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Armut in Zeiten der Konjunkturprogramme
Eingestellt am 11. 07. 2009 01:27


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anbas
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Armut in Zeiten der Konjunkturprogramme

Wie riesige Luftballons platzten und platzen immer noch die Tr√§ume vieler Aktion√§re, Unternehmer und Banker. Weltkonzerne und Banken fahren Millionen und Milliarden Euros an Verlusten ein. Panik mischt sich unter die G√§ste der Champagner-Empf√§nge. Doch gro√üz√ľgige Hilfspakete, B√ľrgschaften und Konjunkturprogramme der Bundesregierung und der Bundesl√§nder sollen das Schlimmste verhindern.

Bei vielen Menschen in Deutschland sind schon längst zahlreiche Träume zerplatzt. Es waren Träume von einem Arbeitsplatz, einer Ausbildung oder einem Leben, in dem man nicht jeden Cent dreimal umdrehen muss. Auch hier gab und gibt es Hilfspakete. Sie heißen Arbeitslosengeld, Hartz IV und Grundsicherung. Hinzu kommen Maßnahmen zur Qualifizierung, Arbeitsvermittlung und Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Der Staat lässt sich auch diese Hilfspakete jährlich einige Milliarden Euro kosten.

Derzeit wird viel Geld in die Hand genommen, um der aktuellen Krise entgegenzusteuern. Diese Krise ist jedoch nicht die schon lange bestehende und sich st√§ndig vergr√∂√üernde Armut in der Bev√∂lkerung, sondern der Zusammenbruch gro√üer Teile unserer Wirtschaft. Die Armut wird - so scheint es - l√§ngst nicht mehr als Krise angesehen, sondern als Normalit√§t. Nur f√ľr Wahlk√§mpfe und politische Schlammschlachten ist dieses Thema noch gut genug. Au√üerdem ist es wie schon seit Jahren dazu geeignet, um denjenigen, denen es noch verh√§ltnism√§√üig gut geht, Angst zu machen: Man sieht, wo man landen k√∂nnte, wenn zu hohe Gehaltsforderungen gestellt werden, auf k√ľrzere Arbeitszeiten bestanden wird oder man zu oft wegen Krankheit bei der Arbeit fehlt.

Die Gelder, die f√ľr die Bek√§mpfung der Armut eingesetzt werden, dienen scheinbar schon seit Jahren nur zur Armutsverwaltung. Sicherlich, auch diese Mittel verhindern Schlimmeres. In vielen L√§ndern stehen Menschen, die ohne Arbeit sind, deutlich schlechter da, als hier in Deutschland. Dennoch w√§re es sicherlich ein weit aus besseres und wahrscheinlich sogar g√ľnstigeres Hilfspaket, wenn die Menschen, die bisher wenig Geld zur Verf√ľgung haben, so gest√§rkt werden, dass sie sich wieder mehr leisten k√∂nnten.

So, wie es zur Zeit aber l√§uft, ist es schwer, einem Hartz IV Empf√§nger klarzumachen, welch hartes Los es f√ľr Banker und Unternehmer ist, wenn ihre Aktien an Wert verlieren, sie somit - falls √ľberhaupt - dazu gezwungen sind, einige ihrer Grundst√ľcke zu verkaufen, den Dritt- oder Viertwagen abzuschaffen und ihre Shoppingtouren nach London oder New York f√ľr einige Zeit einzuschr√§nken. Doch umgekehrt ist es genau so. Kaum ein Gro√üverdiener kann sich vorstellen, wie es ist, wenn man nicht wei√ü, woher man den Eigenanteil f√ľr den Kindergartenplatz, das Geld f√ľr das dringend notwendige Paar Schuhe oder die Selbstbeteiligung f√ľr den Zahnersatz auftreiben soll.

Der Unterschied ist nur der, dass diejenigen, die all diese bereits erw√§hnten Hilfspakete entwickeln, auch diejenigen sind, die m√∂glicherweise ihre Champagnerpartys und weltweiten Shoppingtouren einschr√§nken m√ľssen. So kann es dann zu solch wahnwitzigen Vorschl√§gen einzelner Politiker kommen, die ausrechnen, wie ein Hartz IV Empf√§nger f√ľr 3,76 Euro drei volle Mahlzeiten pro Tag erhalten k√∂nnte. Auch die - oft gut gemeinten - Aktionen wie "Einen Monat lang leben mit Hartz IV" d√ľrften f√ľr Menschen, die √ľber Jahre hinweg so leben m√ľssen, h√§ufig wie blanker Hohn vorkommen.

Sicher - die in letzter Zeit getroffenen Hilfsma√ünahmen sollen auch dazu beitragen, dass trotz Wirtschaftskrise die Armut nicht weiter zunimmt, oder sich zumindest nicht all zu sehr vergr√∂√üert. Das mag ja auch teilweise funktionieren. Andererseits sind solche Begr√ľndungen auch schon aus den Diskussionen um diverse Gro√üprojekte bekannt. Seien es neue U-Bahnlinien, Stra√üenz√ľge, besonders elegante Geb√§ude oder, wie derzeit in Hamburg, ein ganz neuer Stadtteil - die Hafencity. Auch hier wurden gro√üz√ľgige Investitionen stets mit neuen oder gesicherten Arbeitspl√§tzen sowie der Stabilisierung der Wirtschaft schmackhaft gemacht. Es stellt sich nur die Frage, wo diese Gelder geblieben sind oder bleiben werden. Wie vielen Langzeitarbeitslosen und wie vielen jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz haben denn diese Projekte tats√§chlich geholfen? Es scheint doch viel eher so zu sein, dass diese Gelder bei denjenigen, deren Tr√§ume schon l√§ngst zerplatzt sind, gar nicht oder nur zu einem Bruchteil ankommen.
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Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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