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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Arbeitsunfall
Eingestellt am 18. 02. 2016 21:42


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onivido
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Ram├│n Rivas, Leiter des Werkschutzes bei Petroleos de Venezuela, war erleichtert, als er nach stundenlangem Fahren im Schritttempo in endlosen Staus endlich die bewachte Einfahrt der Wohnenklave f├╝r Spitzenverdiener erreichte. Er lenkte seinen BMW zur Calle Bella Vista, bet├Ątigte die Fernbedienung der Tiefgarage des luxuri├Âsen Wohngeb├Ąudes, in dem er hauste und ├Ąrgerte sich ├╝ber Se├▒ora Filizzolas schlampiges Einparken. Ihr Mercedes stand wieder eine handbreit in dem, f├╝r sein Auto reservierten Parkplatz. Er stieg aus und stie├č mit dem Kopf gegen den Schalld├Ąmpfer einer Pistole, die ein bulliger Kerl auf ihn gerichtet hatte.
ÔÇ×Es passiert dir nichts, wenn du keine Dummheiten machstÔÇŁ, sagte der Pistolero, der eine schwarze Sturmhaube ├╝ber das Gesicht gezogen hatte, die nur zwei Schlitze f├╝r die Augen frei lie├č.
Ram├│n Rivas blieb stumm.
ÔÇ×Gib mir deine Autoschl├╝ssel und die FernbedienungÔÇŁ, befahl der Maskierte, der sich jetzt einen Schritt von Ram├│n entfernt hatte, offensichtlich, um einen Versuch Ram├│ns, nach der Waffe zu greifen, vorzubeugen.
Wortlos tat Ram├│n wie befohlen.
Der Typ bet├Ątigte die Fernbedienung. Durch die Einfahrt der Tiefgarage kamen f├╝nf weitere M├Ąnner mit vermummten Gesichtern.
Der Mann mit der Pistole bugsierte Ram├│n zum Aufzug. Alle sechs Eindringlinge fuhren in den f├╝nften Stock zu Ram├│ns Wohnung.
Ram├│n schloss die T├╝re auf. Der Pistolero stie├č ihn in die Wohnung. Tigre, der Boxer-Rottweiler Mischling, der vom Balkon z├Ąhnefletschend auf die Gruppe zust├╝rmte, wurde Opfer eines nicht gut gezielten Schusses. Der Knall war dumpf und kaum h├Ârbar. Tigre brach zusammen und jaulte. Einer der Typen jagte ihm eine Kugel in den Kopf. Ram├│n sank vor dem Tier auf die Knie. Als seine Frau ihn verlie├č, hatte sie ihm den Hund ├╝berlassen. Seine beiden T├Âchterchen hatte sie mitgenommen. Zum ersten Mal war Ram├│n dar├╝ber froh. Er legte seine Hand liebkosend auf Tigres Kopf. Einer der Maskierten stie├č ihm den Lauf seiner Pistole in den Nacken.
ÔÇ×P├írate - steh auf, marico - schwuler Sack, und schlie├č den Tresor aufÔÇŁ.
ÔÇ×Ich habe keinen Tresor.ÔÇŁ
Der Mann schlug Ram├│n mit dem Pistolenlauf ins Gesicht. Ram├│n wischte sich das Blut von der Wange. Es mischte sich mit dem Blut der Kopfwunde Tigres.
Ram├│n zuckte die Achseln und sagte:
ÔÇ×F├╝nftausend Dollar und ein paartausend Bolivares sind in meinem Nachtk├Ąstchen. Sonst habe ich nichts im Haus.ÔÇŁ
Die M├Ąnner rissen Gem├Ąlde von der Wand durchw├╝hlten den Kleiderschrank, zertr├╝mmerten die Spiegel im Bad und den Toiletten, suchten im K├╝hlschrank und in den Wassertanks des WC.
F├╝nf von ihnen verlie├čen die Wohnung. Au├čer Bargeld hatten sie einige Ringe, eine Rolex , Geschenk seiner Ex und eine goldene Medaille mit einem verblichenen Foto von Ram├│ns Mutter erbeutet. Der verbliebene Mann befahl Ram├│n, sich in einen Sessel im Wohnzimmer zu setzen.
Minuten sp├Ąter kam ein Maskierter mit Se├▒ora FilizzolasÔÇÖ Dienstm├Ądchen. Auch sie musste sich setzen. Der Mann, der sie hereingef├╝hrt hatte, verlie├č die Wohnung wieder und nach einer Weile kam er in Begleitung von Se├▒ora Filizzola selbst. All ihr Hochmut war verschwunden. Das von den Tr├Ąnen verschmierte Make Up unterstrich ihre nat├╝rliche Bosheit.
In den folgenden Stunden wurden alle Nachbarn in Ram├│ns Wohnung gebracht. Zuletzt kam Se├▒or Carmona, der pomp├Âse Penthouse-Bewohner und die Hausmeisterin, die die Gangster dazu missbraucht hatten, bei allen Wohnungst├╝ren zu l├Ąuten, um auf diese Weise die Bewohner ahnungslos die T├╝ren ├Âffnen zu lassen.
Dann war der Spuk vorbei. Die R├Ąuber verlie├čen das Haus. Zwei blieben ein wenig zur├╝ck und bedrohten die Nachbarn im Wohnzimmer mit ihren Waffen. Ram├│n h├Ârte, wie sich das Tor der Tiefgarage bewegte, Motorenger├Ąusch. Auch sein BMW wurde aus der Garage gefahren. Das Ger├Ąusch des Motors war einge├Ątzt in sein Geh├Âr.
ÔÇ×Wir gehen jetztÔÇť, sagte einer der Vermummten. ÔÇ×Bleibt in dem Apartment und ruft die Polizei nicht vor einer halben Stunde! Wenn ihr es dennoch macht, werden wir das erfahren und wir kommen bei Gelegenheit zur├╝ck, um euch daf├╝r zur Rechenschaft zu ziehen. Das wollt ihr bestimmt nicht.ÔÇŁ
Beide machten gleichzeitig kehrt und eilten die Treppen hinab. Noch bevor sie die erste Treppe hinunter geeilt waren, war Ram├│n schon auf dem Weg zum Treppenhaus. Hinter ihm Stimmengewirr, Schreie, Schluchzen, ├╝bert├Ânt von Se├▒or Carmonas autorit├Ąrem Organ. Ram├│n raste die Treppen hinab, sprang f├╝nf, sechs Stufen auf einmal. In der Tiefgarage angekommen, st├╝rmte er zu den Maleteros- abschlie├čbaren Kellernischen.
Jedes Apartment hatte einen Maletero. Darin bewahrten die Besitzer Werkzeuge auf, Koffer, Fahrr├Ąder, kurz und gut, alle Dinge die man gelegentlich braucht, aber nicht unbedingt in der Wohnung haben will. In Ram├│ns Maletero lag versteckt unter einer alten Decke eine Kalashnikov. Wie viele seiner Landsleute, mit den n├Âtigen finanziellen Mitteln, hatte er die Waffe vor fast zwei Jahrzehnten auf dem Schwarzmarkt erstanden, vor einem missgl├╝cktem Staatsstreich. Damals f├╝rchteten die Einwohner der Enklave das Eindringen der Rancheros - der Slumbewohner und waren fest entschlossen, dies auf keinen Fall geschehen zu lassen.
Er zog schwarze Gummihandschuhe an, nahm die Waffe, fand zwei Reservemagazine und verlie├č die Garage durch einen Hinterausgang f├╝r Fu├čg├Ąnger.
Die Strasse zu der einzigen Ein- und Ausfahrt der Enklave f├╝hrte in weitem Bogen von seinem Wohnhaus einen Abhang hinunter. Im Auto dauerte die Fahrt fast zehn Minuten, um an einer Stelle anzukommen die unmittelbar unter dem Wohngeb├Ąude Ram├│ns lag. Wenn man den, mit B├╝schen und niedrigen B├Ąumen bewachsenen Steilhang zu Fu├č hinunterschlitterte, war man in wenigen Minuten an derselben Stelle.
Ram├│n hielt einige Meter vor der Strasse hinter einem Busch am Steilhangs inne. Zitternd legte er den Lauf seiner Kalashnikov in die Astgabel eines niedrigen Cujis und wartete. Augenblicke sp├Ąter h├Ârte er Motorenger├Ąusch. Sein BMW war das erste Fahrzeug, das in Sicht kam. Er zielte sorgf├Ąltig und erschoss Fahrer und Beifahrer. Der Motor des Wagens heulte auf. Das Auto schleuderte aus der Fahrbahn und landete im Busch.
Die Insassen der folgenden Fahrzeuge erledigte er mit w├╝tenden Feuerst├Âssen. Zwei Wagen prallten aufeinander und versperrten die Strasse f├╝r die beiden Nachkommenden. Ein schnelles Wenden auf der engen Strasse war nicht m├Âglich. Die Fahrer sprangen aus den Autos und ballerten ziellos auf ihren unsichtbaren Widersacher. Schlie├člich suchten sie ihr Heil in der Flucht. Ram├│n schoss ihnen in den R├╝cken.


Version vom 18. 02. 2016 21:42
Version vom 21. 02. 2016 01:48
Version vom 23. 02. 2016 12:30
Version vom 23. 02. 2016 22:13

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Ji Rina
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Hallo Onivido,
Ich versuch┬┤s mal mit ┬┤nem Schrei in┬┤ Busch:

Hallo!!!
Gibts hier jemand der sagen kann, wie┬┤s richtig ist?:

quote:
Schliesslich versuchten sie ihr Heil in der Flucht. Ram├│n schoss sie in den R├╝cken.

Schliesslich versuchten sie ihr Heil in der Flucht. Ram├│n schoss ihnen in den R├╝cken.

__________________
Der Leser hat┬┤s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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