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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ansichtssache
Eingestellt am 02. 04. 2003 19:55


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CĂ€cilie
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2003

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„Zweiundvierzig“, verkĂŒndete ich und erhob mich langsam wieder.
Meine Knie schmerzten, in meinem Kopf wummerte es und ich verspĂŒrte das dringende BedĂŒrfnis, mich auf der Stelle in Luft aufzulösen.

Vier Augenpaare starrten mich unglÀubig an.
„Bist Du sicher?“ fragte Michael. Ich warf ihm einen bösen Blick zu. „NatĂŒrlich bin ich sicher. Du kannst Dich aber gerne selbst ĂŒberzeugen.“
Hendrik stöhnte leise auf.
Jan lehnte an der Wand und tappte mit den Fingerkuppen auf der Platte des Bistrotisches herum. Immer wieder. „Tadadadapp, Tadadadapp, Tadadadapp“. Ein sicheres Zeichen dafĂŒr, daß er kurz vorm Ausflippen war.

Simon saß auf der Sofakante und hatte seinen Kopf in den HĂ€nden vergraben. Wie ein HĂ€ufchen Elend sah er aus. Dort, wo sein Gesicht nicht von den HĂ€nden verdeckt war konnte ich erkennen, daß es sich langsam von kalkweiß zu dunkelrot verfĂ€rbte. Ich hĂ€tte mich gerne neben ihn gesetzt und ihn in den Arm genommen. Aber ich wußte, wenn ich ihn jetzt berĂŒhrte, wĂŒrde er außer sich geraten.

Die Erkenntnis traf uns alle wie ein Donnerschlag. In erster Linie waren natĂŒrlich Simon und ich betroffen. Schließlich hatten wir eine Menge Geld investiert.
Aber auch fĂŒr Hendrik und Jan war es hart. Beide hatten viel Zeit aufgewendet.

Hendrik war der KĂŒnstler unter uns. Und so reagierte er auch. Er sagte erst einmal nichts, zog sich zurĂŒck und schien still vor sich hin zu leiden.

Jan war eher fĂŒrs Grobe zustĂ€ndig. Er konnte richtig malochen, stundenlang. Das tat er auch gerne, wenn das Ergebnis letztendlich stimmte. Jetzt war er im höchsten Maße grantig.

Der Einzige der nicht wirklich betroffen war, war Michael.
Er war zufĂ€llig vorbeigekommen, als wir schon fast fertig waren. So wurde er Zeuge des letzten Aktes, der eigentlich krönender Abschluß unseres arbeitsreichen Tages hĂ€tte sein sollen.

Und dann diese böse Überraschung. Nach der großen Euphorie die erste blasse Ahnung, daß etwas nicht stimmen könnte. Danach die Gewissheit: Etwas war grĂŒndlich daneben gegangen.

Ich war furchtbar enttĂ€uscht. Im Raum lastete Schweigen, unausgesprochene VorwĂŒrfe hingen in der Luft. Und das permanente „Tadadadapp, Tadadadapp, Tadadadapp“ von Jan machte mich völlig verrĂŒckt. Am liebsten hĂ€tte ich ihn angebrĂŒllt „Hör auf, verdammt!“ Aber ich verkniff es mir.

Simon ließ seine HĂ€nde sinken. Er wandte sich Hendrik zu. „Sag mal, gibt es irgendeine Möglichkeit...“
„Vergiß es!“ fauchte Jan. „Wie stellst du dir das vor? Das Teil ist fertig, kompletto, verstehst du? Hat ja auch lange genug gedauert. Scheiße!“ Er stieß sich von der Wand ab und begann im Zimmer auf und ab zu wandern. Das war noch schlimmer als das „Tadadadapp, Tadadadapp, Tadadadapp“.

Simon schickte erneut einen hoffnungsvollen Blick zu Hendrik. Aber Hendrik schĂŒttelte langsam den Kopf. „Das ist wirklich nicht so einfach“ sagte er.

Mir war zum heulen zumute. Aber ich wollte versuchen, die Stimmung ein bißchen auf Normalmaß zu bringen, sofern das ĂŒberhaupt möglich war.
“Leute, wir können im Moment nichts daran Ă€ndern, oder? Wollen wir vielleicht erst mal ein Bierchen trinken? Ich finde wir haben eine Pause verdient.“

Jan blaffte mich zornig an:
„Wie kannst Du jetzt an ein KaffeekrĂ€nzchen denken? Mich interessiert kein Scheiß-Bier! Ich möchte wissen, welchem Idioten wir diesen Mist zu verdanken haben.“

Jetzt reichte es mir.
„Weißt du was, Jan? Ich glaube wir sind im Moment alle sauer. Aber das bringt uns kein StĂŒck weiter. Und außerdem: Leben mĂŒssen schließlich Simon und ich damit – nicht du. Also hör jetzt bitte auf, so auszuflippen.“

„Sie hat recht“, sagte Michael.

„Sie hat recht, sie hat recht“, Ă€ffte Jan ihn nach. „Das sagst du so. Du hattest schließlich mit der ganzen Sache nichts zu tun. Du hast nicht wochenlang deinen Feierabend geopfert fĂŒr die Phantasien unseres TraumpĂ€rchens hier, und jetzt guck dir die Scheiße doch an. Da soll man nicht sauer sein?“

Ich war erbost. NatĂŒrlich hatte Jan viel Zeit investiert in unsere Idee. Aber jetzt tat er gerade so als wĂ€re es ein reiner Freundschaftsdienst gewesen, der ihn jetzt dazu berechtigte auf uns herumzuhacken, nur weil irgendetwas schief gegangen war. Das war nicht fair. Wir hatten Hendrik und Jan schließlich gut bezahlt, und außerdem hatte es ihnen auch Spaß gemacht.

Hendrik mußte meine Gedanken erraten haben.
„Nun mach mal halblang, Jan“ brummte er. „Wenn ich mich recht entsinne warst du ganz froh ĂŒber diesen Zusatzauftrag. Du konntest das Geld gebrauchen, oder irre ich mich?“

Ich hatte keine Lust mehr, mir das weiter anzuhören. Sollten sie sich doch alle zerfetzen.
Ich wĂŒrde jedenfalls erst mal ein Bier trinken. Das wĂŒrde nichts Ă€ndern, aber vielleicht half es, meine Nerven ein wenig zu beruhigen.

Auf dem Weg in die KĂŒche stolperte ich ĂŒber das im Flur herumliegende Telefonkabel. Gerade noch rechtzeitig konnte ich mich an der Kommode festhalten und ersparte meinem ohnehin schon ziemlich strapazierten Körper damit weitere Blessuren.
Nicht noch ein UnglĂŒck heute. Bitte nicht.

Ich wankte in die KĂŒche, ließ mich schwer auf einen Stuhl fallen und langte in die unter dem Tisch stehende Bierkiste, um mir eine Flasche herauszuziehen.
Warm. Es war natĂŒrlich warm. Der KĂŒhlschrank stand schon an Ort und Stelle, war aber leider noch nicht in Betrieb.

WĂ€hrend ich langsam trank, drangen die immer lauter werdenden Stimmen aus dem Wohnzimmer in meine Ohren. Dann hörte ich, wie die WohnungstĂŒr geöffnet und anschließend wieder zugeknallt wurde.

Simon kam in die KĂŒche. Er zog die TĂŒr hinter sich zu und sah mich an. Besonders glĂŒcklich wirkte er nicht. „Sie sind weg.“

Ich schob ihm ein warmes Bier rĂŒber.
„Haben wir es nicht gut, Simon? Wir haben den schönsten Schrank der Welt.“
Ich grinste schwach, aber ein paar TrĂ€nen liefen mir ĂŒbers Gesicht.
„Oh ja“, antwortete Simon. „Wir haben den schönsten Schrank der Welt. Selbst entworfen. Maßgetischlert. Richtig viel Geld hat er uns gekostet.“
Ich nahm einen weiteren Schluck aus der Flasche. „Und unsere Freunde hatten richtig viel Arbeit damit.“
Simon nickte. „Sehr viel Arbeit, ja. Und er ist wirklich toll geworden. Aber er ist zweiundvierzig Millimeter zu breit fĂŒr die lĂ€ngste Wand unserer Wohnung.“
„Naja.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Oder die lĂ€ngste Wand unserer Wohnung ist einfach zweiundvierzig Millimeter zu kurz fĂŒr unseren Schrank.“

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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oh,

was fĂŒr ein malheur! da kann man nur hoffen, dass die freundschaft nicht daran zerbricht . . .
sehr schön und spannend erzÀhlt.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
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hallo cÀcilie,

eigentlich ist an deiner geschichte alles ok, teilweise sogar ausgezeichnet...
...bis auf die logik.
irgendwo am ende deines textes taucht das wort maßgetischlert auf. auf welches maß denn? auf das falsche scheinbar. wie es dazu gekommen ist, darĂŒber lĂ€ĂŸt du deine leser im unklaren.

von r. dahl (?) gibt es eine geschichte ĂŒber einen angeblich antiken schrank (oder war es ein schreibtisch?). am ende stellt sich heraus, daß das gute stĂŒck erst in der werkstatt des hĂ€ndlers aus anderen möbeln zusammengebaut und verleimt wurde. als der kunde das teil abholen will, paßt es durch keine tĂŒr. es kann also auch nicht hineingelangt sein.
das ist eine pointe.
bei deiner geschichte kann ich mich nur ĂŒber die dummheit aller beteiligten amĂŒsieren, was aber sicher nicht deine intention ist.

obwohl der dummspruch von wegen richtig viel geld hingelegt, zum niveau deiner prots passen wĂŒrde. wenn du darauf hinaus willst, fehlt mir aber noch mindestens ein weiterer hinweis auf deren beschrĂ€nktheit.


aber, bis auf den schluß wiederhole ich nochmals: eine stellenweise ausgezeichnete, insgesamt sehr gute umsetzung deiner idee. nur leider ist die idee, verzeih`, nicht ganz ausgereift.

grĂŒĂŸe

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hi C.

Ich finde die Geschichte an sich auch prima. Was mir fehlt, ist eine stĂ€rkere Dramaturgie, die eine etwas grĂ¶ĂŸere Explosion am Ende hervorrufen wĂŒrde. Also einen grĂ¶ĂŸeren Aha-Effekt auslösen wĂŒrde.

Schöne GrĂŒĂŸe
Socke

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