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Leselupe.de > Humor und Satire
Anruf V
Eingestellt am 22. 01. 2009 21:49


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TheRealCure
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

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Es kommt nicht häufig vor, aber ab und zu passiert es doch einmal. Kurz und gut, das Telefon klingelt.

"Pech?"
"Hallo Pech, hier ist Antje."
"Antje? Welche Antje?"
"Was soll der Scheiß? Verarsch mich nicht."
"Hey Antje, sei doch nicht gleich sauer."
"Ich bin nicht sauer. Ich mag es nur nicht, wenn ich verarscht werde."
"Ok, schon gut, dann eben kein Spaß."
"Das soll Spaß sein? Wie kann man nur so negativ sein?"
"Was ist denn daran negativ?"
"Es ist negativ, wenn du mich verarscht, weil ich nicht verarscht werden will."
"Das klingt logisch. Ok, was möchtest du?"
"Ich finde, dass unsere Beziehung keinen Sinn mehr macht. Ich bin unzufrieden. Wir können aber Freunde bleiben."
"Bitte? Ich dachte, es wäre negativ, jemanden zu verarschen?"
"Ich verarsche dich nicht. Ich kann nicht mehr mit dir. Du bist einfach so depressiv."
"Ja, ich bin so depressv, nämlich viel weniger depressiv als noch vor zwei Jahren, als ich mit meiner Therapie angefangen habe."
"Du hast da eine ganz falsche Wahrnehmung."
"Andere Leute finden, dass sich durchaus in den letzten Jahren etwas geändert hat. Meine beste Freundin hat mir gesagt, dass ich mich heute viel mehr öffnen kann als noch vor vielen Jahren. Die kennt mich seit ungefähr zehn Jahren."
"Ich kenne dich besser. Was weiß die denn schon?"
"Die wei√ü eine ganze Menge, denn sie war es, die mir immer beigestanden hat, wenn es mir schlecht ging. Sie war es, die mich besucht hatte, als ich damals von der Intensivstation entlassen wurde. Sie war da und hat sich darum gek√ľmmert, dass ich mal dusche. Sie hat mir Rasierzeug mitgebracht und etwas zum Rauchen. Sie hat mich auf die Beine gestellt und daf√ľr gesorgt, dass ich aufstehe und mit ihr eine rauchen gehe. Sie wu√üte, dass wenn man einen Raucher eine Zigarette in den Mund steckt, er dann seinen Arsch hochbekommt zum rauchen. Das weckt die Energie. Sie war auch die erste, der √ľberhaupt aufgefallen war, dass ich von der Bildfl√§che verschwunden war."
"Wie kann man nur so negativ sein und gleich anfangen zu rauchen?"
"Ok, du willst mich nicht verstehen."
"Dich kann man nicht verstehen."
"Meine beste Freundin und meine Therapeutin sehen das anders."
"Du hast da eine völlig falsche Wahrnehmung."
"Komm doch mal zu einer Sitzung bei meiner Therapeutin mit."
"Was soll das denn bringen? Soll das so eine Art Paartherapie sein? Das bringt doch nichts. Selbst wenn du es wollen w√ľrdest, w√ľrdest du es doch nicht k√∂nnen, dich zu √§ndern, weil dir die F√§higkeit dazu fehlt."
"Mir fehlt die Fähigkeit? Heißt das, dass ich keine Chance habe und mir gleich den Strick nehmen kann?"
"Siehst du? Immer muss ich Angst haben, dass du dir einen Strick nimmst. Damit kann ich nicht leben. Ich habe nicht genug Kraft f√ľr mich und f√ľr deine Depressionen. Du bist einfach nur negativ."
"Paß mal auf, Antje, wenn ich so etwas höre, dann macht mich das depressiv. Ich finde, wenn hier einer negativ ist, dann bin das nicht ich."
"Du hast eben nicht die richtige Wahrnehmung."
"Gut, dann können wir es auch lassen. Du hast mich also abgeschrieben. Sag mir doch mal, seit wann du mich schon abgeschrieben hast?"
"Darum geht es doch gar nicht. Das war jetzt eine ganz spontane Reaktion von mir, weil ich eben unzufrieden bin."
"Jetzt bin ich unzufrieden und deswegen lege ich auf."
"Ja, toll, so löst du Probleme, wie negativ."
"Ach, man löst Probleme also richtig, wenn man den anderen als unfähig abstempelt und abserviert?"
"Du hast eine falsche Wahrnehmung."
[Klick]

So ganz verstanden habe ich das jetzt ja nicht, aber ich habe zumindest kapiert, dass mir keine Chance und keine Zeit gegeben wird. Ich werde dann jetzt besser mal alles, was hier von ihr noch herumliegt in die M√ľlltonne werfen. Ich ertrage es nicht, auf diese Dinge starren zu m√ľssen.
__________________
(c) J√ľrgen Erbe

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