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Leselupe.de > Kurzprosa
Annabell trifft Annabell
Eingestellt am 01. 01. 2005 17:20


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Tochter des Ozeans
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Annabell trifft Annabell

„Warum sollte ich dir vertrauen?“
“Weil ich dich kenne.“
„Ich kenne dich aber nicht."
„Ich weiß.“
Trotzig schiebt Annabel ihr Kinn nach vorn. „Nein.“
„Es ist vielleicht deine letzte Chance...“
„Na und?“ Annabell dreht sich zum Fenster.
Seufzen. „Du musst es ja wissen.“
„Genau!“
„Du wirst mir nicht vertrauen. Egal was ich sage. Aber du solltest es.“
„Es steht also fest, dass ich dir nicht vertraue?“
Schweigen.
„Warum gibst du dir dann die Mühe?“ Annabel dreht sich wieder zurück. Ihr Blick glüht vor Bosheit.
„Weil du mich brauchst.“
Nein, keine Bosheit. Angst. Überspielte Angst.
„So? Brauche ich dich also?“
Nicken.
„Und wenn ich mich entscheide, dir nicht zu vertrauen?“
„Es liegt an dir...“
„Schon klar!“ schreit sie. „Aber was ist, wenn ich dir NICHT vertraue?“
„Dann... ist es aus.“
Schweigen.


„Die Zeit vergeht viel zu schnell.“
Nicken.
„Ich brauche mehr Zeit.“
„Die hast du aber nicht.“
„Und warum, verdammt noch mal?“
„Weil du nicht an die Zeit glaubst.“
Annabel presst ihre Hände gegen ihre Ohren und schreit. Kurz, laut und schrill.


„Sollten wir nicht langsam aufbrechen?“ Annabell wippt unruhig auf dem Fensterbrett hin und her.
„Ich habe Zeit. Was du machst, ist mir egal.“
„Also willst du, dass ich alleine gehe?“
„Nein.“
„Du willst dass ich bleibe?
„Ich will dass du mir vertraust.“
„Aber das werde ich nicht.“
„Ich weiß.“
„Wie heißt du überhaupt?“
„Das ist unwichtig.“
„So?“
Schweigen.


„Ich habe keine Lust mehr, mir wird das alles zu blöd hier. Das Warten macht mich noch verrückt!“
„Das Warten macht dich nicht verrückt.“
„Oh, doch, das macht es!“ Annabells Kopf ist rot wie eine Tomate, nein, wie eine Paprika.
„Du bist schon verrückt.“
„Was???“
Ein langer tiefer Schrei. Ein Bärenschrei.

„Macht es dir Spaß, mich in den Wahnsinn zu treiben?“
„Das bin nicht ich.“
„So? Und wer dann?“
„Du“
„Aha“ Annabell schlägt sich auf die Schenkel. „Ich bin es also. ICH mache MICH verrückt.“
Nicken.
„Weißt du, was du bist?“ Annabell schleicht durch das Zimmer. „Du bist ein arrogantes, ignorantes, egoistisches...“ Ein schriller Schrei.
„Ich bin du.“
„Wie bitte?“ Annabell zittert.
„Ich bin du.“
Annabell fuchtelt mit ihren Armen durch die kalte Luft, schmeißt eine Vase aus dem Regal. Glasscherben auf dem Fußboden. „Da siehst du mal, was du anrichtest!“ Annabell versteckt ihre Träne. Die will sie nicht hergeben.
„Nicht ich...“
„Sei, verdammt noch mal, still!!!“
„OK“
Annabell weint. Keiner soll es sehen. Annabell soll nicht sehen, dass Annabell weint. Sie soll es nicht fühlen. Eine Scherbe drängt sich durch die Haut. Annabell fühlt es, fühlt den Schmerz. Aber sie verbietet sich, ihn zu fühlen.


„Ich kann dir nicht vertrauen.“
„Doch, das kannst du.“
Annabell weint leise.
„Du hast du Angst.“
Annabell schnieft.
„Aber das ist nicht so schlimm. Angst haben viel Menschen. Angst ist normal.“
„So?“
Nicken.
„Meinst du, ich habe mehr Zeit, wenn ich warte?“
„Atme erst einmal durch.“
Annabell sieht aus dem Fenster.
„Siehst du dir Blumenwiese?“
„Die von Greiners?“
„Ja, die von deinen Nachbarn.
„Ja, die sehe ich. Die ist schön.“ Annabell lächelt zaghaft.
„Siehst du wo sie endet?“
„Nein. Sie schein endlos.“
„Ist sie endlos?“
„Nein. Nichts ist endlos. Außer der Zeit.“
„Und, kannst du mir nun vertrauen?“
Annabell schweigt. Sie steht auf und streckt die Hand aus. „Und du brauchst mich?“
„Jetzt nicht. Erst, wenn du mich verlässt, werde ich dich brauchen.“
„Warum?“
„Weil ich mich dann an dich gewöhnt, dich schätzen gelernt habe. Weil der Geist den Körper braucht. Weil es schmerzen muss, wenn sie getrennt werden.“
„Und ich?“
„Du wirst frei sein, mich besuchen zu können.“
Annabell lächelt. „Das ist schön.“

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