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Leselupe.de > Humor und Satire
Aphrodites Problem
Eingestellt am 19. 08. 2003 20:10


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Galimathias
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2003

Werke: 8
Kommentare: 11
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Von allen hirnrissigen GrĂŒnden, die jemals einen Mann bewogen haben eine vielversprechende Beziehung mit einer Frau zu beenden, glaube ich den absurdesten vortragen zu können. Dies allerdings ohne Stolz, Genugtuung oder Freude. Der vielversprechende Teil dieser Beziehung begann wĂ€hrend einer Lesung im stĂ€dtischen Museum bei der wir bemerkten das wir beide an den gleichen Stellen laut lachten. Leider missfiel dies den ĂŒbrigen Zuhörern, die diesem Lese-Abend mit dem Thema „Innovative Kirche“ keine komische Note abgewinnen konnten. Und so blieben wir die einzigen GĂ€ste, die in der Pause gebeten wurden den Lesesaal nicht mehr zu betreten. Das wĂ€re allerdings gar nicht nötig gewesen, denn lĂ€ngst waren wir uns sicher einer verwandte Seele aufgespĂŒrt zu haben und verbrachten den restlichen Abend miteinander. Wir lachten, stammelten verlegen, verstellten uns nach bestem Wissen und Gewissen um dem anderen zu imponieren, ganz wie in der Tierwelt.
Am Ende eines wunderschönen Abends, der langsam von einem Morgen abgelöst wurde tauschten wir noch alle nötigen Daten wie Visitenkarte, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Handy-Nummer, zweite E-Mail-Adresse, zweite Handy-Nummer aus und besiegelten per Zungenschlag unsere neue Verbundenheit.

Die folgende Woche erlebte ich in einer Art „Weichzeichner-Optik“, die man sonst nur aus kunstvollen Nacktstreifen kennt, in denen meist ein kleiner Junge inmitten einer Gruppe lĂŒsterner Frauen die Hauptrolle spielt. Dieser verklĂ€rte Zustand ließ mich all die kleinen Dinge, die das Leben unlebenswert machen, vergessen. Stattdessen hatte ich nur Gedanken fĂŒr den neuen Menschen in meinem Leben. Und ihr Gesicht tauchte öfter vor meinem geistigen Auge auf, als es meinem ĂŒblichen Tagesablauf gut tat. Aber ich gab nichts auf Kollegen, die sich ĂŒber meinen Kaffee auf ihrem Schoß beschwerten oder auf angefahrene Passanten, die immer noch flink genug waren, meinem Wagen gute zwei Kilometer mit drohenden GebĂ€rden hinterher zu laufen. Alles was in diesen Tagen zĂ€hlte war das perfekte Gesicht der Frau mit dem pechschwarzen, hochgesteckten Haar. Die Eleganz, die von dieser Person ausging war atemberaubend und ich badete jeden Augenblick den ich mit ihr gemeinsam hatte darin.

Doch dann geschah etwas, dass wohl irgendwann fast jedem frisch verliebten Paar einmal passiert – ein Regenguss.
Wir waren uns nĂ€mlich einig, dass wir beide uns Zeit lassen sollten ehe wir Bekanntschaft mit der BettwĂ€sche des anderen machten. Schließlich wollten wir beide eine ernste Beziehung und vermieden es daher uns lĂ€nger als zwei Minuten alleine in einem Raum aufzuhalten, weil sonst dieser Vorsatz nicht den Hauch einer Chance gehabt hĂ€tte. Bei unserem Zug um die HĂ€user fing es also eines Abends an zu regnen und ich meine damit keine kleinen Tröpfchen, die einen fĂŒr kurze Zeit Ă€rgern, sondern einen Guss, der in einem den Reflex auslöst Holz fĂŒr eine Arche zu sammeln. Und natĂŒrlich befanden wir uns zu diesem Zeitpunkt auf einem Spaziergang, weit weg von jeglicher Art des Unterschlupfes. Es blieb uns nichts anderes ĂŒbrig als eng umschlungen allen Naturgewalten zu trotzen, was sich als Vorteil dieser plötzlichen Schlechtwetterfront entpuppte. Doch kaum war diese vorĂŒbergezogen und meine Augen vom sauren Regen befreit, sah ich, was der Niederschlag meiner Liebsten angetan hatte. Aus ihrer hochgesteckten Flut schwarzer, samtseidiger Erotik, die ein Außenstehender sicher nur plump als Haare bezeichnet hĂ€tte, war ein pelzĂ€hnliches Trauerspiel geworden, dass sich jetzt strĂ€hnig und glanzlos auf ihre Schultern fallen ließ. Und noch schlimmer war, was die Offenheit ihrer Haare ihr antat. Sie sah jetzt aus wie dieser Indianer aus dem Film „Einer flog ĂŒber das Kuckucksnest“, der am Ende den kaltgestellten Jack Nicholson mit dem Kissen erstickt und dann aus der Irrenanstalt ausbricht. Ja, sie sah aus wie ein hundertjĂ€hriger Indianer, der mich jetzt anlĂ€chelte.
Was war aus der Frau geworden, in die ich mich wĂ€hrend der Trockenzeit verliebt hatte? Kann man sich durch ein paar Spritzer Wasser so verĂ€ndern? WĂ€hrend ich sie unglĂ€ubig anstarrte, quetschte sie sich das Wasser aus dem, was ich jetzt nicht mehr Haar nennen wollte und sagte: „Ich denke fĂŒr den Rest des Abends warÂŽ s das mit dem Hochstecken.“ Und mir schoss es durch den Kopf: “Ich denke wohl das warÂŽ s fĂŒr den Rest des Abends“.
Ich weiß auch nicht mehr genau welche Ausrede ich erfand, um sie schließlich loszuwerden, aber sie nahm sie mir ab. Sie hĂ€tte mir wirklich alles abgenommen, denn mit dem Lösen ihrer Haare schien nicht nur eine optische Verwandlung bei ihr stattzufinden. Sie kicherte albern an den falschen Stellen, quasselte ĂŒber ihre Ex-Liebhaber und zĂ€hlte alle SchwĂ€chen auf, die ein Mann an ihr ertragen sollte. Im Großen und ganzen also alles Sachen, auf die man bei einem Date eigentlich nicht scharf ist. Ich war an diesem Abend also strenggenommen mit zwei verschiedenen Frauen ausgegangen. Bei der einen vergaß ich mich und die andere hĂ€tte ich am liebsten vergessen.

In den nĂ€chsten Tagen rief ich sie nicht an und antwortete nicht auf ihre Anrufe. Ich wollte mir aber etwas einfallen lassen um die Sache vernĂŒnftig zu beenden. Aber sie hatte wohl Lunte gerochen und stand plötzlich vor meiner WohnungstĂŒr in diesem schwarzen Kleid, das sicher leicht zu öffnen war und ihren hochgesteckten Haaren. Ich wĂ€re am liebsten in die Knie gegangen und gleichzeitig an die Decke gesprungen. Stattdessen bat ich sie herein und erwarte eine peinliche Situation. Die gab es aber nicht. Sie war nicht wĂŒtend oder so. Entweder ĂŒberspielte sie es oder sie war es wirklich nicht. Und einer ihrer AugenaufschlĂ€ge hatte bei mir sowieso genĂŒgt, um es mit der GefĂŒgigkeit eines abgerichteten Pitbullterriers aufnehmen zu können. Sie war charmant, witzig, machte kluge Bemerkungen zu meiner Sammlung von Arnold Schwarzenegger-Filmen und hatte sogar ein Teil der BĂŒcher gelesen, die mein Vormieter mir hinterlassen hatte. Keine Spur vom Indianer. Der Abend war perfekt. So perfekt, dass ich mir irgendwann die Frage stellte, ob das Tragen einer bestimmten Frisur Gegenstand in einem Ehevertrag werden könnte. Bei diesem Gedanken erschrak ich aber vor mir selber und widmete mich wieder ihren geistreichen ErzĂ€hlungen, die aus ihr heraussprudelten.
Kurze Zeit spĂ€ter stoppte ich mich im Geiste bei der These, dass so geschnĂŒrtes Haar vielleicht generell die Blutzufuhr zum Hirn fördere. Und als ich mich schließlich bei dem Gedanken ertappte, noch einmal den Vergleich mit ihrer Mrs. Hyde anstellen zu wollen, indem ich ihr zufĂ€llig einen Eimer Wasser ĂŒber den Kopf goss, wusste ich, dass etwas passieren musste.
„Hör mal, da gibt es etwas, was ich dir sagen muss. Du wirst es sicher nicht gerne höre, aber...“
„Nein, ich habe etwas zu sagen“, unterbrach sie mich energisch, “deswegen bin ich ja hier. Ich wollte dir nur sagen, dass es nicht funktionieren kann. Du bist nett, wir verstehen uns sehr gut und ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß ohne das...na, du weißt schon. Und ich hatte gedacht es wĂŒrde mir nichts ausmachen, aber ich habe mir selber etwas vorgemacht. Und mir ist in den letzten Tagen klar geworden, dass ich nicht mit einem Mann zusammensein kann, der... also... es sind deine abstehenden Ohren!“
„Wie bitte?“
„Na als wir bei dem Platzregen so nass wurden, da sind mir erst deine Ohren aufgefallen. Sie stehen ein bisschen ab, finde ich.“
Ich wollte protestieren, da meine Ohren alles andere als segeln. Sie stehen halt nur anders auf Empfang als andere und, ist das ein Verbrechen? Und ich wollte ihr sagen, dass ich mir von einem nassen Indianer nicht so etwas sagen lasse, aber sofort fiel mir ein, das es so ja noch besser lief, als ich es geplant hatte.
„Ja, also wenn du meinst, dass du dir ein Leben mit Dumbo dem Elefanten nicht vorstellen kannst, dann kann ich das verstehen. Wenn mir so etwas an dir auffallen wĂŒrde, hĂ€tte ich sicher auch meine Probleme damit.“
Hugh, ich habe gesprochen, fĂŒgte ich Gedanken an.
Sie bat mich noch eine Viertelstunde um VerstÀndnis, spazierte dann aus meiner Wohnung und aus meinen Leben und seitdem findet mein erstes Rendezvous mit einer Frau immer in einem Schwimmbad statt, damit ihr gleich meine Ohren auffallen.

__________________
Das Leben so kurz, so lange zu lernen die Kunst. Die MĂŒhe so hart, so ĂŒbermĂ€chtig der Sieg! (Chaucer)

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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

Werke: 15
Kommentare: 88
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Lieber Galimathias,
ein interessanter Anfang, ein ĂŒberzeugendes Ende und auch dazwischen eine wirklich nette Anti-Love Story, die mir viel Spaß bereitet hat.
LG
Doro

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niclas van schuir
Guest
Registriert: Not Yet

Du bittest um ehrliche Reaktionen. Nun gut:

Die Idee deiner Geschichte ist nicht ĂŒbel, ein paar Passagen oder SĂ€tze sogar witzig, aber ...
Die Orthographiefehler und der höchst zwanglose Umgang mit der Interpunktion machen das Lesen zur Qual! Ich stelle mir Literatur anders vor.
Gruß, Niclas

P.S.: Es gibt Lektoren fĂŒr diejenigen, die ihre Schreibprobleme nicht in den Griff bekommen.

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