Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92253
Momentan online:
264 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Aschermittwoch
Eingestellt am 16. 07. 2011 11:47


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Ironbiber
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Registriert: Jul 2011

Werke: 44
Kommentare: 669
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ironbiber eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ein Pick-up mit Firmenlogo hĂ€lt vor meinem Fenster. Vier gestandene MĂ€nner entsteigen. Sie beĂ€ugen fachmĂ€nnisch den Narrenbaum, der vom Wind jetzt etwas lĂ€diert, heute darauf wartet, seiner weiteren Bestimmung in einem Kamin zugefĂŒhrt zu werden.

Die vier sind Otto, so Anfang sechzig mit Latzhose und schon leicht asthmatisch, Wladimir, Typ Weißrussland, Ende zwanzig mit Papirossi im Mundwinkel, sowie Yusuf und Ali, beide wohl mit Migrationshintergrund und MĂŒtze verkehrt rum.

Die Namen sind frei erfunden, aber ich bin sicher, dass bei nÀherer Nachfrage mindestens zwei Treffer dabei wÀren.

Otto ist sicherlich der Vordenker des Trupps und mustert gleich mal das BĂ€umchen, wĂ€hrend sich Vladimir eine neue Zigarette ansteckt. Yusuf und Ali sind derweil ĂŒber die neue App von Ali’s Smartphone in Streit geraten und beschimpfen sich in Sprachen, die ich nicht zuordnen kann, die aber den Schluss nahelegen, dass beide in ihrem ehemaligen Kulturkreis andere Vorstellungen von diesen elektronischen Helferlein haben.

Otto ist genervt und flucht im tiefstem ortsĂŒblichen Dialekt. Er bĂŒckt sich und nestelt an den Holzscheiten, die dank des stĂŒrmischen Wetters der vergangenen Tage sowieso nur noch losen Halt geben. Der Stamm kippt und Otto stĂŒtzt ihn fachmĂ€nnisch am unteren Ende mit seinen HĂ€nden ab.

Yusuf und Ali haben sich geeinigt, dass Ali’s Smartphone - App voll cool ist, wissen aber beide wohl nicht so richtig, was man da sonst noch rausholen kann.
<<Musst du da dricken>>, weiß Yusuf. Ali drĂŒckt da und auch dort. Seine Mimik sagt mir aber, dass er mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist.

Otto wird langsam rot im Gesicht, wĂ€hrend, die Situation beobachtend, ein Ă€lteres Rentnerehepaar, sagen wir Franz und Erna, einen Zwischenstopp einlegen. Der Ă€ltere Herr erklĂ€rt Otto, wie er diese Aufgabe seinerzeit bei den Pionieren gelöst hĂ€tte. Nur gab‘s damals halt keine NarrenbĂ€ume auf dem Weg nach Osten, aber die Panzersperren waren auch ganz schön störrische Hindernisse.

Ich mische mich da natĂŒrlich nicht ein, denn mit meinem Know-How hĂ€tte die Erstellung eines Projektplanes mit Organigramm, Lasten- und Pflichtenheft, sowie die Programmierung aller relevanten Parameter zur Ermittlung des optimalen Kippwinkels mit Anzeige der Phasen – WirkkrĂ€fte in einer graphischen Aufbereitung das Gesamtbudget der kleinen Firma auf Jahre hinaus verschlungen und die letztendliche AusfĂŒhrung in Frage gestellt. Von den Simulationstestreihen unter Laborbedingungen im Maßstab 1:50 will ich gar nicht erst reden.

Der BĂ€umchenhalter flucht wieder, versucht sich weiter nach hinten zu hangeln und ringt nach Luft. Wladimir ist jetzt fertig mit Rauchen und steckt sich erst mal eine Neue an.

Otto schwingt sich mutig und gekonnt zur Seite. Der Baum klatscht auf das Pflaster. Man sieht schon, dass es noch Outdoorprofis gibt. Einen Meter weiter links, und der Arbeitgeber des Trupps hĂ€tte ein Problem mit dem Halter eines teuren Oberklassemodells mit Stern bekommen und Franz mit Erna im „worst case“ einen Zeugentermin vor Gericht

Die Motorhaube des silberfarbenen Dickschiffs ziert jetzt nur eben mal ein nÀrrisches Schleifchen, dass der Wind bald verwehen wird.

Die beiden Ă€lteren Zuschauer sind begeistert und Ali hat wohl endlich die Smartphone – App gestartet, denn Yusuf sagt anerkennend das, was er bei so einem Ereignis immer sagt: <<Voll gutt Mann>>.

Otto schwitzt und flucht. Jetzt kommt die Stunde von Vladimir. Mit einem eisernen Griff hat er die MotorsĂ€ge in Gang gesetzt und wĂŒtet barbarisch auf dem wehrlosen BĂ€umchen. Die letzte Zigarette ist schon lange ausgegangen, aber ihn stört das jetzt nicht mehr.

Das stolze Symbol fĂŒr das nĂ€rrische Dorf ist in Rekordtempo zu handlichen StĂŒcken verarbeitet, die Otto auf die LadeflĂ€che des Pick-ups wirft und dabei flucht (warum auch immer, er mĂŒsste ja stolz auf seine Arbeit sein).

Yusuf und Ali sitzen schon wieder im Transporter und es sieht so aus, dass Ali es auch geschafft hat, die App wieder zu beenden, denn er telefoniert jetzt wild gestikulierend, wÀhrend Yusuf zufrieden an einer neuen Zigarette zieht.

Otto macht draußen noch etwas sauber und Franz mit Erna gehen weiter, da es eh nichts mehr zu sehen gibt. Vladimir lĂ€sst zum Abschluss noch ein paarmal die SĂ€ge aufheulen und zeigt durch seine Mimik tiefste Genugtuung.

Der Pick-up verschwindet in Richtung der untergehenden Abendsonne. Der Aschermittwoch ist gelaufen. Vier Mann haben einen Job erledigt, ein Rentnerehepaar hat GesprĂ€chsstoff fĂŒr den Abend bekommen, und ich entferne mich wieder vom Fenster, denn es gibt ja genĂŒgend Neugierige in der Nachbarschaft, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben als Leute zu beobachten.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


2 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!