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Leselupe.de > Humor und Satire
Arme Schlucker.
Eingestellt am 11. 02. 2004 11:52


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pleistoneun
One-Hit-Wonder-Autor
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Tag 8, 12:37 Uhr. Eberhard war zusammengebrochen. Theodor, sein Mitstreiter, stand unmittelbar daneben und verzog dabei keine Miene. Theodor war es gewohnt, so lange ruhig zu stehen. Ja, wenn man beim Bundesheer was f├╝rs Leben lernt, dann ausgedehntes Paradestehen. Eberhard wurde entfernt. Mit der Tragbahre. Einfach zusammengesackt. Weiche Knie bekommen, zusammengeklappt. Hehe, ein Widersacher weniger. Aber sich nur nicht Ablenken lassen, blo├č keine falsche Bewegung machen, das k├Ânnte den Sieg kosten. Die Juroren strichen Eberhard von ihrer Liste und widmeten sich dann wieder dem Bewerb. "Es reizt einen immer das Verbotene", ├╝berlegte Theodor. Acht Tage ohne schlucken zu verbringen ist schon eine nobelige Leistung, der Weltrekord lag aber bei unglaublichen 134 Tagen, 3 Stunden und 12 Minuten. Der arme Mann gab aber aus Angst zu verhungern auf. Trockene Kehle. Langeweile. Man glaubt ja gar nicht, welche selbstverst├Ąndlichen Vorg├Ąnge einen Schluckreiz ausl├Âsen. Theodor begab sich langsam in die theospekulative Phase. Zahlenkontemplation, Nachdenken, Zeit gut machen auf die beiden letzten Gegner, hartgesottene Rentner waren das. Wie jedes Jahr standen nur Rentner im Finale. Ihnen war der Zustand einer ausgedorrten Kehle nur allzu vertraut. Und dann, endlich: Der Minutenzeiger der Wanduhr sprang auf 12:38 Uhr. Den anderen gegen├╝ber nur nicht anmerken lassen, dass die Zunge seit gut zwei ganzen Tagen auf dem Weg nach hinten war, um endlich die im Mundraum angesammelte Fl├╝ssigkeit zu schlucken. Nein. Kommt nicht in Frage. Theodor richtete sich milit├Ąrisch auf. Ob Eberhard gerade schluckte? Bestimmt trank er gen├╝sslich Fruchtsaft und erfreute sich daran, diesen dem K├Ârper angeborenen Schluckreflex wieder unbek├╝mmert zulassen zu k├Ânnen. Wenn man so lange seine Kehle nicht befeuchtet, kann es sein dass man seine Stimme verliert, hie├č es oft. Na und wenn schon, was hat der Rentner der Welt schon gro├čartig mitzuteilen? Man schenkt dem Nachwuchs sein Geh├Âr, wenn er schreit und wenn er Hunger hat. Der gelebte Mensch kriegt nur die sch├╝ttelnde Hand des B├╝rgermeisters zu sp├╝ren, wenn dieser von Haus zu Haus der Alt-Jubilare zieht. "Gl├╝ckwunsch, und noch viele Jahre Gesundheit", schreit der B├╝rgermeister mit vorgebeugtem Oberk├Ârper in die Ohren jener, die bereits alles geh├Ârt, alles gesehen, alles erlebt und so vieles erduldet haben. Anschreien lassen von dieser Gemeindeobrigkeit. 12:39 Uhr. Es geht ja voran. Theodor blickte zu einem seiner Kontrahenten, der sich schon die ganze Zeit ├╝ber mit geschlossenen Augen gedanklich auf eine weite Reise zu begeben schien. Pah, als ob es dadurch einfacher w├Ąre, den Schluckreiz zu verhindern. Anders als beim G├Ąhnen l├Âst eigenes Schlucken kein Nachahmungsverhalten beim Gegen├╝ber aus. Die Juroren schluckten n├Ąmlich ununterbrochen. Wird auch Theodor jemals des B├╝rgermeisters Hand sch├╝tteln? Wenn es einmal soweit ist, dachte er, dann dauerts nicht mehr lange und der Tod sch├╝ttelt sie. Ihm durchfuhr ein beklemmendes Gef├╝hl. Oh, nein. Nicht jetzt. Er wusste, Angst, Aggression und schlechtes Gewissen sind die gr├Â├čten Schluckerreger. Es war nicht aufzuhalten. Was er 8 Tage, 2 Stunden und 24 Minuten erfolgreich unterdr├╝ckt hatte, b├Ąumte sich nun unvermeidlich auf und zwang ihn zu einem qualvollen ersten Schlucken. Seine Kehle drohte angesichts der Spr├Âdigkeit zu zerrei├čen und er w├╝rgte etwas Fl├╝ssigkeit durch seinen Schlund. Die typische Bewegung des Adamsapfels beim Schlucken blieb der Jury nicht verborgen. Um 12:41 Uhr war also alles vorbei. Die T├╝r wurde ge├Âffnet und die beiden Tr├Ąger mit der Bahre wollten den Raum betreten. Doch einer der beiden streifte unabsichtlich den metallenen M├╝llschlucker und dieser krachte mit lautem Get├Âse zu Boden. Die Stille des Raumes wurde j├Ąh durchbrochen. Der Schreck ging allen durch Mark und Bein und l├Âste nat├╝rlich bei den Mitstreitern ein angstprovoziertes Schlucken aus. Angst l├Ąhmt zwar Arme und Beine und verhindert die Flucht vor der Gefahr, aber sie reizt uns zum Schlucken. So entschied in diesem Spiel nicht die Jury die Siegerfrage, sondern die Angst. Es gab keinen Sieger. Denn die Angst allein ist konkurrenzlos unser gr├Â├čter Gegner.
__________________
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filechecker
Guest
Registriert: Not Yet

Pointe verschluckt

Schlucken kann man eigentlich auch einfacher erkl├Ąren. Einen Wettbewerb (Autor scheint aus ├ľsterreich zu sein, da er von "Bewerb" spricht)daraus zu machen, halte ich f├╝r eine nicht unbedingt geniale Idee.

Die Wettbewerbsidee h├Ątte ich mir ja noch gefallen lassen, w├Ąre da nicht schon einer der Teilnehmer beim Bund gewesen. Die Protagonisten sind also Erwachsene. Das nehme ich als Leser so nicht ab.

Gru├č

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Bonnie Darko
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Und wieder habe ich mich gut am├╝siert.

Ich w├╝rde an ein, zwei Stellen Abs├Ątze bzw Zeilenwechsel einf├╝gen, auch wenn der Text nicht lang ist. Manchmal geht es etwas ├╝bergangslos von einem Gedanken zum n├Ąchsten. Die Zeit-Angaben fallen mir hier vor allem ein. Da sie den Text ohnehin strukturieren, k├Ânntest du das evtl. auch optisch deutlicher machen.
Ist aber nur ein Vorschlag, reine Kosmetik.

Insgesamt fand ich, da├č der Text besser formuliert ist als der Melonenkiller, bei dem die Komik f├╝r mich st├Ąrker in der bildlichen Vorstellung der Situation lag. Dieser Text wirkt auf mich durchdachter, homogener.

Filechecker,
da├č zwei Haare miteinander sprechen nehme ich dir so gesehen auch nicht ab. Auch wenn sie noch nicht erwachsen sind.

Gru├č,

Bonnie Darko


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flammarion
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hm,

sehr skurill und unvorstellbar. werden die teilnehmer k├╝nstlich ern├Ąhrt?
st├Ąrkere gliederung w├╝rde den lesefluss erh├Âhen.
lg
__________________
Old Icke

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filechecker
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Bonnie Darko,

es kommt schon darauf an, wer deine Protagonisten in deiner Handlung sind, bzw. welche Handlungsschemata der Leser von diesen Protagonisten erwartet, bzw. erwarten kann.

Demnach ist es ein Unterschied, ob ich zwei Haar sprechen lasse, wie in meiner Geschichte "Das Expertengespr├Ąch", oder ob meine Protagonisten Personen sind, die in eine Alltagshandlung eingebettet sind. Bei Personen setzt der Leser zun├Ąchst einmal ganz bestimmte Verhaltensmuster voraus. Erwachsene Menschen ("Art" der Protagonisten) wetten (Zentrales Thema) um das Luftanhalten (Zentrales Problem, Verhalten). Bewerte mal das Verhalten nach dem Muster der "Maximalen Kapazit├Ąt". Ist es f├╝r den Leser glaubhaft, dass erwachsene Menschen um das Luftanhalten wetten? Der Leser erwartet doch von Erwachsenen Wetten von ganz anderer Qualit├Ąt, oder nicht? Wetten um Luftanhalten machen doch h├Âchstens Kinder!

Wenn zwei Haar erz├Ąhlen, wird der Leser sofort erkennen, dass das nat├╝rlich nur Ulk sein kann. Er stellt sich auf den Handlungsverlauf ein.

├ťbrigens:

Auch eine Expedition zum Mars, an der das Bayer. Kabinett in meiner Geschichte "Mission Bavaria" teilnimmt, wird wahrscheinlich (leider) nie so stattfinden k├Ânnen, da die Geschichte v├Âllig utopisch ist. Also brauche ich mir als Erz├Ąhler dieser Geschichte auch keine gro├čen Gedanken ├╝ber den technischen Ablauf beim Start machen. Ich wei├č ├╝brigens bis dato nicht, ob der Countdown mit einem Minus, bzw. mit einem Plus als Vorzeichen, angegeben wird. Aber das ist auch in dieser Geschichte v├Âllig unbedeutend und kein Leser w├╝rde das jemals monieren.

Gru├č


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Bonnie Darko
One-Hit-Wonder-Autor
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Aber gerade das Brechen mit Erwartungen macht doch den Reiz des Absurden aus. Oder?

Au├čerdem geht es nicht darum, die Luft anzuhalten, sondern darum, nicht zu schlucken. Und das halte ich f├╝r durchaus durchf├╝hrbar. Da├č einer der Rekordhalter angeblich hundertsoundsoviel Tage durchgehalten hat, ist in meinen Augen eben ein Punkt, an dem das Skurrille langsam ins Absurde ├╝bergeht. Da├č Pleistoneun dieses 'Skurrile' (scheinbar) absolut ernst nimmt, macht f├╝r mich einen Gro├čteil der Komik aus. Die Tatsache, da├č etwas physikalisch unm├Âglich w├Ąre, w├╝rde f├╝r mich pers├Ânlich die Wirkung auch nicht schm├Ąlern, glaube ich.

Aber wie man sieht, ist Humor grunds├Ątzlich Geschmackssache. Ich kenne auch Leute, die kriege ich auch nicht mit Androhung von Gewalt in einen Woody-Allen-Film.

Gru├č,

Bonnie

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pleistoneun
One-Hit-Wonder-Autor
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Sch├Ân zu beobachten.

Danke an alle, die sich Gedanken zu meinen Geschichten machen. Das betrifft jetzt Positiv- und Negativkritiker. Zu allererst sollten meine Texte mal ohne jegliche Vorannahmen gelesen werden (ungef├Ąhr so, wie beim Lesen der Bibel, da gibts ja auch immer sehr viele sonderbare Textstellen). Dann muss man versuchen, sich die Skurrilit├Ąt der Geschichten vorzustellen, mal so zu tun, als ob diese Abwegigkeit wirklich existent w├Ąre. Phantasie, und ich bin mir gar nicht mal so sicher, dass es diese Welt nicht real gibt; viel zu viel Verr├╝cktes passiert da drau├čen, dass die Ungew├Âhnlichkeit meiner Darstellungen m├Âglicherweise sogar nur ein billiger Abklatsch der Realit├Ąt ist. Egal, einfach lesen, wenns gef├Ąllt ists sch├Ân, wenn net, einfach auf die n├Ąchste Geschichte warten.

Hat mich gefreut,
p9
__________________
http://www.1yl.at/pleistoneun

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