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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Arno
Eingestellt am 02. 03. 2011 13:53


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Madeira
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Registriert: Jan 2011

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Erinnerungen an Arno
oder:
Liebeserkl├Ąrung an einen Kettenhund

Kettenhund war er bei Heimolds, einem Bauernhof am Rande des Dorfes.
Heimolds waren typische Kleinbauern, mit einigen Äckern, Wiesen, vielleicht 20 Kühen, die immer im Stall waren. Jungbauern, blond und rotbackig, mit zwei heranwachsenden Jungen, vielleicht sieben und neun, eben so blond und rosig wie Papa und Mama.
Arno war der Wachhund, der bellen und Eindringlinge vertreiben sollte. Erziehung hatte er nie genossen, Rasse und Stammbaum besa├č er auch nicht, daf├╝r den Charme von Mischlingshunden.
Und wenn wir - zwei 14j├Ąhrige M├Ądchen - kamen, ihn zum Spaziergang abzuholen, war er au├čer sich vor Freude. Klar, was hatte er sonst in seinem armseligen Kettenhundedasein. Wir nahmen ihn von der langen Kette, die im hinteren Teil des Anwesens, hinter Kuhst├Ąllen und Ger├Ąteraum, an einem beweglichen Haken an der Decke befestigt war, legten ihn an die "Leine" - einen schlichten, groben Strick - und wanderten dann mit ihm ├╝ber Wiesen und Felder.
Oft lie├čen wir ihn von der "Leine", denn normalerweise gehorchte er - fehlende Kinderstube hin oder her. Normalerweise. Gelegentlich machte er sich jedoch einen Spa├č mit uns: Lief los, wir rufend hinterher - er blieb stehen, sah uns erwartungsvoll an und wenn wir drei Meter vor ihm angekommen waren, drehte er sich um und rannte weiter. Das Spiel konnte er ziemlich exzessiv betreiben.
Ein anderes Mal hatte er sich jedoch von der "Leine" gerissen, weil ein wirklich gewichtiger Grund daher spaziert kam: ein edler Rasse-Boxer, auch an der Leine, aber nat├╝rlich einer ebenso viel edleren. Doch auch wenn Prolet auf Hochadel trifft - Testosteron bleibt Testosteron (oder wie immer dieses M├Ąnnlichkeitshormon bei Hunden hei├čen mag). Welche Kommunikationsprozesse da in Bruchteilen von Sekunden zwischen beiden R├╝den abliefen, werden wir nie wissen, nur das Resultat war klar: Arno riss sich als erster los, attackierte den Gegner und sofort waren sie ineinander verbissen. Adelsherrchen stand daneben und versuchte vergebens Seine Hoheit zur├╝ck zu rufen; Proletenfrauchen st├╝rzten sich - un├╝berlegt - gleich mit ins Geschehen, um die K├Ąmpfenden zu trennen.
Ich wei├č nicht, wie lange es dauerte, irgendwann hatten wir es geschafft. Zwei keuchende, z. T. blutende Hunde und ein kl├Ąffender Hundebesitzer, der uns klar machte, dass das blutende Ohr seines Edeltieres sehr teuer war bzw. uns teuer zu stehen kommen w├╝rde, denn dass weder unser s├╝├čer Prolli-Hund noch wir selbst versichert waren, hatte er schnell raus.
Geknickt trabten wir nach Hause und ├╝berlegten, wann die Rechnung vom Edelboxer-Besitzer wohl beim Bauern eintreffen w├╝rde; d.h. Arno war nat├╝rlich nicht geknickt, sondern beschwingt von diesem echt m├Ąnnlichen Abenteuer.
Die Rechnung kam ├╝brigens nie, zumindest wurde uns nie etwas Diesbez├╝gliches gesagt.

Den Besuchen bei Arno verdanke ich au├čerdem eine kleine, unvergessliche Lektion in Psychologie, n├Ąmlich, was bei der Verdr├Ąngung von Gef├╝hlen passiert oder passieren kann.
Denn eines sch├Ânen Tages hingen im zentralen Teil des Hofes, durch den wir zu Arno gehen mussten, mehrere Rinderh├Ąlften von der Decke, zwar schon leicht angetrocknet, aber un├╝bersehbar frisch geschlachtet und mega-eklig f├╝r zwei 14j├Ąhrige M├Ądels, die dann obendrein so naiv und d├Ąmlich waren, die Jungs des Bauern zu bitten ihnen Arno herauszuholen, damit sie nicht durch die h├Ąngenden Kuhleichen gehen m├╝ssten. Was jene dann nat├╝rlich erst recht nicht taten - h├Ąmisch grinsend.
Also: Blick starr an den Kuhk├Ârpern vorbei gerichtet, Atem angehalten und dann durch die Leichen; R├╝ckweg mit dem zerrenden Hund an der "Leine" ebenso.
Na also, geht doch alles, warum so zimperlich! Erst Minuten sp├Ąter bemerkte ich, dass ich mich vor meinen eigenen H├Ąnden ekelte und mich nicht mehr ins Gesicht fassen konnte. Der unterdr├╝ckte Ekel hatte sich einfach verschoben.

Aber die netteste Anekdote ist die vom Wahlplakat.
Landtagswahlen in Baden-W├╝rttemberg, und nat├╝rlich h├Ąngt ein schw├Ąbischer Bauer Wahlplakate ans Scheunentor, auch ohne einheimische CSU.
Schon Abend und einigerma├čen dunkel, als wir daran vorbei spazierten - ohne Hund - und auf die unziemliche Idee kamen, das Plakat etwas zu erg├Ąnzen, indem wir den
Spitzenkandidaten mit einem Schweinskopf versahen und die Sprechblase "Grunz" hinzuf├╝gten.
Gelang auch alles, doch als wir den R├╝ckzug antreten wollten - wer stand da hinter uns? Der Wachhund! Nicht in seiner Rolle als kl├Ąffender W├Ąchter, sondern ganz leise, aber mit einer Vorfreude auf den Ausflug, die nicht nur den Schwanz, sondern den ganzen Hund wackeln lie├č. Problem! Hund ausf├╝hren um diese Zeit war nicht mehr m├Âglich und ihn zur├╝ck bringen? Zwischen uns und seinem Platz lagen ca. 15 Meter und zwei Scheunentore, mindestens eines davon fest verschlossen. Klingeln und Arno einfach abgeben verbot sich nach vollbrachter Politschandtat von selbst.
Also blieb nur, Arno fest am Halsband zu nehmen, um das Wohnhaus herum unter erleuchteten Fenstern hindurch durch den Garten von hinten in den Stall zu schleichen und den Hund wieder fest zu machen - und zwar dieses Mal richtig fest.
Ob Arno unendlich gutm├╝tig oder einfach nur langsam von Begriff war, wei├č ich nicht, denn er fing tats├Ąchlich erst an zu bellen, als wir schon am Wegrennen und so gut wie in Sicherheit waren.
Gewiss ist aber, dass er hervorragende Anlagen zum Wachhund besa├č, denn er hatte uns durch die zwei Scheunentore hindurch nicht nur geh├Ârt, sondern auch unsere fl├╝sternden Stimmen erkannt.

Ich wei├č nicht, wann und wie er starb; eines Tages war er einfach verschwunden und an seiner Stelle ein anderer sch├Ąferhund├Ąhnlicher, schwarzer R├╝de, der nicht das
gl├╝ckliche Naturell seines Vorg├Ąngers hatte, denn er lie├č uns nicht an sich heran und so konnten wir ihn nicht ausf├╝hren. Armer Kerl!
Aber danke an Arno f├╝r die Bereicherung unserer Kindheit!




Version vom 02. 03. 2011 13:53
Version vom 02. 03. 2011 14:09

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Haremsdame
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Hallo Madeira,

gleich zu Anfang hast Du einen Satz geschrieben, bei dem mir gewisse "F├╝llsel" aufgefallen sind:

quote:
Arno war also der Wachhund, der bellen und Eindringlinge vertreiben sollte, nehme ich mal an. Erziehung hatte er nie genossen, Rasse und Stammbaum besa├č er auch nicht bzw. h├Âchstens Charakterrasse, daf├╝r den Charme von Mischlingshunden.

Da steht viel drin, was nicht unbedingt n├Âtig ist. Meiner Meinung nach w├╝rde es reichen, wenn Du das so schreiben w├╝rdest:

Arno war der Wachhund, der bellen und Eindringlinge vertreiben sollte. Erziehung hatte er nie genossen, Rasse und Stammbaum besa├č er auch nicht. Daf├╝r hatte er Charakter und den Charme von Mischlingshunden.

Vielleicht schaust Du in diesem Sinn den Text noch einmal durch? Im weiteren Verlauf fiel mir nicht so viel auf wie gerade zu Beginn.

Ein sch├Ânes Wochenende
w├╝nscht die Haremsdame
__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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