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Leselupe.de > Kurzprosa
Atemstille
Eingestellt am 24. 02. 2005 11:21


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Alpha
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Atemstille

Es war noch so fr├╝h am Abend. Ich hatte nichts dagegen im Bett zu liegen, aber schlafen war was anderes. Zu kussarm. Zu still. Ich h├Ątte gern ein wenig mit dir geplaudert. ├ťber das Buch vielleicht, das ich angefangen habe und das mir so gef├Ąllt. Oder dar├╝ber, ob dein Chef zum Anzug wieder seine Biolatschen an hatte.
Es war still um uns. Atemstill. Du schautest hier und da ein paar L├Âcher in die Luft, aber selbst das schien so anstrengend, dass dir die Augen zu fielen. Ich wartete kurz um zu sehen, ob es nur ein langanhaltendes Zwinkerns gewesen war. „Du“, fragte ich in kindlich sch├╝chternem Ton, „darf ich meine Lippen so auf deine tun, so wie die machen, die sich lieb haben? So ganz kurz nur?“ Und ich zog meine Lippen zu einem Schmollmund zusammen und blickte dich an wie ein Kind, das um Schokolade bettelt. Du blinzeltest mich an und ein L├Ącheln begleitete dein gestelltes „Na gut, aber mach schnell“. Ich richtete mich auf und gab dir einen Kuss aus jener Zeit, als man noch dachte, es g├Ąbe nichts Aufregenderes, was zwei Menschen miteinander tun k├Ânnten. Ich sah von dir auf, wollte grinsen, weil es eigentlich eine urkomische Situation war. Ich fiel mitten in deine Augen.
Als ich wieder auftauchte, ich atmete schwer wie nach einer ungeheueren Anstrengung, legte ich besonnen meinen Kopf auf deinen Oberk├Ârper. Meine Linke wanderte hinunter zum Bauch, strich flaumhoch ├╝ber deine weiche Haut, unter der sich in der Atembewegung spielende Muskeln abzeichneten. Ich h├Ątte vor Schmach gern geseufzt, doch ich brachte kein Wort heraus. Atemstille. Dein Herz schlug wohlwollend vor sich hin. Ich lauschte ged├Ąmpften T├Ânen, es sprach von Frieden.

Ein Scheinwerferlicht fiel stumm in den Raum. Mir war warm, ich f├╝hlte einen Puls am Innenschenkel, den ich nicht zuordnen konnte. Auch in den Fingerspitzen.
Atmen, lauschen, f├╝hlen. Manchmal braucht es nicht mehr zum Gl├╝ck. Ich h├Ątte gern mehr davon gehabt. Mehr von dir. Trotz all der Innigkeit litt ich wie ein M├Ąuschen, das auf seinem Lieblingsk├Ąse sa├č, ihn aber nicht anknabbern durfte. Der Kuss, aus dem gerne mehr geworden w├Ąre. Deine Augen. Dein Bauch. Ich durfte nicht daran denken. Mir lief das Wasser im Mund zusammen.
Ich legte mich in deinen Arm zur├╝ck und zog die bauchverliebte Hand auf deine linke Brust. Es war gescheiter, sie aus der Gefahrenzone zu holen, ich wollte dich nicht wecken. Dein Atem wurde flacher, ich folgte ihm mit geschlossenen Augen. Deine Atemz├╝ge waren kurz, und nach dem Ausatmen machtest du immer eine Pause, als m├╝sstest du deinen n├Ąchsten Atemzug erst beschlie├čen. Dann atmetest du wieder ein, ich h├Ątte dich so gern noch ein mal gek├╝sst.
Fast unmerkliche klappertest du mit den Z├Ąhnen. ├ľfter als sonst, ich z├Ąhlte nicht ├╝ber drei hinaus. Ich l├Ąchelte in mich hinein. Atmen, lauschen, f├╝hlen. Ich folgte deinem Herzschlag in die Nacht hinein. Ein Lichtkegel fiel durchs Fenster und durchwanderte den Raum. Atemstille.
__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

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Yamana
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hallo alpha

ein mildes, melancholisches st├╝ck prosa, so genau und "einfach" im ton, dass eine worterfindung wie kussarm darin fast gespreizt klingt (obwohl eigentlich wohl nichts dagegen spricht)
liebe gr├╝sse
yamana
__________________
dichten ist ├╝bersetzen in eine nicht vorhandene sprache.
(breyten breytenbach)

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