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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Arno
Eingestellt am 13. 03. 2008 01:45


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teccla
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2008

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Arno

Schwei├čgebadet erwacht sie im dunklen Wohnzimmer. Noch immer liegt sie auf der Couch. Die Stra├čenlaterne schickt einen m├╝den Lichtschein.
Er ist noch nicht da.
Die Armbanduhr zeigt 3.45 Uhr.
Sie werden in der Bar sein, beruhigt sie sich.
Ihre H├Ąnde suchen nach der Zigarettenschachtel. Das Feuerzeug blitzt kurz auf. Gen├╝sslich zieht sie den Rauch in die Lunge.
Nein, das wird er mir nicht antun. Sylvana hatte sie beide zur Geburtstagsparty eingeladen. Christiane und Klaus w├╝rden auch dort sein.
"Pass mir gut auf meinen Schatz auf", hatte sie lachend zu Sylvana gesagt.

Warum hat sie auch ausgerechnet heute diesen Migr├Ąneanfall? Auf dem Nachtschrank liegt das Buch "Die Schneek├Ânigin", das Lieblingsm├Ąrchen ihres Neffen.
4.10 Uhr.
Nein, nun hat auch keine Bar mehr ge├Âffnet.
In dieser Kleinstadt ist sie aufgewachsen. Sie kennt jedes Lokal.
Sie werden vielleicht bei Christiane weiter feiern.
Nerv├Âs fingert sie die n├Ąchste Zigarette aus der Schachtel.
4.36 Uhr.
Ein Gef├╝hl, als w├╝rde ihr Herz zerspringen.
Wie Kai es sp├╝rt, als die Schneek├Ânigin sein Herz in Eis verwandelt.
Herzrasen.
Zittern.
Das ist keine Erk├Ąltung.
Sie ist entschlossen.
Ein Gef├╝hl besagt gar nichts.
Ich muss es wissen.


Christiane schaut m├╝de aus dem Fenster im ersten Stock des Plattenbaus.
"Nein, er ist nicht hier. Er ist mit Sylvana nach Liederburg gefahren."
Da ist es wieder, dieses Gef├╝hl in den Knien, wie Pudding.

Die Landstra├če nach Liederburg kennt sie gut. Oft sind sie im Sommer hier entlang gelaufen, an den See, zum Schwimmen. Den ganzen Weg lang gelacht haben sie, diese f├╝nf Kilometer sind keine Strecke f├╝r zwei Verliebte.
Nun geht sie diesen Weg allein.
Sie wei├č nicht, was sie erwartet.
Sie wagt nicht, daran zu denken.
Sie will es wissen, nicht ahnen. Nicht vermuten, nicht unterstellen.
Sie will es wissen.

Das Tor zum Grundst├╝ck ist offen, auch die T├╝r zum gepflegten Eigenheim. Leise schleicht sie die Holztreppe hinauf.
Nur keine knacksende Diele erwischen!
Unter der T├╝r zu Sylvanas Zimmer scheint Licht. Seine Stimme dringt durch die Stille. Sie kann keine Worte verstehen, er spricht zu leise.
Sie setzt sich unschl├╝ssig auf die oberste Treppenstufe.
Nun habe ich doch die Zigaretten liegen lassen.
Dann steht sie auf.
Sie hat sich entschlossen.
Ich muss es wissen.

Ihr Kopf zaubert tausend Erkl├Ąrungen hervor. Sylvana hat sich verletzt, er hat ihr nur geholfen. Sylvana war angetrunken, er wollte nur sicher gehen, dass sie gut heim findet.
Sylvana ist seit sechs Jahren ihre beste Freundin.

Sie ├Âffnet die T├╝r.
Das Licht blendet sie f├╝r einige Sekunden. Dann erkennt sie die Situation. Er sitzt auf ihrem Bett.
Ihre erste gro├če Liebe sitzt auf dem Bett ihrer Freundin Sylvana.

Niemals h├Ątte sie eine solche Situation f├╝r m├Âglich gehalten.
Sie schluckt, kriegt den Knoten nicht aus dem Hals.
Doch sie f├Ąngt sich.
"Kommst du mit heim oder willst du noch mal?"
Zwei erschrockene, erstaunte Gesichter schauen sie an.
Diese Stille, diese Blicke.
Sie ist angewidert.
Sie kann es nicht ertragen.
Keine Schw├Ąche jetzt!
Noch einmal wendet sie sich um. Die Klinke schon in der Hand, schreit sie ihn an.
"Steh auf, du Memme, und geh mit mir heim!"
Wortlos erhebt er sich, zieht sich an und folgt ihr.

Sie laufen die Landstra├če zur├╝ck, er einige Meter vor ihr.
Sie ist w├╝tend. Sie will ihn verletzen, doch sie findet keine Worte, die den eigenen Schmerz bet├Ąuben k├Ânnten.
Wieso fallen ihr keine Schimpfw├Ârter ein?

Der Schl├╝ssel geht nicht ins T├╝rschloss.
Sie zittert.
Endlich ├Âffnet sie die Wohnung.
Alles, was ihr in die H├Ąnde kommt, wirft sie in seine Richtung. Zum Zielen hat sie keinen Blick. Die Augen sind zu nass, sie kann kaum etwas erkennen.
Sie l├Ąuft ins Schlafzimmer, sucht wahllos Sachen aus seinem Schrank, wirft sie in seine Richtung und l├Ąsst sich auf das Bett fallen.
Zusammengerollt wie ein Kleinkind, schluchzend und zitternd weint sie in die Kissen.
Sie h├Ârt ihn reden. Seine Stimme klingt, wie hinter jener Zimmert├╝r.
Er geht.
Die T├╝r f├Ąllt ins Schloss.
Nur ihr Wimmern ist zu h├Âren.
Irgendwann schl├Ąft sie ein.

Etwas ist gestorben in ihr.
Die Schneek├Ânigin hat ihr Herz verwandelt.
Als es klingelt, hat sie keine Tr├Ąnen mehr.
Bereit, ihm den Ring zu geben, ├Âffnet sie.
Zwei Polizisten schauen sie an.
"... ihr Mann ist mit dem Motorrad... t├Âdlich verungl├╝ckt...ÔÇť
Ohne Blick, schweigend, schlie├čt sie die T├╝r.
__________________
Zahme V├Âgel singen von Freiheit, wilde fliegen...
(Jamaikanisches Sprichwort)

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Gef├Ąllt mir gut, teccla. Man hat am Ende ein befriedigendes Gef├╝hl, obwohl es ganz sch├Ân hart ist.
Das einzige, was mir auffiel und was meiner Meinung nach ├╝bertrieben ist: dass sie alle m├Âglichen Sachen nach ihm wirft. Besser w├Ąre es (f├╝r mich), wenn sie nach dem ├ľffnen der T├╝r sich einfach weinend auf ihr Bett wirft. Derlei heftige Reaktionen ihrerseits - nach einem 5 km Fu├čmarsch - wirkten (auf mich) nicht real. Aber es ist Geschmackssache.

Ihre Gedankenemotionen sind jedenfalls klasse vermittelt worden.

LG, KaGeb

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