√ľr sich und auch der Tod konnte sich nicht beklagen. Er lag in einem M√§dchen, das nach Vanille duftete. Als erstes schienen sich ihre Beine unter seinem wachsenden Gewicht aufzul√∂sen, dann verfl√ľssigten sich schnell die Arme, liefen unter den Kopf und durchtr√§nkten ihr Haar. Einzig Anna Molls Rumpf wurde immer h√§rter und kr√ľmmte sich wie ein abgebranntes Streichholz r√ľckw√§rts in den Boden hinein. Nur die linke Brust ragte noch Tage heraus. Ein unwissender Gast h√§tte leicht dar√ľber stolpern k√∂nnen.


(√úbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
Kommentare und Aufrufzähler beginnen wieder mit NULL.)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur√ľck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!