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Leselupe.de > Humor und Satire
Assekurianz
Eingestellt am 17. 03. 2006 00:24


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Raniero
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Assekurianz

Der Gebietsleiter der Versicherungsgesellschaft ‚Assek-Imp‘, Herr Bodo HĂ€ning, zeigte sich leicht gereizt, hatte er doch soeben einen unmöglichen Anruf erhalten, von einer Kundin.
Er möge doch, bitteschön, so lieb sein, forderte eine energische weibliche Stimme von ihm, und dafĂŒr Sorge tragen, dass sich die Wespe, die sich auf ihrem StĂŒck Erdbeertorte niedergelassen hatte, welches sie gerade zum Gaumen fĂŒhren wollte, entferne.
Bodo HĂ€ning war schon so einiges gewohnt, in seiner langjĂ€hrigen TĂ€tigkeit als Versicherungsvertreter, und das musste er auch sein, schon aufgrund der Tatsache, dass sich seine Versicherungsgesellschaft mit dem schönen Namen ‚Assek-Imp‘ schmĂŒckte, was eine AbkĂŒrzung fĂŒr Assekuranzia Impossibile bedeutete, aber musste man denn alles wörtlich nehmen?
Nun gut, ein solcher Firmenname war in der Tat verlockend, und in der Kombination mit dem griffigen Werbeslogan „Wir fangen Sie nicht nur unverzĂŒglich auf, wir zahlen auch sofort aus“, der auf die Schnelligkeit der Bearbeitung der SchadensfĂ€lle anspielte, wurden natĂŒrlich gewisse Erwartungen geweckt.
Diese Erwartungen verstiegen sich bis hin zu der absurden Idee, dass die Gesellschaft eine Person bei einem unverschuldeten Fenstersturz aus beliebiger Höhe diese nicht nur unten auffange, sondern auch gleich fĂŒr den erlittenen Schaden ausbezahle.
Aber war es denn nicht tatsĂ€chlich so, fragte sich Bodo, dass, seit diese in der Tat merkwĂŒrdige Fernsehwerbung ausgestrahlt wurde, seine Kunden nicht mehr wussten, was sie von der Versicherungsgesellschaft halten sollten?
In dieser Werbung wurde eine junge Frau im eleganten Outfit gezeigt, die gerade im Begriff war, einen Löffel mit Honig, auf welchem eine fette Biene saß, zum Mund zu fĂŒhren.
Zu allem Überfluss stand auch noch in ebenso fetten Lettern unter der Werbung:
„Wir versichern Sie auch gegen solche SchĂ€den.“
‚Irgendwie haben unsere Werbetexter da oben eine Meise‘, Ă€rgerte sich Bodo, ‚natĂŒrlich ist diese Werbung zwar symbolisch gemeint, aber wenn ein Kunde das nicht so sieht, haben wir hier unten das auszubaden, wir an der Front.‘

Aus diesem Grunde hatte er der Anruferin, die sich offensichtlich auf diese Werbung bezog, erklĂ€rt, dass seine Versicherung zwar auch im weitesten Sinne und in besonderen AusnahmefĂ€llen fĂŒr SchĂ€den, die durch Insektenstiche hervorgerufen werden können, aufkĂ€men, doch im Allgemeinen sei diese Werbung, die sie aus dem Fernsehen kenne, durchaus symbolisch zu verstehen, und die Mitarbeiter der
Assek-Imp hĂ€tten nicht die Aufgabe, sich im Einzelnen um Insekten, die auf KuchenstĂŒcken saßen, persönlich zu kĂŒmmern.
„Eine gewisse Vorsorgepflicht obliegt auch Ihnen selbst, gute Frau.
„Wir kommen erst dann, wenn gestochen wurde“, versuchte er zum Schluss des GesprĂ€ches einen Scherz anzubringen, aber dieser war ihm zu seinem Leidwesen gewaltig misslungen.
„Sie werden noch von mir hören, Sie Flegel!“ donnerte die Kundin durchs Telefon und anschließend mit dem gleichen Donner den Hörer auf.
Nach der ersten Empörung ĂŒber diese abrupte Art, das TelefongesprĂ€ch zu beenden, machte sich bei Bodo jedoch eine gewisse Unruhe breit.
Hatte er wirklich in allen Punkten richtig gehandelt, fragte er sich nun besorgt, oder war doch ein wenig zu vorschnell, zu forsch gewesen bei der Ablehnung des Ansinnens der energischen Dame?
HĂ€tte er nicht lieber auf diesen Scherz verzichten sollen?
Ein jeder versteht unter Humor etwas anderes, manch einer gar nichts.
Tat er nicht besser daran, sich nachtrĂ€glich bei der Anruferin zu entschuldigen, bevor diese einen geharnischten Brief an die GeschĂ€ftsfĂŒhrung schickte, um sich ĂŒber sein unfreundliches Benehmen einer langjĂ€hrigen Kundin gegenĂŒber zu beschweren?

Je mehr Bodo darĂŒber nachdachte, umso mehr beschlich ihn ein ungutes GefĂŒhl, ein GefĂŒhl, das allmĂ€hlich an Panik zu grenzen schien.
All die in der Vergangenheit sich hĂ€ufende Prozesse standen ihm vor Augen, die amerikanische AnwĂ€lte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und leider nicht nur dort , angestrengt hatten. Sammelklagen war der treffende Ausdruck fĂŒr diese Mammutklagen. Verfahren, die nach Ansicht vieler Nichtamerikaner an den Haaren herbeigezogen schienen, die aber offenbar immer mehr von Erfolg gekrönt waren und immense Schadensersatzforderungen nach sich zogen.
Prozesse, in welchen Personen gegen riesige Konzerne zu Felde zogen, wie einst David gegen Goliath, und denen Recht zugesprochen wurde, weil sie beispielsweise vom permanenten Konsum eines bestimmten Produktes einen Fettbauch bekamen und der Konzern vorab nicht deutlich genug auf eine solche mögliche Konsequenz hingewiesen hatte.
War es denn nicht etwa wirklich so, dass die Fernsehwerbung seiner Gesellschaft manch einen Zeitgenossen praktisch ermunterte, seinen Kuchen mit einer Biene als Beilage zu verspeisen?

Schweißperlen unverhohlener Angst traten auf Bodos Stirn.
Nur zu deutlich sah er ihn vor sich, den Anwalt der resoluten Kundin, im Gerichtssaal, wie dieser sich vor ihm aufbaute, massiv und immer grĂ¶ĂŸer werdend, wĂ€hrend er selbst sich in der Anklagebank, in der es vor Wespen nur so brummte, immer kleiner machte:
„Dieser Mann, hohes Gericht, meine Damen und Herren Geschworenen, trĂ€gt die alleinige Schuld an dem verheerenden Ereignis, dem meine Mandantin fast zum Opfer gefallen wĂ€re! HĂ€tte dieser Mann seinerzeit gehandelt statt es zu unterlassen, dann stĂ€nden Sie und ich, wir allesamt heute nicht hier!“

Bebend vor Entsetzen griff Bodo HÀning zum Telefonhörer und wÀhlte die Nummer der Versicherungsnehmerin seiner Gesellschaft, der Dame mit der Wespe auf der Erdbeertorte.
Er war bereit, sich umfangreich fĂŒr sein Nichthandeln zu entschuldigen, bereit, sofort persönlich zu ihr zu eilen und zur Tat zu schreiten, bedingungslos.
Es dauerte eine Zeitlang, bis am anderen Ende der Leitung der Hörer abgenommen wurde.
„Hier KnĂŒper, wer spricht?“
„Hallo Frau KnĂŒper“, fiel Bodo ein Stein vom Herzen, „Gott sei dank, dass ich Sie noch erreiche. Bodo HĂ€ning hier, Sie wissen schon, von Ihrer Versicherungsgesellschaft, der Assek-Imp .Ich wollte mich nur noch einmal nach Ihrem werten Befinden erkundigen und mich gleichzeitig bei Ihnen entschuldigen, fĂŒr den schlechten Witz, vorhin am Telefon. Wie kann ich das jemals nur wieder gutmachen? Am besten wird es sein, ich eile sofort zu Ihnen, um sie von der wilden Bestie auf Ihrem TortenstĂŒck zu befeien!“
„Ach Sie sind’s, Herr HĂ€ning. Lieber Herr HĂ€ning, vielen Dank fĂŒr Ihr Angebot, aber Sie brauchen sich nicht mehr herzubemĂŒhen. Die Feuerwehr ist bereits hier, seit einer Stunde. Sie werden es nicht glauben, aber die sind mit drei LöschzĂŒgen angerĂŒckt!“
„Mit drei LöschzĂŒgen? Ja, dann ist ja alles in Ordnung, Frau KnĂŒper. Schicken Sie uns dann bitte die Rechnung ĂŒber den Feuerwehreinsatz zu, bitte.“

Mit einem GefĂŒhl grenzenloser Erleichterung legte Bodo HĂ€ning den Hörer auf.

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Minotaurus
Guest
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Hallo Raniero,
nun habe ich bereits mehrere von Deinen Geschichten gelesen, aber alle haben sie Eines gemeinsam:
Alle haben ein interessantes Thema, sind gut aufgebaut und stilistisch in Ordnung. Auch die Charaktere kommen gut und bildhaft rĂŒber. Die Spannung steigt immer mehr, man wartet auf eine ungewöhnliche Wendung und trotzdem hat man am Schluß immer das GefĂŒhl, um die Pointe betrogen worden zu sein.
Die Auflösung ist einfach zu banal, als daß man darĂŒber lachen könnte.
Es mag schon sein, daß dies nun einmal Dein persönlicher Stil ist, aber als Leser finde ich das sehr unbefriedigend. Es ist wie bei einem Witz, bei dem die Pointe fehlt, wenn Du verstehst, was ich damit meine? (kalter Kalauer)
Sorry, aber ich kann es Dir nur so sagen, wie es bei mir ankommt.
GrĂŒĂŸe vom Minotaurus.

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Marius Speermann
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Minotaurus: meine Meinung zu Ranieros Stil ist Ă€hnlich, auch wenn es mir in meinem bisherigen Feedback zu seinen Geschichten bisher nicht gelungen ist, das so auszudrĂŒcken (siehe mein Kommentar zu Unterwegs). Allerdings hat mir Dein Feedback jetzt die richtigen Worte gegeben, das weiter zu erklĂ€ren, warum ich mit dem Stil einfach nicht warm werde.

Ich dachte, es liegt nur an mir und habe deshalb fairerweise keine Bewertungen gegeben (obwohl ich alle Geschichten lese).

Lass mich Minotaurus Worte weiter ausfĂŒhren:
Ich stimme zu, die Themen und Ideen sind gut, die AusfĂŒhrung mag ich nicht. Je lĂ€nger man um die Pointe "herumeiert", desto grösser wird die Erwartungshaltung der Leser. Man erwartet eine Superpointe. Je lĂ€nger und ausfĂŒhrlicher die Vorgeschichte, desto mehr vermutet der Leser, dass jetzt was kommt, dass es jetzt richtig knallen wird, dass es sich gelohnt hat.
Diese LÀnge kommt bei Raniero sowohl durch die LÀnge der SÀtze, der teils sehr sperrigen Wortwahl, aber auch durch das Hinauszögern des Endes.

Nur am Ende kommt nicht viel, es gibt keine wirkliche Pointe, teilweise wird diese durch Zwischen-, Neben- und BeisÀtze zerstört oder zumindest entschÀrft.

Wenn im Text mal zwischendurch eine Pointe kĂ€me, dann wĂŒrde sich die Spannung gezielt abbauen und man zum Ende nicht die Superpointe erwarten. Diese Zwischenpointen gibt's aber auch nicht so wirklich oder leiden unter dem selben Symptom, wie die Endpointe.

Schmunzeln wĂŒrde ich, wenn der Stil leicht und locker wĂ€r. So bin ich irgendwie immer wieder enttĂ€uscht, weil schon wieder nicht wirklich was kam.

Ich weiss ich bin jetzt unfair, aber das ist meine persönliche Einstellung, mein GefĂŒhl dazu.

Vielleicht wĂ€re ich fairer, wenn Raniero mal völlig anderes bringen wĂŒrde, einen Text, wo man sieht dass er lĂ€nger daran gearbeitet hat und die Pointen scharf herausarbeitet, sie aus seinen Texten herausmeiselt. So sehen die Texte ein bisserl nach Meterware aus. Ich seh's bei meinen eigenen Texten. Wirklich gute Texte kann man nur machen, wenn man sich Tage dafĂŒr Zeit lĂ€sst. Ein Text pro Woche, aber nicht 2 pro Tag.

Marius
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flammarion
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hallo,

habt ihr schon mal einen feuerwehreinsatz bezahlen dĂŒrfen? ich halte das durchaus fĂŒr ne bombenpointe.
lg
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Old Icke

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Marius Speermann
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Persönlich Gott sei dank nicht, es gibt aber jede Menge FĂ€lle, was das so war. Auch ist das z.B. bei Rettungshubschraubern oder eben seit neuestem den Geiselbefreiungen (siehe die deutschen Geiseln in Algerien?) der Fall gewesen. Also nicht sehr ĂŒberraschend und deshalb eher ein Pointerl, den Bombe.

Marius
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flammarion
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ja,

siehste, hier kommt der unterschied zwischen ost und west zum vorschein. wir DDRler wußten kaum, was so ein einsatz kostet, konnte ihn kostenlos in anspruch nehmen. fĂŒr mich ist es noch immer ein hammer, wenn jemandem aus der not geholfen wird und er darf dafĂŒr eine summe zahlen, die er kaum aufbringen kann.
und wenn sich eine versicherung - wie in obiger geschichte - selbst in eine situation hineinmanövriert, die ihr statt gewinn kosten einbringt, dann finde ich das urkomisch, besonders, da es durch die von mir gehaßte werbung geschieht.
du siehst, nicht nur schönheit liegt im auge des betrachters, sondern auch humor.
lg
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Old Icke

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