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Leselupe.de > Kurzprosa
Armed Love?
Eingestellt am 18. 12. 2007 18:02


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nofrank
???
Registriert: Oct 2004

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Armed Love?

All der Bahnschotter zwischen den verwachsenen Gleisen. Wunderbare Demo-Wurfgeschosse: Handlich genug, um weit geschleudert zu werden, massig genug, um Schaden anzurichten. Doch hier gibt es weder Demos noch Militante. Und der einzige Verwendungszweck des Schotters besteht darin, von beschĂ€ftigungsloser Kleinstadtjugend in leer stehende GĂŒterhallen und andere verödete HohlrĂ€ume geschleudert zu werden. Die Membranen der GebĂ€ude hielten dem Ă€ußeren Druck nicht stand. Gezackte ScherbenrĂ€nder schmĂŒcken die funktionslos gewordenen Fensterrahmen und setzen modriggrĂŒne Algen an. TĂŒren? Tore?

Immer und immer wieder werfen adoleszierende Steineschmeißer ihre Stumpfsinn in die Leere der Baracken. ZielĂŒbungen in Nutzlosigkeit. Schichtarbeit. Lektionen in Vandalismus. Weil die Gesellschaft und stellvertretend die Stadt als gelebte, gelittene Heimat ihr Heilsversprechen nicht mehr einlöst. Die Zeiten sind vorbei.

GrĂŒnderzeiten, Wirtschaftswunder, Aufschwungseuphorie, VollbeschĂ€ftigung. Fantastereien dahin gerafft in marktwirtschaftlicher Selbsterhaltung. Dieser Stadtkadaver gehört zu den anderen auf den Elefantenfriedhof. Um den Gestank loszuwerden.

Stattdessen patroullieren Ein-Euro-Jobber zwangsorganisiert den öffentlichen Raum, sind zu Helfershelfer des Mangels degradiert und verschmutzen selbst missmutig das Stadtbild. Marodierende Milizen im Auftrag der Ordnung und des Lichts. Stadtbildpfleger in signalgelber Uniform.

Blinzelnd wende ich den Blick von dieser Àsthetischen Luftverschmutzung. Doch der didaktischer Gestank, der vom Arbeitsdienstes im Namen des Gemeinwohls ausgeht, raubt mir den Atem.

Manchmal schĂ€me ich mich, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, deren Wohl ein Pflegefall geworden ist und deren Vormund beizeiten vergaß, eine ausreichende Pflegeversicherung abzuschließen.

Mit glĂ€sernem Klirren hallt aus der Ferne richtiges Leben herĂŒber.


nofrank
__________________
„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")



Version vom 18. 12. 2007 18:02

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Franka
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Hallo,
fĂŒr mich wurde hier zu „dick aufgetragen“, der Text ist mir zu ĂŒberfrachtet, lĂ€sst mir als Leser wenig Spielraum fĂŒr eigene Gedanken/Interpretationen. Ich bin daher fĂŒr eine radikale KĂŒrzung.
Vielleicht so:


quote:
Was gĂ€be all der Bahnschotter zwischen diesen zugewachsenen Gleisen fĂŒr wunderbare Demo-Munition ab: lauter handliche, kleine Wurfgeschosse. Leicht genug um weit geschleudert zu werden, aber massig genug, um richtig Schaden anzurichten. Zum GlĂŒck gibt’s hier weder Demos noch Militante und der einzige missbrauchte Verwendungszweck des Gleisschotters besteht darin von gelangweilter Kleinstadtjugend in nĂ€chstgelegene, verödete Schuppen, Hallen und andere leerstehende HohlrĂ€ume geschleudert zu werden. Die Membranen der GebĂ€ude, FensterglĂ€ser, haben nicht standgehalten. Gezackte ScherbenrĂ€nder schmĂŒcken die funktionslosen Fensterrahmen und setzen stetig algigen, modriggrĂŒnen Belag an. Schicht um Schicht. Trotzdem werfen adoleszierende Schleuderer weiter Schotter ins Leere der Baracken. ZielĂŒbungen in Nutzlosigkeit, Lektionen in Vandalismus. Weil die Gesellschaft und stellvertretend die Stadt als gelebte, gelittene Heimat ihr Heilsversprechen nicht mehr einlöst. Die Zeiten sind vorbei.

WĂ€re die Stadt noch lebendig, wir Ameisen schleiften sie zu den anderen auf den Elefantenfriedhof im Westen. Um sie zur letzten Ruhe zu betten. Um den Gestank des Kadavers loszuwerden.

Manchmal schĂ€me ich mich, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, deren Wohl ein Pflegefall geworden ist und die beizeiten vergaß, eine ausreichende Pflegeversicherung abzuschließen.

Mit glĂ€sernem Klirren hallt aus der Ferne richtiges Leben herĂŒber.

Lieben Gruß
Franka

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Rumpelsstilzchen
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Ich will auch drin rĂŒhren!

quote:
Was gĂ€be all der Bahnschotter zwischen diesen zugewachsenen Gleisen fĂŒr wunderbare Demo-Munition ab: lauter handliche, kleine Wurfgeschosse. Leicht genug um weit geschleudert zu werden, aber massig massiv genug, um richtig Schaden anzurichten. Zum GlĂŒck gibt’s hier weder Demos noch Militante und der einzige missbrauchte Verwendungszweck Missbrauch des Gleisschotters besteht darin, von gelangweilter Kleinstadtjugend in nĂ€chstgelegene, verödete Schuppen, Hallen und andere leerstehende HohlrĂ€ume geschleudert zu werden. Die Membranen der GebĂ€ude, FensterglĂ€ser, haben nicht standgehalten. Gezackte Ihre gezackten ScherbenrĂ€nder Scherben schmĂŒcken die funktionslosen Fensterrahmen und setzen stetig algigen, modriggrĂŒnen Belag an. Schicht um Schicht. Trotzdem werfen adoleszierende Schleuderer weiter Schotter ins in die Leere der Baracken. ZielĂŒbungen in Nutzlosigkeit, Lektionen in Vandalismus. Weil die Gesellschaft und stellvertretend die Stadt als gelebte, gelittene Heimat ihr Heilsversprechen nicht mehr einlöst. Die Zeiten sind vorbei.

GrĂŒnderzeiten, Wirtschaftswunderjahre, Aufschwungseuphorie, ProsperitĂ€t, VollbeschĂ€ftigungsfantastereien; alles dahingerafft im dahin gerafft in marktwirtschaftlich, mangelverwaltender Selbsterhaltung. WĂ€re die Stadt noch lebendig, wir Ameisen schleiften sie zu den anderen auf den Elefantenfriedhof im Westen. Um sie zur letzten Ruhe zu betten. Um den Gestank des Kadavers loszuwerden.

Stattdessen patroullieren zwangsrekrutierte Ein-Euro-Jobber den öffentlichen Raum, sind zu Helfershelfern des Mangels degradiert und verschmutzen mit signalgelber Uniform missmutig das Stadtbild. Marodierende SaubermĂ€nner und –frauen im Auftrag des Rechts und des Lichts (?) der Ordnung und der universellen BeschĂ€ftigungslosigkeit. In Milizen zusammengepfercht gezwungen und zum Arbeitsdienst im Namen des Gemeinwohls verordnet. Stadtbildpfleger.

Ästhetische Luftverschmutzung, didaktischer Gestank.

Manchmal schĂ€me ich mich, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, deren Wohl ein Pflegefall geworden ist und die beizeiten vergaß, eine ausreichende Pflegeversicherung abzuschließen.

Mit glĂ€sernem Klirren hallt GlĂ€sern klirrt aus der Ferne richtiges Leben herĂŒber.

Hier tragen sie ein dunkelblaues Jöppchen mit Stadtemblem. Sonst wÀren sie auch von ihrer Klientel oft nicht zu unterscheiden.

Krabbelte heftig, denn der Abgrund zog deftig
__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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Zeder
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... und warum hier und nicht unter 'Essays und Kolumnen'?

GrĂŒĂŸe von Zeder

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nofrank
???
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guten morgen,

danke auch fĂŒrs lesen und die anregungen.

@rumpelstilzchen: gut gerĂŒhrt und ich bin auch gerade dabei, den text zu bearbeiten. einige deiner VorschlĂ€ge normalisieren meinen Sprachgebrauch etwas zu sehr, aber welcher schreiber wĂŒrde das nicht behaupten. ich arbeite dran. heute abend/ spĂ€ten nachmittag gibts die ĂŒberarbeitung. versprochen. hoffentlich auch eine verbesserung.

@zeder: gute frage. folgende antwort, die nicht als rechtfertigung zu verstehen ist, sondern als darlegung meiner gedankengÀnge.

zunĂ€chst, habe ich den text als prosa geschrieben, der ich-erzĂ€hler ist folglich nicht notwendigerweise der autor, auch wenn sich in diesem fall die ansicht beider deckt. dennoch stellt das fĂŒr mich eine grundlegend andere herangehensweise an einen text dar als fĂŒr kolumnen oder essays.

die beiden forentexte von jon, zielen ausdrĂŒcklich auf journalistische texte ab, zu diesen zĂ€hle ich meinen nicht.

jetzt aber das wichtigste argument, dazu kurz mal wikipedia zitiert ĂŒber die form des essays:

"Die essayistische Methode ist eine experimentelle Art, sich dem Gegenstand der Überlegungen zu nĂ€hern und ihn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Wichtigste ist jedoch nicht der Gegenstand der Überlegungen, sondern das Entwickeln der Gedanken vor den Augen des Lesers.

Ein Essay zeichnet sich aus durch eine gewisse Leichtigkeit, stilistische Ausgefeiltheit, VerstĂ€ndlichkeit und einen nicht zu unterschĂ€tzenden Witz. Es ist befreit von zu vielen Zitaten, Fußnoten und Randbemerkungen. Zuweilen ist es auch schlicht eine stilisierte, Ă€sthetisierte Plauderei.

Jeder neue Begriff wird eingefĂŒhrt und vorgestellt. Handlungen werden chronologisch erzĂ€hlt und Zitate deutlich gekennzeichnet. Der Umfang eines Essays ist eher knapp, was es ĂŒbersichtlich und gut verstĂ€ndlich macht.

WĂ€hrend der Autor einer wissenschaftlichen Analyse sein Thema systematisch und umfassend darstellen sollte, wird ein Essay eher dialektisch verfasst, mit Strenge in der Methodik, nicht aber in der Systematik. Essays sind Denkversuche, Deutungen – unbefangen, natĂŒrlich, zufĂ€llig. Damit ein Essay aber ĂŒberzeugt, soll es im Gedanken scharf, in der Form klar und im Stil geschmeidig sein."

und jetzt wieder ich:
von den kriterien kann ich nur sehr bedingt welche auf "armed love?" ĂŒbertragen. weder finde ich leichtigkeit, geschmeidigkeit noch dialektik oder methodische strenge. es ist weder leicht verstĂ€ndlich und noch von intellektuellem witz gekrönt. und ganz wichtig: es findet keine entwicklung von gedanken vor dem leser statt, in dem sinne, den franka bemĂ€ngelte und der zu einer erhellung des themas fĂŒhrt.

aber vieleicht bin ich auch nur minderheitenmeinung.
wenn die geneigte leserschaft befindet, dass der text besser in ein anderes forum soll, bin ich der letzte der sich strÀubt.

in diesem sinne, bis nacher. muss arbeiten.

liebe grĂŒĂŸe
nofrank

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„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")

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nofrank
???
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alles neu macht der mai

hallo zusammen.

und nochmal dank fĂŒr das feedback.

ich hoffe, die bearbeitung ist auch eine verbesserung geworden. halkis vorschlag aufgreifend ist der ĂŒbergang zum ende textlich sanfter geworden, und an meiner adjektivitis habe ich auch gearbeitet (zumindest im vorliegenden text).

dank rumpelstilzchen habe ich einiges verĂ€ndert, weniger ausufernd formuliert. massig musste bleiben, da es fĂŒr mich einen unterschied macht, der mir wichtig war. ebenso im auftrag des lichts. das hatte ich so als festen ausspruch im kopf: wir sind im auftrag des lichts unterwegs. weiß leider nicht mehr woher.

vielleicht wird der text ja in dieser form auch leseoffener, obwohl ich das bezweifle. auf die essaydisskussion bin ich ergebnisoffen gespannt.

also bitte, reibt euch dran und gebt's mir .

liebe grĂŒĂŸe
nofrank


__________________
„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")

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