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Leselupe.de > Humor und Satire
Arbeit macht frei
Eingestellt am 03. 06. 2003 09:08


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schneefee
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2003

Werke: 4
Kommentare: 2
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Bei 40 Grad im Schatten muss ich ein Kostüm tragen. Langärmelig, versteht sich und edel.
Ich schwitze mir fast die Ohren ab.
Aber was tut man nicht alles, um voran zu kommen.

‚Wir haben ein paar sehr kreative Vorschläge für Sie erarbeitet. Sie werden angenehm überrascht sein.’
Mein Kunde sitzt halbärmelig vor mir. In roter kurzer Hose und gelben Hemd. Will der für Maggi Werbung laufen ? Was für eine unerträgliche Farbkombination. Wenigstens schwitzt er nicht in diesem Aufzug.

‚Unser Artdirektor persönlich hat für zwei der Präsentationen Impulse gegeben.’
Wenn der wĂĽsste, dass der beste Ort fĂĽr Ideen das Klo ist.
Es hat sich wahrlich keiner um die Vermarktung seiner Schinkengriller geschlagen. Mich hat es wieder getroffen. Ich hasse fette WĂĽrste. Warum sieht der nur genauso aus wie sein Produkt ?

‚Schauen Sie sich nur in Ruhe unsere Vorschläge an. Besonders intensiv hat uns der zweite Vorschlag beschäftigt. Vielleicht richten Sie Ihr Augenmerk einmal darauf. Aufwendige Marktanalysen haben ergeben, das so der Käufer so nur noch eines kann, nämlich Ihr Produkt kaufen.’
Rede bloß nicht zu kompliziert. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln. Also einfache, klare Sätze für den Maggiwürfel.

‚Gut, nicht wahr ?’
Was tut man nicht alles fĂĽr Hypotheken und Kinder. Haus, Kind, Baum.
Auf jeden Fall schwitzt man auch in einem teuren BusinesskostĂĽm.

‚Wie bitte ? Oh, ja über den Preis der Kampagne werden wir uns einig !’
Mein Gott, der Primat kann reden. So wie der aussieht, will er Handeln. Ich setze den veranschlagten Preis um 30 Prozent höher und lasse mich auf 25 Prozent herunterhandeln.
Der denkt, er hat ein Schnäppchen gemacht und ich kriege einen inneren Orgasmus. Man gönnt sich ja sonst nichts.

‚Ja, Sie haben recht - Vorschlag Nummer drei gefällt mir persönlich auch am Besten. So klar die Aussage. Ihnen gefallen die Farben. Gefühle anregen durch bodenständige Farben. Das Visuelle kann so griffig sein.’
Das war klar, ausgerechnet das Grausamste von Allen. Aber was fällt einem schon auf dem Klo ein ? Pissgelb und Kackbraun. Knackwurstbraun.
Oh Gott, nĂĽchtern ertrage ich den Kerl nicht mehr.

‚Wenn der Preis stimmt, schlagen Sie zu ? Sehr schön, das wird kein Problem für uns sein.
Wir sind an Ihrer Seite. Wenn der Markt auf Macher trifft, kann daraus nur eine schlagkräftige Kombination werden.’
So, jetzt hat die glatzköpfige Fleischmütze es geschafft, ich transpiriere.

‚Ich ziehe mir meinen Blazer aus. Sie haben doch nichts dagegen ? Jetzt wo wir uns fast einig sind, wollen wir Zwei nicht auf unsere zukünftige enge Zusammenarbeit anstoßen ? Ganz in der Nähe gibt es ein sehr nettes Restaurant. Natürlich auf Geschäftskosten. Nein, Sie sind hervorragend angezogen. Die weißen Socken in den Sandalen sieht man doch nicht, die Verschwinden unter dem Tisch.’
Ich werde viel Alkohol brauchen um mir die Situation angenehm zu trinken.

Arbeit macht frei. Wo habe ich das nur zuletzt gelesen ?
__________________
Gehört unser Körper auch der Hölle, hat der Geist doch Flügel für den Himmel

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
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Hallo, schneefee

So ein innerer Monolog, das ist was Feines, nicht wahr?

Mir gefälllt es sehr gut, wie du das sich immer weiter steigernde Selbstmitleid, die Überheblichkeit, die Eitelkeiten und den Dünkel darstellst.

Es mag ja sein, dass der Kunde und sein Produkt peinlich sind. Aber peinlich und lächerlich ist auch die Art, wie deine Protagonistin sich darüber zu erheben. Jeden Versuch, ein wenig Mitleid mit ihr zu haben, erstickt sie selbst im Keim. Das hast du wirklich sauber hingekriegt! Die Geschmacklosigkeit der "Arbeit macht frei"-Assoziation setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Hervorragend!

Kleinere Mäkeleien an der kreativen Zeichensetzung und der nicht ganz sicher durchgeführten neuen Rechtschreibung wären genau das: Mäkeleien.

Ein wirklich böser guter Text. Der macht Lust darauf, mehr von dir zu lesen.

Schöne Grüße von blaustrumpf
__________________
DafĂĽr bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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HerZPiraT
Guest
Registriert: Not Yet

@blaustrumpf: einspruch euer ehren!
@schneefee:
ich habe eine nacht drĂĽber geschlafen.
am ende blieb eine karriere geile tussi
und ein geiler fettsack, der seine position ausnutzt.
und? wo ist der humor? für viele ist das bittere realität.
satire? wo ist die ĂĽberzeichnung?
ja so ekelhaft kann das geschäft sein.
aber der höhepunkt ist deine annspielung auf den holocaust.
blaustrumpf ist begeistert! sie realisiert nicht, dass das eigentlich ein ausrutscher ist, eine furchtbare peinlichkeit!
weisst du eigentlich, was du da schreibst?
gäbe es eine rubrik "provokation", wäre dein werk dort sicherlich gut aufgehoben, wenn auch unfreiwillig.
sorry, schneefee, aber das musste ich loswerden.
der
PiraT

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
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Hallo, HerZPiraT

Kann es sein, dass ich meinen Kommentar nicht deutlich genug formuliert habe?

Ich schrieb: Jeden Versuch, ein wenig Mitleid mit ihr zu haben, erstickt sie selbst im Keim. Das hast du wirklich sauber hingekriegt! Die Geschmacklosigkeit der "Arbeit macht frei"-Assoziation setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Woraus, bitte, schlieĂźt du nun deinerseits, dass ich nicht realisiere, dass das eigentlich ein ausrutscher ist, eine furchtbare peinlichkeit?

Vielleicht nehmen wir den Text einfach zu unterschiedlich wahr. So lese ich beispielsweise nichts von Geilheit beim Werbekunden. Aber so ist es wohl mit den meisten Texten: Zuweilen liest man auch etwas hinein. Oder man liest nicht alles.

Ich empfinde den Text als wenig humorig, aber als sehr satirisch. Der Duden definiert Satire unter anderem als literarische od. künstlerische Darstellung u. Kritik menschlicher Schwächen u. Laster.

Du fragst nach der Überzeichnung. Kennst du viele "Entscheidungsträger", die mit kurzen roten Hosen, gelbem Hemd und weißen Socken in Sandalen unterwegs sind? Der ganze Kunde ist fleischgewordenes Klischee. Oder kann die Protagonistin nur nichts anderes mehr wahrnehmen?

Du fragst schneefee in einem Ton, der die Antwort schon in deinem Sinne vorwegnimmt, ob sie wisse, was sie da schreibe. Ich glaube, sie weiĂź es nur zu gut.

Es ist gut, dass du Einspruch erhebst. Aber mir scheint, hier war er etwas vorschnell.

Schöne Grüße von blaustrumpf
__________________
DafĂĽr bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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HerZPiraT
Guest
Registriert: Not Yet

liebste blaustrumpf,
vielleicht muss bei den profikritikern auch die kritik ein kunstwerk fĂĽr sich sein.
und wahrscheinlich bin ich zu einfältig, um diese feinheiten zu verstehen.
ja, selbst jetzt weiss ich immer noch nicht, was du nun eigentlich ĂĽber dieses werk denkst.
literarisch? künstlerisch? hm, du scheinst in einer schönen, heilen welt zu leben.
und der typ? hast du schon mal mit sehr, sehr reichen amerikanern geschäfte gemacht? das übersteigt jegliches vorstellungsvermögen.
nun, wie auch immer, eins ist sicher: ich habe in dem werk etwas anderes gelesen als du.
ich hätte wohl mit allem leben können, nur nicht mit den letzten zwei sätzen. sie sind eine verhöhnung von millionenfachen leid und tot. inakzeptabel.
aber das ist nur meine ganz unbedeutende, private meinung.
gruss
der
pirat

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

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Hallo, HerZPiraT

Dass ich dir die Liebste sei, wollen wir mal nicht hoffen.

Du attackierst mich nun ein zweites Mal. Ausnahmsweise werde ich auf deine Anmerkungen eingehen.

Wir müssten wohl gemeinsam erst einmal definieren, was für uns jeweils ein Kunstwerk ist. Ich verlange von einer Kritik, dass sie sorgfältig ist. Wenn das für dich schon zum Status als Kunstwerk reicht - bitte.

Was ich von schneefees Text halte, habe ich - meiner Meinung nach - sehr deutlich geschrieben. Hast du mein Fazit Ein wirklich böser guter Text. Der macht Lust darauf, mehr von dir zu lesen. wirklich nicht wahrgenommen?

Und nein, ich lebe nicht in einer schönen, heilen Welt. Und ja, ich habe tagtäglich mit sehr reichen Leuten zu tun - ich arbeite in Liechtenstein. Zuweilen begegne ich auch sehr sehr reichen Leuten.
Einige dieser Leute sind kultiviert, andere nicht. Aber was sagt dir eigentlich in schneefees Text, dass der Kunde Amerikaner ist? Und wo ist bei dir die Grenze zwischen reich, sehr reich und sehr sehr reich?

Dass wir unterschiedliche Dinge im Text gelesen haben, hatte ich auch bereits erwähnt.

Wir beide empfinden die Assoziation am Ende des Textes als geschmacklos, wohl auch aus ähnlichen Gründen.

Du schreibst allerdings: meine ganz unbedeutende, private meinung. Dächtest du wirklich, sie sei ganz unbedeutend, hättest du sie wohl kaum gepostet. Also was soll dann die Bemerkung?

Natürlich können wir noch lange uns gegenseitig etwas vorkokettieren, bis die Moderation uns in die Plauderecke verweist. Ich schlage jedoch vor, dass wir an dieser Stelle abbrechen. Meiner Meinung nach wäre es nun an schneefee, sich zu äußern, wer von uns beiden den Text näher an ihren Absichten interpretiert.

Wenn sie eine "positive Heldin" darstellen wollte, dann ist der Text auch für mich unerträglich. Ansonsten sind die beiden Schlusssätze genau die beiden Indizien, die die Erbärmlichkeit der Monologisierenden endgültig und über alle Zweifel entlarvt.

Überlassen wir also die Klärung der Autorin.

Hallo, schneefee?

GrĂĽĂźe von blaustrumpf


__________________
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