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Leselupe.de > Kurzprosa
Apathie
Eingestellt am 04. 01. 2005 15:13


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Galaxy
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Apathie

Apathy, the chosen way to be
[Staind - Price To Pay]


Als es mir schlecht ging und ich noch larmoyant genug gewesen bin, es nicht hinter der vertrauten Maske der Albernheit zu verbergen, habe ich recht oft zu h├Âren bekommen, ich d├Ąchte zu viel nach.

ÔÇ×Denk einfach nicht dran! Es ist unn├Âtig. Du kannst das Leben nicht ├╝berlisten und wenn du weiterhin daran rumgr├╝belst, statt dich vom Boden zu erheben und es zu vergessen, bist du selber schuld, dass du leidest.ÔÇť

Das sagten sie.

Okay, denken war also schlecht. Sich ungl├╝cklich zu f├╝hlen auch. Das verstand ich. Aber wie entkommt man dem Denken, wenn man sich doch jeden Abend ins Bett legt und die leere Zeit vor dem Verfallen ins Land der Tr├Ąume mit nichts anderem zu f├╝llen wei├č? Wie h├Ârt man auf, sich schlecht zu f├╝hlen, wenn die eigenen Gef├╝hle kleine Monster sind, die prinzipiell gegen den Willen der Ratio handeln?

L├Âsung: Man geht in Urlaub und lernt eine sehr genehme Dame namens Apathie kennen.

Den Urlaub von mir selbst nahm ich mir lustigerweise zeitgleich mit meinem buchst├Ąblichen Urlaub. Ich war allein, hatte mehr Zeit zum Nachdenken und zum Leiden, aber weder die Lust zum einem, noch zum anderem. Aber hey, wieso musste ich immer reflektieren und verarbeiten? Wieso nicht dem Rat der anderen folgen und einfach vergessen, und dabei ebenfalls vergessen, dass so eine Art von Vergessen eigentlich Verdr├Ąngen bedeutete?

Ja, warum nicht?

Ich tat es. Zensierte mich. Blendete mich aus. Es war weder gut, noch schlecht, aber nachdem es so lange nur schlecht gewesen ist, war eine gleichg├╝ltige Haltung ein erfreulicher Fortschritt. Es lief prima, ich lebte befriedigt vor mich hin. Zeitweise.

Denn Apathie ist eine kleine perfide Heuchlerin. Sie besch├╝tzt dich gro├čherzig vor negativen Gef├╝hlen, nur damit sie dich sp├Ąter eigenh├Ąndig und um einiges langsamer erlegen und hinrichten kann. Denn sie besch├╝tzt dich, indem sie einfach alle Gef├╝hle abschirmt. Und dann stirbst du mental. An Gef├╝hlsmangel. So, als w├╝rdest du v├Âllig aufh├Âren zu essen, nur um nicht die Gefahr einzugehen, etwas Vergiftetes zu erwischen.

Bei mir ist es so weit. Ich bin innerlich tot, nur noch eine H├╝lle aus humanoidem Fleisch. Die nicht in der Lage ist Faszination oder Verbundenheit zu erleben. Ich hab keine Lust mehr auf euch alle. Ihr seid mir egal. Ihr seid anstrengend. Und doof. ├ťberaus doof. Wie geil....

Aber nun gut, denken wir mal rational: Warum sollte ich f├╝r euch leben? Seht ihr, da f├Ąllt auch euch nichts ein. Also lasse ich es.

Oh, und noch ein kleiner Tipp an diejenigen, die meinen, sie h├Ątten es n├Âtig wegen dem, was ich gleich tun werde, zu wimmern und zu leiden: Denkt nicht dran! Es ist unn├Âtig. Wenn es euch weh tut und ihr es zulasst, seid ihr selber schuld. So einfach ist das.
__________________
It's obvious your lips can kill
But you don't care it's blood you`ll spill

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sohalt
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Selbstironisch. Gef├Ąllt mir.

Einzig der Knalleffekt am Schluss scheint mir nicht recht zur lethargischen Grundstimmung zu passen. F├╝r einen, der das mit der Apathie so richtig verinnerlicht hat, w├Ąre Selbstmord wohl eine viel zu melodramatische Aktion. Allein, die Tatsache, dass es ├╝berhaupt eine Aktion ist, disqualifiziert es eigentlich schon f├╝r den Apathischen. Es gibt ja de facto keine gr├Â├čere Energieverschwendung als Selbstmord, denn den Tod kriegt jeder gratis bald genug. Wer so richtig sch├Ân apathisch ist, der modert stattdessen einfach friedlich vor sich hin. Das ist das Sterben der Apathischen und das hast du ja eigentlich auch vorher recht h├╝bsch so herausgebracht.

lg
sohalt

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Galaxy
Hobbydichter
Registriert: Jan 2005

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Stimmt, wenn die klassische reine Apathie gemeint w├Ąre, w├Ąre der Suizid ├╝berfl├╝ssig.

Ich hatte es eher auf einen Verlust aller positiver und vieler negativer Gef├╝hle abgesehen. Also keine absolute Apathie. Der Protagonist ist noch in der Lage sich ungl├╝cklich zu f├╝hlen, dass ihn sonst nichts ber├╝hrt. Ein Leben fast ohne Gef├╝hlsregungen erscheint nicht so wertvoll, um sich anzustregen und es zu leben. Also warum fortf├╝hren?
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