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Leselupe.de > Humor und Satire
Armani
Eingestellt am 27. 05. 2003 09:54


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Silberstreif
???
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Ich habe eine Freundin, die ist eine richtige Rakete. Freilich bin ich furchtbar stolz, sie zu haben, mit ihr gesehen zu werden und sie ausf├╝hren zu k├Ânnen, was allerdings meinen finanziellen Rahmen etwas sprengt. Davon weiss sie nat├╝rlich nichts, denn ich will sie ja beendrucken und nicht verlieren.
Neulich erw├Ąhnte sie, dass sie auf Armani-Klamotten steht. Nachdem ich mich schlau gemacht hatte - ich wusste vorher nicht genau was das ist - steuerte ich auch gleich einen exquisiten Laden an - mir war n├Ąmlich schnell klar geworden, dass Armani bei C&A nicht vertreten war - um mich entsprechend einzukleiden. Ich wollte ihr ja gefallen und sie mit Stolz erf├╝llen, wenn sie sich mit mir zeigte.
Es war kein Gesch├Ąft, in dem ich mich unbeschwert und unbemerkt durch Reihen von Stangenklamotten w├╝hlen konnte, so wie ich das gewohnt war. Gleich st├╝rzte sich dienstbeflissen eine hochgestylte Einzelhandelskauffrau auf mich, wie auf ein armes Opfer, um kurz vor mir eine Vollbremsung einzulegen, mich von Kopf bis Fuss ausgiebig musternd. Ich habe wohl nicht ihr Wohlwollen erringen k├Ânnen, dennoch war ich mir absolut sicher, dass ich hier durch musste, als eine Art Liebesbeweis, meiner Freundin gegen├╝ber.
"Sie w├╝nschen?" n├Ąselte die nicht mehr ganz so Beflissene.
"Armani" stammelte ich, ehe sie in einem Erstickungsanfall zu verscheiden drohte. Ich konnte nicht genau deuten, ob es ein Husten- oder ein Lachkrampf war, der sie ihrer Beherrschung beraubte, doch machte ich mir bereits Sorgen. Mir schwante F├╝rchterliches. Dabei war ich mir beihnahe wie Kr├Âsus vorgekommen, als ich meine lezten 500 DM, vor dem Dispolimit, abgehoben und fein s├Ąuberlich im Geldbeutel verstaut hatte.
Vielleicht h├Ątte ich mich etwas l├Ąnger vor dem Schufenster aufhalten und die Preisschildchen, die sich mir beim Vorbeigehen in die Netzhaut gebrannt hatten, nicht als optische T├Ąuschung abtun sollen. Doch wie gesagt, ich musste da durch und wollte keinesfalls ohne irgendetwas Supertolles aus diesem Laden wieder raus.
Ich bin nicht unbedingt der Anzug-Typ, auch w├Ąre mir nie eingefallen, wohin ich, in einen Anzug gekleidet, h├Ątte gehen sollen, ausser zur Beerdigung meiner Eltern, doch daf├╝r w├╝rde es auch einer von C&A tun.
Also schied ein Anzug von vornherein aus, nicht nur, weil ich ihn mir nicht leisten konnte. Peinlich ber├╝hrt, von der mittlerweile erstummten, mich durchdringend Anglotzenden, stierte ich auf meine Schuhe. Schuhe ... Schuhe. "Schuhe!" sagte ich in einem Anflug von Gr├Â├čenwahn. "Armani-Schuhe, haben sie sowas?"
Sie starrte noch einige Sekunden, erst in mein Gesicht, dann auf meine Nikes, dann wieder in mein Gesicht, wobei sie aber ihre Kinnlade unten vergass, und ├Ąusserte dann ├╝berheblich:
"Selbstverst├Ąndlich f├╝hren wir auch Armani-Schuhe. Was hatten sie sich denn so vorgestellt?" Man bedenke, ich befand mich noch immer vor ihrer un├╝berwindbaren Schranke, fast unmittelbar im Eingangsbereich.
"Vielleicht darf ich mal gucken?" Langsam wurde ich dreister.
"Aber gerne" beteuerte sie auswendiggelernt, denn der Kunde ist ja K├Ânig. Ich weiss nicht wie lange man ihr das einbleuen musste, bis sie ein Subjekt wie mich als Herrscher zu dulden bereit war, doch das war mir egal.
Die Auswahl zu der sie mich f├╝hrte, war nicht sehr gro├č. Ich muss schon sagen, bei C&A ist die Produktpalette wesentlich gr├Â├čer. Dieser Armani muss ein faules St├╝ck sein. Nur schwarze Schuhe. Und irgendwie sahen alle gleich aus. Na egal - das Betr├╝bliche war allerdings, dass das Logo nicht aussen prangte, sichtbar f├╝r alle, so wie Nike, oder Adidas das machen. Ich war fest entschlossen, ein Paar zu kaufen. Meiner Freundin konnte ich ja den Karton zeigen und ihr somit beweisen, dass ich Armani mit F├╝├čen trat.
"Ich brauche Gr├Â├če 47".
"47?" kreischte das Weib. Das war eindeutig zu viel f├╝r sie.
"Sie haben doch 47? Oder kann es sein, dass Armani nur f├╝r kleine M├Ąnner schneidert?" ich begann mir in der Herrscherrolle zu gefallen.
"Ich muss mal nachschauen" und damit entfernte sie sich von mir, als ob ich stinken w├╝rde. Sie schaute eine lange Weile nach, so dass mich Langeweile befiel und ich mich in dem Laden umsah. Das liess ich dann aber gleich wieder, denn erstens gab es hier nichts, was mir gefallen h├Ątte und zweitens war ich sicher, dass bei allen Preisen das Komma verrutsch war - nach rechts. Mulmig wurde mir erst, als mir einfiel, dass sie mich gar nicht nach einem bestimmten Schuh gefragt hatte, sie w├╝rde ganz sicher den Teuersten anschleppen. Doch als ich mir die Schuhpreise allgemein etwas n├Ąher betrachtete um den Billigsten herauszufinden, wurde mir sowieso fast schwarz vor Augen.
"Wir haben nat├╝rlich einen Schuh in Gr├Â├če 47", sagte es pl├Âtzlich triumphierend hinter mir. Einen Schuh? Was sollte ich denn mit einem Schuh? Dachte sie auch noch, ich w├Ąre beinamputiert?
Sie hatte jedoch zwei mitgebracht. Schwarz, ledern, mit Schn├╝rsenkeln. Ich hasse Schuhebinden. Gibts hier nichts mit Klettverschluss? Doch ich wagte nicht zu fragen, weil ich ihren Blick wohl nicht ertragen h├Ątte.
Ich sch├Ąlte meine Nikes von den F├╝ssen, sie stellte sich ausserhalb deren olfaktorischem Einflussbereich, und probierte. Sie passten. Sehr angenehm sogar. Wer h├Ątte das f├╝r m├Âglich gehalten? Ich stolzierte herum, auf eine Art, die ich f├╝r vornehm hielt und entschied spontan:
"Die nehm ich und behalte sie gleich an. Meine Turnschuhe k├Ânnen sie in den Karton packen". Angeekelt und diesen Ausdruck kaum verhehlend, packte sie meine Nikes in den Armani-Karton und trug ihn, ihre gesamte Arml├Ąnge ausnutzend, zur Kasse. Doch nun schlug ihre Stunde der Rache:
"369,90 Mark" verk├╝ndete sie, als h├Ątte sie eine besondere erotische Leistung daf├╝r erbracht.
Mir wurde wieder schwarz vor Augen und gerne h├Ątte ich ihr durch einen Fausthieb dasselbe Gef├╝hl vermittelt, doch konnte ich mich beherrschen. Ich z├╝ckte meinen Geldbeutel und bl├Ątterte 4 Hunderter auf ihren Tisch. Jeder Einzelne tat so weh, als w├╝rde ich ihr irgendein lebenswichtiges Organ geben. Sie strich sie gleichm├╝tig ein, nicht ohne sie vorher unter den Echtheitspr├╝fscanner gehalten zu haben. Und ich verabschiedete mich schnell. Zu schnell f├╝r meine neuen gediegener-Herr-Schreitlatschen. Die goldfarbene Zierleiste in der Eingangst├╝r wurde ihnen zum Verh├Ągnis. Der rechte Absatz hing lose am Rest des Schuhs, nachdem 95 kg geballte Manneskraft ihn ├╝ber das Hindernis gewetzt hatten. Mit meinen Nikes w├Ąre das nie passiert.
Nun stand ich da, mit 5 Minuten alten, schweineteuren Designerschuhen und traute mich nicht mehr in den Laden zur├╝ck, um mein Missgeschick kundzutun. Diesen Triumph h├Ątte ich der Schnepfe nie geg├Ânnt.
So packte ich also meine treuen Nikes aus dem Karton und begab mich auf direktem Weg zu meinem Kumpel Natale Baldassare, der den Mister Minit Laden im Kaufhof bedient. Er begl├╝ckw├╝nschte mich auch noch zu meinen sch├Ânen Schuhen und verlangte, ohne mit der Wimper zu zucken, 14,95 DM f├╝r das Ankleben meines Absatzes.
Ich habe eine Freundin, die ist eine richtige Rakete. Vielleicht w├Ąre es an der Zeit, diese Rakete zum Mond zu schiessen.

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will man, was man muss?

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