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Leselupe.de > Humor und Satire
Antiheldensagen - Der truthahnfischende Kalabastanier
Eingestellt am 08. 02. 2002 13:32


Autor
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Kaiser Nero
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2001

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H√∂rt, h√∂rt!!! Wir alle kennen die zahlreichen Sagen √ľber den Sch√∂nling Prinz Eisenherz & Co. aber oftmals wird vergessen, dass es neben den silberschwertschwingenden Helden auch noch Menschen gab, die nie in einer einzigen Geschichte erw√§hnt werden, aber ebenso einen Platz in unserem Herz verdient h√§tten.
Vor vielen Hunderten von Jahren war der mittelgroße, langhaarige Aaron Asbest König von Kalabastanien, einem kleinen, friedlichen aber von Un- und Inzucht schwerst geschädigten Reich. Aaron Asbest war nicht schön und auch nicht besonders sportlich, aber er war ein weiser und freundlicher Mann, der seit seinem 18. Lebensjahr, als sein Vater Frederik der Flatulenzler tragisch ums Leben kam, voller Stolz auf dem Königsthron saß.
Schon damals wusste man, dass Truthahnfischen wohl war keine königliche Sache ist. Er jedoch, König Aaron Asbest von Kalabastanien konnte nicht anders.
Er war s√ľchtig danach, mit seinen aus Jungfernhand vergoldeten Angeln aus Zedernholz und mit in Vollmondn√§chten aus Adlerdarm angefertigten Fangnetzen gemeinsam mit seiner Mannschaft s√§mtliche in seinem Reich befindliche B√§che und Fl√ľsse anzusteuern um nach fetten, braunen Truth√§hnen zu fischen. In ganz Kalabastanien war es noch niemandem gelungen einen Truthan an Land zu ziehen, ja wahrscheinlich hat noch kein Mensch auf dieser Welt einen Truthahn gefischt. Er jedoch, K√∂nig Aaron Asbest von Kalabastanien konnte nicht anders.
Aus heiterem Himmel zog mitten im Sommer w√§hrend eines gro√üen festlichen Ritterturnieres, bei welchem man um die Gunst von Aarons Schwester Agnes der L√§ufigen werben konnte, eine riesige bis an die Z√§hne bewaffnete, hunnisch brutale Heuschreckenbande √ľber das Land einher und fra√ü s√§mtliche Nahrungsvorr√§te und unbewachte Kleinkinder auf. Es herrschte Staatstrauer und alle, ja Bauern, Prostituierte, Gaukler, Lehrer und sogar Gefangene halfen bei der Nahrungsbeschaffung und gingen n√§chtelang in die von M√∂chtegernhexen und Pestkranken bewohnten W√§lder, um meist erfolglos, zu jagen. Alle? Nein, Asbest nicht, er sa√ü seelenruhig und mit knurrendem Magen am Flu√üufer, lie√ü seine F√ľ√üe im Wasser baumeln und warf fr√∂hlich pfeifend seine Angel aus, um nach Truth√§hnen zu fischen. Seine Berater meinten es schicke sich nicht f√ľr einen K√∂nig, sein Volk nicht zu unterst√ľtzen. Er jedoch, K√∂nig Aaron Asbest von Kalabastanien konnte nicht anders.
Nach 3 Tagen packte er etwas entt√§uscht ob der abermaligen Leere seines aus Oberschenkelknochen von Kriegsgefangenen gefertigen Truthahnk√§figes seine Sachen, zog seinen samtroten, mit Truthahnk√∂pfen bestickten K√∂nigsmantel √ľber und ging freundlich gr√ľ√üend an seinen verhungernden Mitmenschen vorbei zur√ľck ins Schloss. Aaron wusste, dass sein Volk am verhungern war, und wenn sie nicht zu schwach zum K√§mpfen gewesen w√§ren, h√§tten sie wahrscheinlich seine Burg gest√ľrmt. Doch was sollte er tun? Die gesamte Ernte wurde von den diabolischen Heuschrecken zerfressen und Wild gab es auch keines zu essen, denn die Tiere hatten den Wald l√§ngst verlassen um in den S√ľden zu ziehen, einfach so, niemand wusste warum. Er jedoch, Aaron, wusste, dass es wohl war wichtigere Dinge gibt, als Nahrung. Er rief s√§mtliche Hofdiener herbei und ritt 2 Tagesm√§rsche auf seinem gefleckten abgemagerten Schimmel aus, um mit seiner gesamten Belegschaft nach Truth√§hnen zu fischen. Karpfen, Hechte und allerlei Fischiges wurden an Land gezogen. Asbest jedoch gab den Befehl s√§mtliche Tiere wieder ins Wasser zu werfen. Es sei nicht seines Volkes W√ľrde, so Aaron Asbest, Fische zu verspeisen. Sein Land br√§uchte wohlschmeckendere Mahlzeiten; lieber lasse er sein Volk und sich selbst verhungern, als Fische zu fressen, so Aaron w√∂rtlich.
Und so zogen die Truthahnfischer nach tagelanger, nat√ľrlich erfolgloser Jagd wieder zur√ľck in die Stadt, wo nur noch Leichen vorzufinden wahren. Pest√ľbertragende Ratten nagten an den leblosen K√∂rpern, jedoch war nicht einmal mehr genug Nahrung f√ľr das Rattenvolk √ľbrig, und die Pest interessierte nun auch niemanden mehr, denn Tote Menschen bekommen keine Pest. Schlie√ülich starb auch noch das gesamte Burgpersonal und nur noch er, Aaron Asbest, K√∂nig von Kalabastanien hatte etwas Nahrung √ľbrig. Er war nun K√∂nig eines toten Volkes. Nichtsdestotrotz, schn√ľrte er fr√∂hlich pfeifend seine Lederschuhe, schnappte sich seine Angel und zog freundlich die Leichen gr√ľ√üend an den leblosen Stra√üen entlang gen Flu√ü. Er wusste, dass wenn er nun bald nichts zu essen bekommen w√ľrde auch er sterben w√ľrde, der letzte Einwohner von Kalabastanien. Nach einigen Minuten am Flu√ü fischte er einen riesengro√üen Karpfen.
Die Versuchung ihn zu verspeisen war groß. Aaron warf ihn jedoch ins Wasser. Jeder andere hätte den Karpfen verschlungen und nicht nach Truthähnen weiter gefischt. Er jedoch, Aaron Asbest, König von Kalabastanien konnte nicht anders.
Und so geschah es, dass Aaron Asbest, K√∂nig von Kalabastanien nur wenige Stunden sp√§ter total √ľberm√ľdet zusammenbrach und regungslos liegen blieb.
Wenige Kilometer weiter bemerkte ein Grenzdiener des benachbarten Reiches, dass ein Mann mit einer Angel in der Hand tot ans Ufer geschwemmt wurde. Am Angelhaken hing der gr√∂√üte Truthahn der je gesehen wurde. Der Truthahn musste sich verfangen und den toten K√∂nig mitgezerrt haben. Dieser Truthahn war Nahrungsspender f√ľr die ganze Welt und niemand brauchte mehr zu hungern. Aaron Asbest, K√∂nig von Kalabastanien musste sterben, um sich seinen Traum vom gefischten Truthahn zu erf√ľllen. Aber was noch viel wichtiger war, er rettete die gesamte Menscheit. Auch wenn sein Volk starb, so sollte es nie vergessen werden, und auch die Tradition des kalabastanischen Truthahnfischens ist heute zu Unrecht l√§ngst vergessen. Viele halten das Truthahnfischen f√ľr Unn√∂tig oder veraltet. Er jedoch, Aaron Asbest, K√∂nig von Kalabastanien, konnte nicht anders.
__________________

http://dude.at/panhandler

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